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Pilot und Besatzung mit Patienten auf engstem Raum: »Fliegen jetzt mit Mundschutz«

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Traunstein: Hubschrauber-Besatzung schützt sich vor Coronavirus mit Masken | Christoph 14
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In Zeiten von Corona laufen auch die Einsätze von Christoph 14 anders ab – Pilot, Notfallsanitäter und Arzt tragen jetzt immer PSA-Mundschutz.

Traunstein – Ein ohrenbetäubendes Knattern erfüllt die Luft, als der orangefarbene Rettungshubschrauber Christoph 14 auf dem Dach des Klinikums Traunstein landet. Ein Mann ist bei einem Unfall schwer verletzt worden – eigentlich Alltag für Pilot Eckart Steinau und Notfallsanitäter Thomas Mayer. Doch in Zeiten von Corona ist vieles anders.

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»Wir fliegen jetzt mit Mundschutz«, sagt der erfahrene Pilot. Zunächst sei das umstritten gewesen wegen der Akustik beim Funken. »Doch jetzt wurde es genehmigt.« Insgesamt hat er derzeit etwa 25 Prozent weniger Starts vom Klinikum Traunstein aus als in normalen Zeiten. »Es gibt ja kaum noch Freizeitaktivitäten«, sagt Eckart Steinau. Und auf den Straßen sei auch deutlich weniger los. »Es passieren also weniger Verkehrsunfälle.«

Dafür fliegt nun immer die Ungewissheit mit. »Wir wissen nie, was uns erwartet. Schließlich werden bei einem Unfall ja keine Corona-Symptome abgefragt,« sagt Notfallsanitäter Thomas Mayer.

In der Enge des Hubschraubers ohne Abtrennung zum Cockpit sei ein Schutz schwierig. »Wenn der Patient hustet, dann verteilt sich das in Kabine«, gibt er zu bedenken. Trotzdem betont Thomas Mayer, dass auch in Corona-Zeiten die Hilfe von schwer Verletzten und Erkrankten oberste Priorität habe – der Abstand von eineinhalb bis zwei Metern kann bei Rettungseinsätzen natürlich nicht eingehalten werden und oft muss es noch dazu schnell gehen. Es gebe durchaus Menschen, die sich bereits Sorgen machen würden, »dass wir nicht mehr normal helfen.« Er und Pilot Eckart Steinau versuchen aber, sich so gut es geht, zu schützen. »Wir tragen PSA-Mundschutz und Handschuhe, egal zu welchem Einsatz wir gerufen werden«, sagt Thomas Mayer.

Und eine weitere Maßnahme haben sie ergriffen: Im Verdachtsfall werden Patienten nur im äußersten Notfall ins Krankenhaus geflogen, der Großteil der Patienten wird mit dem Rettungswagen transportiert. »Das Desinfizieren des Hubschraubers dauert eineinhalb Stunden. Da wären wir also längere Zeit nicht einsatzbereit«, sagt Pilot Eckart Steinau.

Bislang wurde mit »seinem« Hubschrauber Christoph 14 ein Coronaverdachtsfall geflogen – der sich im Nachhinein aber als negativ herausgestellt hat. »Die Desinfektionsmaßnahmen waren da natürlich trotzdem gelaufen«, ergänzt Thomas Mayer.

Fliegen normalerweise fünf oder sechs verschiedene Piloten der Bundespolizei von Traunstein aus Rettungseinsätze, sind es derzeit nur zwei – auch das eine Maßnahme, um das Ansteckungsrisiko möglichst gering und die Teams einsatzbereit und vor allem gesund zu halten. »Wir vermeiden große Wechsel.« Des Weiteren würde die Übergabe von einem zum nächsten Team nun »blind« gemacht – sie treffen sich also nicht.

In der Luftrettung arbeiten kleine und hoch spezialisierte Teams, die nur schwer zu ersetzen sind. Es ist also wichtig, Piloten und Rettungskräfte vor Infektionen zu schützen, damit Christoph 14 nicht am Boden bleiben muss. KR

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