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Pilot des Rettungshubschraubers war Fluchthelfer

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Mit einem Fluggerät wie diesem, einem Hubschrauber des Typs Bell Jet Ranger, holte Barry Meeker DDR-Flüchtlinge aus der Tschechoslowakei über den Eisernen Vorhang nach Deutschland.
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Der Fluchthelfer Barry Meeker auf einem undatierten Privatfoto. Von Kugeln getroffen, konnte er nach einem missglückten Fluchthilfeeinsatz seinen Hubschrauber am 17. August 1975 am Traunsteiner Stadtkrankenhaus landen. 1982 verunglückte der ehemalige US-Kampfpilot und Vietnam-Veteran mit einem Fluggerät ähnlichen Typs in Oklahoma tödlich.

Traunstein – In diesen Tagen jährt sich zum 40. Mal ein dramatisches Ereignis, das bundesweit Schlagzeilen machte. Der Hubschrauber, der später den Rettungsdienst am Traunsteiner Krankenhaus versah, wurde in der Tschechoslowakei beim Versuch beschossen, Menschen über den eisernen Vorhang außer Landes zu bringen. Der Traunsteiner Rettungshubschrauber-Pilot Barry Meeker wurde verletzt, konnte die Maschine vom Typ Bell Jet Ranger aber noch nach Traunstein zurückfliegen und sicher am damaligen Stadtkrankenhaus landen.


Der Tipp kam von einem Patienten

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Das Traunsteiner Wochenblatt bekam am nächsten Tag, dem 18. August, also genau heute vor 40 Jahren, den Tipp, dass der weißlackierte Hubschrauber mit zahlreichen Einschüssen im Garten der Klinik stehe. Unser damaliger Volontär Klaus Oberkandler fotografierte die Maschine. Er erinnert sich an die dramatischen Ereignisse am Tag nach dem spektakulären Vorfall: »Es war ein Montag und damals wurde unsere Zeitung noch als Montag-/Dienstagausgabe am frühen Nachmittag gedruckt. Gerade war die Rotation an der Marienstraße angelaufen, als ein Patient aus dem Klinikum anrief und uns von den Einschusslöchern am Helikopter informierte.« Im Laufe der folgenden Stunden und Tage kam nach und nach die Wahrheit um den spektakulären Zwischenfall am Moldauufer ans Tageslicht.

1974 hatte Meeker in München Heinz Heidrich kennengelernt, der 1973 aus der DDR geflohen war. Heidrich plante damals die Flucht von Landsleuten über den Eisernen Vorhang aus der Tschechoslowakei. Es war offenbar ein lukratives Geschäft. Heidrich hatte eine Sicherheitslücke im engmaschigen Netz der Grenzeinrichtungen entdeckt und engagierte Meeker als Piloten. Am 17. August sollte er eine vierköpfige Familie am Ufer der Moldau abholen, doch die Fluchtwilligen kamen einige Augenblicke zu spät.

Es folgen dramatische Momente: Statt der geplanten zehn Sekunden schwebt das Fluggerät fast zwei Minuten am vereinbarten Treffpunkt. Meeker lässt seinen Freund Teddy K., einen »fliegernarrischen« Studenten aus Marburg, aussteigen, um der Familie beim Einsteigen behilflich zu sein.

Vom Turbinenlärm alarmierte Grenzsoldaten eröffnen das Feuer und beschießen die Bell Jet Ranger. Auch der Pilot wird getroffen. Er lässt Teddy K. und die Frau der Familie zurück, als diese von einer Kugel getroffen zusammenbricht. Der Fluchthelfer fliegt direkt zum Klinikum Traunstein, wo er behandelt wird und bald wieder wohlauf ist.

Fluglizenz wurde Meeker entzogen

Nach diesem Vorfall verlor Meeker, der in Connecticut geboren wurde und damals vermutlich 33 Jahre alt war, seine Fluglizenz für Deutschland. Er ging zurück in die USA, wo er 1982 bei einem Flugzeugabsturz nahe Oklahoma City mit einem Hubschrauber vom Typ Bell 222 ums Leben kam. Grund für den Absturz damals war – so ergaben die Untersuchungen – Materialermüdung. Vor seiner Tätigkeit als Fluchthelfer war Meeker Kampfpilot der US-Army im Vietnamkrieg gewesen.

Das Rettungsflugwesen in Traunstein steckte zu der Zeit, als Meeker hier tätig war, noch in den Kinderschuhen. Im Jahr 1971 hatte die Privatfirma Ortner unter dem Namen Süd-Helicopter den Flugdienst für das damalige Stadtkrankenhaus begonnen. Stationiert war das Fluggerät zunächst in Siegsdorf bei der Autobahnpolizei. 1974 bezog man einen Hangar aus Wellblech beim Krankenhaus.

Seit 1976 offizielle Flugrettung in Traunstein

Erst im September 1976 wurde die offizielle Flugrettung installiert und Christoph 14 feierlich in Dienst gestellt. Noch einmal erinnert sich der Schreiber dieses Beitrags: »Es war ein Riesenereignis für Traunstein. Oberbürgermeister Rudolf Wamsler begrüßte zur Inbetriebnahme neben anderen auch den damaligen Bundesinnenminister Professor Werner Maihofer und den Bayerischen Staatssekretär Erich Kiesl.« Kiesl wurde wegen seiner Vorliebe für Hubschrauberflüge damals Propeller-Erich genannt. Später war er Oberbürgermeister in München.

Traunstein war nach München und Nürnberg erst der dritte feste Standort für einen Rettungshubschrauber in Bayern. Das Fluggerät damals war eine BO 105, die erst im Jahr 2007 durch einen neuen Gerätetyp abgelöst wurde. Heute ist Christoph 14 eines der wichtigsten Glieder in der Kette der Hilfs- und Rettungseinrichtungen in der Region. -K.O.-