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»Pickelstich« am Traunreuter Heidenhain-Gymnasium

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Bevor der Startschuss für den Neubau fallen kann, gehört der Ostflügel des Johannes-Heidenhain-Gymnasiums abgerissen. Deshalb setzten Landrat Hermann Steinmaßl (unten), Bürgermeister Franz Parzinger (oben von links) und Schuldirektor Dr. Robert Anzeneder symbolisch schon mal die Pickel an. (Foto: Rasch)

Traunreut. Wenn in knapp vier Jahren der Teilneubau beziehungsweise die Generalsanierung abgeschlossen sein werden, wird das Johannes-Heidenhain-Gymnasium in Traunreut eines der modernsten und bestausgestatteten Gymnasien in Bayern sein. Rund 17,5 Millionen Euro will der Landkreis Traunstein für die Baumaßnahme in die Hand nehmen. Der Stadt mit der höchsten Kreisumlage könne damit auch wieder einiges zurückgegeben werden, sagte Landrat Hermann Steinmaßl beim Festakt zum offiziellen Baubeginn. Er hoffte, dass sich die Baumaßnahme, wie geplant in sechs Bauabschnitten durchziehen lasse.


Die Gäste und Ehrengäste, die gekommen waren, suchten vergebens nach Spaten oder Schaufeln, mit denen üblicherweise der symbolische Akt eines Baubeginns vollzogen wird. Stattdessen standen ein halbes Dutzend nagelneuer Pickel bereit. Auf der Baustelle muss nämlich zuerst die Abrissbirne ran. Bevor mit dem ersten Bauabschnitt, dem Neubau des Ostflügels im Mai/Juni begonnen werden kann, gehört zunächst das bestehende, in die Jahre gekommene Gebäude abgerissen.

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So griffen Steinmaßl und weitere Verantwortliche zur Flachspitzhacke und ließen auf dem Baugerüst ihre Muskeln spielen. »Der Pickelstich« war gesetzt. Auch die Schüler hatten Überlegungen für einen ersten Hammerschlag angestellt: In die nähere Auswahl kamen eine Abriss-Party und, um das Ganze zu beschleunigen, ein chemisches Experiment, wie Schuldirektor Dr. Robert Anzeneder scherzhaft anmerkte. Anzeneder, der seit elf Jahren an der Schule ist, kämpft ebenso lange für einen Neubau beziehungsweise für eine Sanierung der Schule. »Es ist allerhöchste Zeit, dass sich was tut«, sagte der Hausherr und lobte die Entscheidung des Kreistags. Die über 40 Jahre alten Gebäude entsprächen keineswegs mehr den heutigen Anforderungen, sowohl aus pädagogischer als auch aus technischer Sicht.

Bis vor zehn Jahren war das Traunreuter Gymnasium in der Hand der Stadt Traunreut gewesen. 2004 übernahm der Landkreis Traunstein die damals schon sanierungsbedürftige Schule. »Wenn ich damals schon gewusst hätte, was uns das kostet, hätten wir es uns überlegt«, scherzte Landrat Steinmaßl. Um den Gebäudebestand und die Situation an der Schule zu verbessern und den neuesten Standard zu erreichen, standen eine Menge Arbeiten an und intensive Vorbereitungen seien notwendig gewesen. Erste Aufgabe des neuen Sachaufwandträgers war eine Entschärfung der Raumnot. 2006 wurde dann ein Interimsgebäude in Holzbauweise mit drei Klassenzimmern erstellt und für die Umsetzung des G 8 Räumlichkeiten für eine Mittagsverpflegung. Zwei Jahre später folgte dann der Neubau eines drei Millionen Euro teuren Erweiterungstrakts und im vergangenen Jahr genehmigte der Kreistag die Gesamtkosten für einen Teilneubau mit Generalsanierung in Höhe von rund 17,5 Millionen Euro.

Etwa fünf Millionen Euro wurden dem Landkreis als Zuschuss zugesagt. Durch die Baumaßnahme wird die Zahl der Klassenräume auf 20 aufgestockt, außerdem werden die nötigen, nach neuestem Standard ausgestatteten Fachräume und Gemeinschaftsbereiche geschaffen. Mit Ausnahme des Westflügels, der generalsaniert wird, werden Ost- und Südflügel durch einen Neubau ersetzt. Durch eine neue Situierung wird der Haupteingang näher zur Adalbert-Stifter-Straße herangerückt, gleichzeitig entsteht ein großer zentraler Pausenhof. Neu geregelt und erweitert werden soll auch die Parkplatzsituation.

Bauphase große Herausforderung

Das Planungsbüro Köhler aus Gauting, das auch schon die Walter-Mohr-Realschule und die neue Dreifachturnhalle für die Traunreuter Realschüler beziehungsweise Gymnasiasten geplant hat, geht von einer Gesamtbauzeit von knapp vier Jahren aus. Für den Abbruch des Ostflügels rechnet man etwa mit vier Monaten, der Teilneubau soll etwa 18 Monate dauern und die Generalsanierung 17 Monate.

Dass die Bauphase für alle Beteiligten eine große Herausforderung und Belastung sein wird, versteht sich von selbst. Der Bauablauf wurde aber so geregelt, dass der laufende Schulbetrieb nicht beeinträchtigt wird. Ganz ohne Ersatzgebäude geht es während der Neubauphase aber nicht. Es wurden 24 Container aufgestellt, die zusammengesetzt sechs Klassenzimmer auf zwei Etagen und einen Verbindungsgang ergeben. Die Ersatz-Klassenzimmer sollen Anfang Februar bezogen werden.

Mit der Fertigstellung des ersten Bauabschnitts, dem Neubau des Ostflügels, ist 2015 zu rechnen. Zug um Zug werden dann die weiteren Bauabschnitte und die Neugestaltung der Außenanlage umgesetzt. Mit Beginn des Schuljahres 2017/2018 soll das Über-17-Millionen-Euro-Projekt dann abgeschlossen sein. Mit dem großen Ziel vor Augen, in vier Jahren eines der modernsten Gymnasien in Bayern einweihen zu dürfen, bat auch Bürgermeister Franz Parzinger alle von der Bauphase Betroffenen um Verständnis. ga