Pfingsturlaub in der Region: »Wir hoffen, dass die Gäste bleiben dürfen«

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Camping liegt im Trend – und die heimischen Tourismusbetriebe freuen sich auf die Wiedereröffnung am morgigen Freitag. Foto: dpa

Die Sieben-Tage-Inzidenz bewegt sich im Landkreis weiterhin unter dem erforderlichen Grenzwert von 100: Damit sind die vergangene Woche vom Kabinett beschlossenen Lockerungen für den Tourismus in Bayern ab dem morgigen Freitag auch im Landkreis Traunstein möglich. Beherbergt werden dürfen Touristen, die geimpft oder genesen sind oder einen negativen, maximal 24 Stunden alten PCR- oder Schnelltest vorzeigen können. Der Test muss dann im weiteren Verlauf des Urlaubs alle zwei Tage wiederholt werden – und auch darüber hinaus sind von Betreibern und Besuchern strenge Hygienekonzepte einzuhalten.


Die Gastgeber in der Region freuen sich, dass sie endlich aufsperren dürfen und blicken vorsichtig optimistisch in die Zukunft, kritisieren jedoch auch fehlende Regularien seitens der Politik.

So ärgert sich Klaus Lebek, Vorsitzender der Kreisstelle Traunstein des Baye-rischen Hotel- und Gaststättenverbands DEHOGA, über die mangelnde Planungssicherheit und Perspektive für Beherbergungsbetriebe, da er verlässliche Aussagen der Politik vermisse: »Alles wird an der Inzidenz festgemacht und man muss befürchten, dass die Gäste bei einem Wert von 101 wieder abreisen müssen.« Klare Ansagen, wie in einem solchen Fall zu verfahren sei, gebe es nicht.

Nachfrage besteht laut Lebek jedoch durchaus: »Buchungen haben wir zwar viele, manche stornieren aber vorsichtshalber auch wieder.« Der Hotelinhaber ist froh, dass seine Mitarbeiter endlich wieder arbeiten dürfen – zumindest die, die noch da sind, denn viele hätten sich auch eine Stelle in einer anderen Branche gesucht. Die Freude halte sich insgesamt noch in Grenzen: »Wir können nur hoffen, dass die Gäste bleiben dürfen.«

Markus Ritter, Geschäftsführer der Privaten Gastgeber im Chiemgau, beschreibt die Unsicherheit als eine »Situation zwischen Hoffen und Bangen« und erwartet spätestens für den heutigen Donnerstag eine klare Anordnung von der Politik. »Wir freuen uns, endlich wieder Gäste begrüßen zu dürfen. Da es aber an eindeutigen Vorgaben fehlt, was im Fall einer über 100 steigenden Inzidenz zu tun ist, kommen viele lieber doch nicht.«

Auch beim Chiemgau Tourismus spürt man die Verunsicherung sowohl auf Seiten der Vermieter als auch der Gäste: »Wir erhalten viele Prospektanfragen; die Menschen wollen zu uns kommen. Mit konkreten Buchungen sind sie aber noch vorsichtig«, so Geschäftsführer Stephan Semmelmayr.

Und: »Da die Innengastronomie noch nicht erlaubt ist, spielt das Wetter eine noch größere Rolle als sowieso schon im Mai.« Das offensivere, inzidenzunabhängige Konzept in Österreich hält Semmelmayr für die bessere Lösung.

Moritz Seehuber, stellvertretender Betriebsleiter beim Strandcamping am Waginger See, ist recht positiv gestimmt: »Seit etwa eineinhalb Wochen laufen unsere Vorbereitungen auf Hochtouren und wir freuen uns, dass es am Freitag endlich losgehen kann.« Die Buchungslage sei extrem gut, der Campingplatz für Pfingsten komplett ausgebucht. Auch Seehuber fehlen jedoch Auflagen für den Fall, dass die Inzidenz wieder tagelang über 100 liegt: »Wir wissen nicht genau, ob wir die Gäste dann direkt heimschicken müssen oder es auch noch andere Lösungen gibt.«

Das größte Thema im Vorfeld war für ihn ebenfalls die Testpflicht; umso froher ist Moritz Seehuber nun, dass eine Lösung in Zusammenarbeit mit einer Apotheke aus dem Ort gefunden wurde: Auf dem Gelände wird eine Teststation aufgebaut, an der bis zu tausend Gäste täglich getestet werden können. »Alleine wäre das für uns unmöglich zu stemmen gewesen. Wir wissen von anderen Campingplätzen, die händeringend nach Lösungen suchen und die Gäste zu den Testzentren schicken müssen.«

Generell blickt Seehuber optimistisch in die Zukunft: »Wir rechnen mit einem Boom über den Sommer, da Camping immer mehr an Beliebtheit gewinnt und sich der Trend, in Deutschland Urlaub zu machen, dieses Jahr fortsetzen wird.«

Deutlich getrübter ist die Stimmung im Berchtesgadener Land; schließlich bewegt sich die Inzidenz dort gefährlich nah an der 100er-Marke und überstieg sie am Dienstag sogar. Am gestrigen Mittwoch lag sie bei 95,3. Zwar werden Lockerungen erst nach drei Tagen über dem Wert von 100 zurückgenommen, viele Touristen sind aber verunsichert und überlegen, ihren Urlaub lieber abzusagen.

»Unser Telefon steht nicht mehr still – die Leute wissen nicht, ob sie anreisen sollen und wir können ihnen keine Antworten geben«, berichtet Olya Linnberg, zweite stellvertretende Kreisvorsitzende des DEHOGA Berchtesgadener Land. »Wie stellt sich die Politik das vor? Sollen wir drei Tage öffnen und dann wieder vier Tage schließen?« Für sie sind die Regelungen in Österreich deutlich sinnvoller, »es gibt dort einen festen Plan, ohne Wenn und Aber.«

Alexandra Rothenbuchner, Pressesprecherin des Landratsamts Berchtesgadener Land, zeigte sich im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt vorsichtig optimistisch, dass die Gäste kommen und auch bleiben dürfen: »Wir gehen davon aus, dass der Inzidenzwert in den kommenden Tagen wieder leicht fallen wird.« Einen Antrag auf Öffnung der Tourismusbetriebe habe man jedenfalls gestellt.

Wie das Landratsamt Berchtesgadener Land am frühen Abend meldete, wurde diesem Antrag stattgegeben – Übernachtungen bei Hotels, Beherbergungsbetrieben, Jugendherbergen und Campingplätzen sind ab morgen wieder erlaubt. Zulässig sind im Rahmen des Übernachtungsangebots gastronomische Angebote auch in geschlossenen Räumen sowie Kur-, Therapie- und Wellnessangebote. Voraussetzung ist, dass die Übernachtungsgäste bei der Anreise sowie jede weiteren 48 Stunden über einen negativen Testnachweis (POC-Antigentest, Selbsttest oder PCR-Test) verfügen. Sollte die Inzidenz von 100 an drei aufeinanderfolgenden Tagen überschritten werden, muss dies amtlich bekanntgemacht werden. Die Lockerungen treten in diesem Fall am fünften Tag außer Kraft.

JuC

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