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»Pfarrgemeinderat sein ist mehr als nur Kuchen backen«

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»Mit diesem Pfarrheim brauchen wir uns für die EMAS-Zertifizierung in Sachen Nachhaltigkeit nicht bewerben«, sagt Stadtpfarrer Georg Lindl. Wie man das Pfarrheim energetisch auf den neuesten Stand bringen könnte, wird sicher eines der Themen sein, die den neuen Pfarrgemeinderat beschäftigen werden. Er wird am 16. Februar 2014 gewählt – derzeit sucht nicht nur die Pfarrei St. Oswald nach Kandidaten. (Foto: Hohler)

Traunstein. Pfarrgemeinderat – sind das nicht die, die bei kirchlichen Feiern Stehempfänge, Kaffee und Kuchen organisieren? Ja, das sind die – unter anderem. Denn die Aufgaben des Gremiums gehen deutlich weiter. »Wir sind kein Hausfrauenverein«, lacht Tina Schnell vom Pfarrgemeinderat St. Oswald.


Bevor am 16. Februar 2014 bayernweit unter dem Motto »Meine Stimme. Für Gott und die Welt« die Pfarrgemeinderäte neu gewählt werden, müssen die Pfarreien erst einmal Kandidaten suchen. »Bis 29. Dezember muss die Liste stehen«, sagt dazu die Vorsitzende des Pfarrgemeinderats St. Oswald, Ursula Kösterke. Wahlberechtigt ist jeder Katholik egal welcher Nationalität, der am Wahltag 14 Jahre alt ist, wählbar jeder, der dann 16 Jahre alt ist.

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Entscheidungen vorbereiten und Initiativen vernetzen

Im Pfarrgemeinderat werden Entscheidungen vorbereitet und Initiativen vernetzt. »Wir haben die Öffentlichkeitsarbeit, Sachausschüsse mit je einem Pfarrgemeinderat und anderen Leuten, etwa Caritas und Soziales, Mission, Entwicklung, Frieden, Feste und Feiern, Ökumene, Kinder und Jugend, Liturgie oder Erwachsenenbildung«, sagt Schnell.

Der Sachausschuss Schöpfung befasst sich mit der Nachhaltigkeit und zum Beispiel der EU-Umwelt-Zertifizierung EMAS (European Eco-Management and Audit Scheme). Diese hat bisher nur die Pfarrei Haslach. »Das ist recht aufwändig«, so Schnell, »da geht es zum Beispiel um den energetischen Zustand der Gebäude oder regionales Einkaufen.« Und Stadtpfarrer Georg Lindl ergänzt: »Mit dem Pfarrheim St. Oswald bräuchten wir da gar nicht antreten.« Es gibt also viel zu tun.

»Wir brauchen Menschen, die andere begeistern können, die offen sind für Ideen und Meinungen anderer und die kreativ nach neuen Wegen suchen«, so Schnell, die auch nach zwölf Jahren wieder kandidiert. Der neue Pfarrgemeinderat soll auch die Zusammenarbeit in der Stadtkirche verstärken, die Hauptorgel für das Papst-Benedikt-Orgelwerk und die Innenrenovierung der Kirche verwirklichen.

Der Pfarrgemeinderat St. Oswald hat derzeit acht gewählte Mitglieder. »Gewünscht sind für die nächsten vier Jahre zehn«, sagt Ursula Kösterke. Gewünscht, weil es nicht so einfach ist, Menschen zu finden, die bereit sind, sich zu engagieren. »Langfristig will sich keiner mehr binden.«

Das Gremium hat jeden Monat eine Sitzung, in der die Vertreter der Sachausschüsse berichten. »Der Zeitaufwand hängt natürlich davon ab, wie ich mich engagiere«, so Kösterke. »Ich war schon im Kindergottesdienst-Team, die Kinder waren noch klein. Es hat einfach zur Lebensphase gepasst«, erklärt sie ihre Motivation, vor zwölf Jahren erstmals zu kandidieren. Positiv empfinde sie neben dem persönlichen Wachstum im Glauben auch die Weiterbildungen der Kirche, zum Beispiel Moderation, Kommunikation oder Konfliktmanagement. Dennoch kandidiert sie nicht mehr, ebenso wie Irene Praxenthaler nach acht Jahren als guter Seele, die für jedes Fest die Helfer mobilisierte.

Martina Höß hat es vor allem interessiert, »etwas für den Glauben tun zu können«, das möchte sie auch künftig tun. Denn der Pfarrgemeinderat ist auch Puffer bei strittigen Themen wie etwa den Missbrauchsvorwürfen oder Limburg.

»Sämtliche Kontrollgremien müssen versagt haben«

Dabei wird Stadtpfarrer Lindl deutlich: »Ich erwarte von einem Bischof, dass er die Kirche aus den negativen Schlagzeilen heraus hält. Wenn er das nicht schafft, kann er nicht Bischof sein.« Er sei gespannt auf das Ergebnis der Untersuchungskommission, denn etwas wie Limburg sei nicht möglich ohne Täuschung, »die Frage ist nur, auf welcher Ebene. Da müssen sämtliche Kontrollgremien versagt haben.«

Auch beim Thema Asyl sieht Lindl die Kirche in der Verantwortung: »Es gibt eine Aufforderung des Generalvikars, auch kirchliche Gebäude zur Unterbringung zur Verfügung zu stellen.« Er habe schon ein Objekt im Hinterkopf, allerdings verhandle man gerade mit der Diakonie über eine Nutzung. Auch mit diesem Thema solle sich der Pfarrgemeinderat befassen. »Der Pfarrer ist ja kein Alleinunterhalter. Jede Gemeinde ist nur so lebendig, wie die Leute, die sich engagieren.«

Am morgigen Sonntag um 11.30 Uhr wird der amtierende Pfarrgemeinderat im Hofbräuhaus bei einem Kandidatenfrühschoppen Fragen Interessierter beantworten. Kandidatenvorschläge können in den Wahlboxen in der Stadtpfarrkirche St.   Oswald, im Pfarrbüro und im Kindergarten St. Oswald eingeworfen werden. coho

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