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Pfarrer Fleiner feierte seinen 85. Geburtstag

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Die Zahl der Gratulanten war groß. Hier nahm Pfarrer Siegfried Fleiner gerade die Glückwünsche des Vorsitzenden des Pfarrverbandsrats, Markus Riedl, entgegen. (Foto: Albrecht)

Kirchanschöring – »Etwas Großes zu feiern« hatte die Dorf- und Pfarrgemeinde Kirchstein. Das war auch der Titel des ersten Lieds, das der Kirchenchor zum 85. Geburtstag von Pfarrer Siegfried Fleiner sang. Der Geistliche wurde außerdem nach 16 Jahren aktiven Diensts als seelsorglicher Mithelfer verabschiedet. Während die Feier zu seinem Geburtstag eine fröhliche sei, sei seine Verabschiedung als aktiver Pfarrer eher eine traurige, waren sich die Mitglieder der Pfarrgemeinde einig.


Seit dem Schlaganfall vor zweieinhalb Jahren war es Siegfried Fleiner doch sichtlich schwerer gefallen, seine Aufgaben als Seelsorger wahrzunehmen. Wie er es sein ganzes Leben lang getan hatte, wollte Fleiner auch nicht seine vielen Aktivitäten einschränken, die er neben seinen priesterlichen ausführte. Vor allem jene, die mit seinem sozialen Engagement zu tun hatten. Diesbezüglich hatte Fleiner vor gut zehn Jahren die Initiative ergriffen und mit weiteren, sozial engagierten Leuten die Attac-Gruppe Rupertiwinkel gegründet.

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Kampf gegen Ungerechtigkeit

Aber schon vorher, während seinen priesterlichen Tätigkeiten in Guatemala und Augsburg, war Siegfried Fleiner jemand gewesen, der Ungerechtigkeiten und das Leid von Verfolgten zu seinem Thema gemacht hatte. Er tat dies selbst dann, wenn seine eigene Sicherheit dadurch gefährdet war. In Guatemala wurde er deswegen zeitweise des Landes verwiesen und in Augsburg widerstand er beim Kirchenasyl der Pfarrgemeinde »Zum guten Hirten« dem Bayerischen Innenminister Dr. Beckstein. Jeweils ein Kampf »David gegen Goliath«. Durch sein persönliches Engagement, seine Ausdauer und manchmal auch Streitbarkeit gab es bei diesen Bemühungen auch immer wieder Erfolge.

Jetzt zelebrierte Pfarrer Fleiner in der Lodron-Halle in Kirchstein seinen Abschiedsgottesdienst. In seiner Predigt wies Fleiner auf das Leid hin, das so viele Tausend Menschen gegenwärtig durch Hunger, Krieg und Verfolgung erleiden. »Wir dürfen nicht wegschauen, sondern müssen uns für diese Menschen und die Natur einsetzen und danach streben, die Verhältnisse zu verbessern, weil der barmherzige Vater mit Liebe auf uns Töchter und Söhne Gottes schaut.«

Zwei Stunden später begann die eigentliche Geburtstagsfeier, in der der Pfarrgemeinderat, die katholische Frauengemeinschaft, die KLJB, die Ministranten sowie die Vereine aus der gesamten Gemeinde Kirchanschöring sowie die Attac-Gruppe Rupertiwinkel Pfarrer Fleiner dankten für seinen unermüdlichen Einsatz in vielerlei religiösen und sozialen Belangen. Pfarrer Ludwig Westermeier, Leiter des Pfarrverbands, zeichnete würdevoll den priesterlichen Lebensweg seines Mitbruders nach und dankte ihm herzlich für sein Engagement.

Fleiner wurde zum »Ehrenamtskönig« gekrönt

Bürgermeister Hans-Jörg Birner dankte Fleiner für die Impulse, die er gesetzt hat. Unter anderem spielten die Mitglieder des Pfarrgemeinderats und die Lektoren einen Sketch für ihren scheidenden Ruhestandspfarrer, in dem sie sein Engagement darstellten, ihn zum »Ehrenamtskönig« von Kirchstein wählten und krönten. Als Zeichen überreichten sie ihm eine große, eiserne, mit Efeu berankte Krone.

Die jungen Trachtler des Trachtenvereins »Edelweiß« Roth-Kirchanschöring zeigten dem Pfarrer, wie gut sie tanzen und plattln können. Nach all diesen Ehrerbietungen meinte Siegfried Fleiner »Jetzt ist's aber genug« und bedankte sich bei allen. Es bildete sich trotzdem noch eine lange Schlange von Gratulanten, darunter die türkische Flüchtlingsfamilie, die der Pfarrer mit Hilfe der Pfarrgemeinde »Zum guten Hirten« in Augsburg vor der Ausweisung bewahrt hatte.

Die sehr große Spendensumme der Gäste kommt drei Projekten in Guatemala zugute, an denen sich Fleiner beteiligt. Obwohl der Pfarrer jetzt aus den seelsorglichen Verpflichtungen zurückgetreten ist, bleibt er weiterhin zur Freude der Pfarrgemeinde im Pfarrhaus wohnen. al

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