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Petting ist für anstehende Aufgaben gerüstet

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Umfangreich war der Bericht des Pettinger Bürgermeisters Karl Lanzinger. (Foto: Höfer)

Petting – Er könne in einem Jahresrückblick nicht alles ansprechen, bat Bürgermeister Karl Lanzinger gleich zu Beginn seines Berichts um Verständnis bei den rund 70 Besuchern der Bürgerversammlung. Aber es war dann doch fast alles drin, denn – so viel sei verraten – sein Bericht umfasste ganze 39 DIN-A-4-Seiten. Vom Kindergarten bis zum Tourismus, vom Straßenbau bis zum Waginger See, von der Ökomodellregion bis zur Feuerwehr. Lanzingers Fazit: Petting ist auf dem richtigen Weg. Sein Appell an die Bürger: Kauft in Petting ein. Sein Wunsch: Wieder eine Apotheke im Ort.


Petting scheint attraktiv für Familien. Baugrundstücke sind rasch vergeben, der Kindergarten derzeit »ziemlich voll«. Zwölf neue Baugrundstücke wird es demnächst in Ringham geben, zugeteilt nach einem Punktesystem. 2347 Einwohner haben in der Gemeinde ihren Hauptwohnsitz, 91 einen Nebenwohnsitz, was sich auf 2438 insgesamt summiert. Den Kindergarten besuchen insgesamt 88 Kinder, die neue Grundschule 78 Mädchen und Buben.

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»Am Rande der Legalität«

18 Männer aus Senegal leben im Haus Steffen in Kühnhausen, deren Umsiedlung von Bergen nach Petting für Schlagzeilen gesorgt hatte. »Schiach g’macht«, habe man den Flüchtlingen, sie würden mitten im Wald leben, ganz ohne Menschen, so Lanzinger, der meinte, man würde den Hilfesuchenden keinen Gefallen tun, sie »zu Dingen anzustiften, die sich am Rande der Legalität bewegen.«

Trotz eines kleinen Dämpfers gegenüber dem Vorjahr entwickelt sich der Fremdenverkehr erfreulich, von 19 000 Übernachtungen im Jahr 2010 auf knapp 25 000 im heurigen Jahr.

Neben dem neuen Lagerhaus wird eine Lagerhalle für Feuerwehr und Bauhof entstehen, 35 Meter lang soll es jeweils hälftig genutzt werden. »Wahnsinnig groß«, habe so mancher geurteilt, »aber wenn Platz da ist, wird er auch gebraucht.« Stichwort Feuerwehr: Hier schlägt die Umrüstung auf Digitalfunk zu Buche, vor allem aber ein neues Fahrzeug LF 20, das das 30 Jahre alte LF 8 ersetzen wird. Selbst nach Abzug aller Zuschüsse bleibt ein Gemeindeanteil von 270 000 Euro. Lanzinger erinnerte an den Großbrand »mitten im Unterdorf«, der der Pettinger Wehr »Lob von allen Seiten« eingebracht habe, aber auch zeige, wie wichtig eine zeitgemäße Ausrüstung sei.

46 Kilometer lang sind die Pettinger Gemeindestraßen, die sukzessive ausgebessert und asphaltiert werden. »So manche hat sich im Laufe der Zeit verlegt«, blickte Lanzinger auf jene Abschnitte, die zwar im Kataster verzeichnet und in den Karten eingetragen sind, aber nie konkret eingemessen wurden.

Die Lücke beim Radweg auf Höhe Aichbauer will man schließen, denn hier hat sich laut Lanzinger gezeigt, dass »eine erhebliche Anzahl von Fahrzeugen zu schnell unterwegs sind.« Um die Sache zu forcieren, will die Gemeinde die Maßnahme vorfinanzieren. Zwischen Rathaus und Edeka hat man einen öffentlichen Parkplatz im Ortszentrum geschaffen. Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität des Waginger Sees gibt es auch auf Pettinger Gemeindegebiet. So wurde im Oberlauf des Wiener Grabens ein Absetzbecken gebaut, unterhalb von Aich entstand eine Rieselflur. Im kommenden Jahr soll zwischen Kirchberg, Parschall und Kleeham ein Absetzbecken entstehen, ebenso im Bereich Kühnhausen.

Petting ist Mitglied in der Ökomodellregion Waginger See, bei der es vorwiegend um die Erzeugung und Vermarktung regionaler Bioprodukte geht. ILE ist das Kürzel für integrierte ländliche Entwicklung, »eine Art Dorferneuerung für eine ganze Region«, wie es Lanzinger den Besuchern beschrieb. Hier gehe es zum Beispiel um ein sogenanntes Kernwegenetz, um eine einheitliche Wanderwegbeschilderung und um die Anlage von Feld-, Wald- und Gewässerrändern. In LEADER habe sich 15 Gemeinden der Region zusammengetan. Hierbei konnte sich Petting die Förderung des Vereinsheims in Schönram sichern. »Wir waren vorne dran«, zeigte sich Lanzinger zufrieden, habe man doch hier 200 000 Euro »abgeschöpft«. Die Gemeinde selbst zahlt für das Vereinsheim einen Zuschuss in Höhe von 400 000 Euro und übernahm die Bürgschaften.

Eine Neukalkulation kündigte das Gemeindeoberhaupt beim Kanal an, gebe es doch hier seit einigen Jahren Defizite. Investitionen im Klärwerk Spöck würden den Haushalt belasten. Mit einer Gebührenerhöhung beim Trinkwasser habe man nicht nur das bestehende Defizit ausgleichen, sondern sogar ein kleines Polster aufbauen können. Die größte Investition in diesem Jahr: Die Erneuerung des Zauns um das Wasserschutzgebiet Quellgrund. Am Friedhof werden eine Urnenwand oder Urnenstelen errichtet, »um dem allgemeinen Trend zu Feuerbestattungen und dem Wunsch einfacherer Pflege Rechnung zu tragen.«

»Zukunftsgerichtet« sieht Lanzinger den Breitbandausbau in der Gemeinde, denn anders als in Nachbargemeinden sei hier Glasfaser bis zum Haus vorgesehen, in Petting und in Schönram entstehe je ein W-LAN-Hotspot. Die Einkaufsmöglichkeiten beurteilt Lanzinger »vorbildlich für einen Ort in der Größe«, appellierte jedoch auch an seine Bürger: »Kauft bei uns ein, nutzt das Angebot der heimischen Betriebe.«

»G’schimpft is glei, g’lobt eher selten«

Was er stets in der Weihnachtsfeier mache, wolle er nun einmal öffentlich tun, kündigte zweiter Bürgermeister Ludwig Prechtl an, nämlich Dank zu sagen. »Karl ist immer da und immer im Einsatz«, lobte er das Gemeindeoberhaupt, »für das Vereinsheim hat er sich brutal eingesetzt.« Und das sei nur ein Beispiel von vielen. »G’schimpft is glei, g’lobt eher selten«, so Prechtl, der Kritikern empfahl, erst zu schlucken, nachzudenken, vielleicht ein Bier zu trinken und dann darüber zu reden. Denn: »Jedem recht machen ist kaum möglich.« höf

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