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Pestsäule steht wieder an ihrem Platz

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Die Pestsäule steht wieder in Reifing. Dank des Engagements von Fritz Seibold, Robert Höpfner, Bürgermeister Rudi Jantke und Erich Kamm (von links) erhielt das Marterl nun einen würdigen, neuen Platz. (Foto: T. Eder)

Grassau – Einige Jahre wurde die Reifinger Pestsäule bei Steinmetzmeister Fritz Seibold eingelagert. Dieser hatte den historischen Stein, der in der Denkmalliste enthalten ist, mühevoll aufgearbeitet. Nun wurde die Pestsäule wieder in die Nähe ihres ursprünglichen Standorts gesetzt.


Die etwa 1,50 Meter hohe, steinerne Pestsäule stand zunächst auf der gegenüberliegenden Seite der Bundesstraße. Durch den Bau der Straße wurde sie auf die andere Seite versetzt und blieb dort, in der Nähe des alten Binder-Bauernhauses, viele Jahrzehnte stehen. Als vor etwa sieben Jahren das Bauernhaus abgerissen werden sollte, lagerte die Gemeinde das Denkmal ein. Fritz Seibold suchte gemeinsam mit dem Chronikkreis nach Informationen über die Pestsäule, die an der Seite die Jahreszahl 1636 aufweist. Allerdings sind kaum Unterlagen vorhanden und so konnte auch nicht ermittelt werden, wie viele Menschen damals dem »schwarzen Tod« zum Opfer fielen. Lediglich dieses Mahnmal steht sinnbildlich für die Epidemie, die im Chiemgau und damit auch in Grassau während des Dreißigjährigen Kriegs gewütet hat.

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Die stark verwitterte Pestsäule, die immerhin schon 380 Jahre alt ist, hat nun einen würdigen Platz erhalten. Ein kleiner gepflasterter Bereich mit steinerner, passender Bank sowie ein kleines Blumenrondell lassen die Pestsäule zur Wirkung kommen. Die Pestsäule, die laut Fritz Seibold einfach gemacht wurde und nicht aus der Hand eines Bildhauers stammt, wurde mit einer Schutzhaube versehen, um die vor Schnee und Eis zu schützen. Ein Schild erklärt das Denkmal. Im vorderen Bereich ist der gekreuzigte Jesus eingehauen und an der rechten Seite die Jahreszahl 1636. Auf der linken Seite kann man noch rudimentär eine Art Wappen oder Symbol erkennen. Dies ist aber so schlecht erhalten, dass eine Zuordnung nicht mehr möglich ist. Viele Experten, so Seibold, haben sich über diese Pestsäule schon den Kopf zerbrochen, doch mehr war nicht mehr in Erfahrung zu bringen. Im Chronikbuch der Gemeinde erklärt Dr.  Hans Grabmüller, dass die Pestepidemien in anderen Chiemgauer Orten, nicht aber in Grassau beschrieben wurden. Nur diese Pestsäule erinnert an die Opfer dieser Seuche.

Zufrieden zeigte sich Bürgermeister Rudi Jantke mit diesem kleinen Erinnerungsplatz. Sein Dank galt dem Chronikkreis, der gemeinsam auch die Funktion der Heimatpflege übernehme und sich dieser Pestsäule angenommen habe. Mit diesem Bereich sei auch der Ortsteil Reifing aufgewertet worden. Er dankte auch den Grundstückseigentümern, die die Fläche unentgeltlich zur Verfügung gestellt haben. Die schöne Bank, die den Bereich abrundet, wurde von Erwin Wimmer gestiftet. tb

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