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Per Fotoroman zum Deutsch-Abi

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Annabell Vacano präsentierte »Faust – Der Tragödie erster Teil«. (Foto: Fembacher)

Marquartstein – Endlose Reihen gelber Reclam-Hefte mit großen literarischen Werken – solche oder ähnliche Bilder haben Generationen von Schülern im Kopf, wenn sie an ihre Vorbereitung aufs Deutsch-Abitur denken. Nicht so die Schülerinnen des Projekt-Seminars Deutsch am Landschulheim Marquartstein. Zusammen mit ihrer Lehrerin Sandra Altmann haben sie aus großer Literatur einen Fotoroman gemacht.


Unter dem Motto »Literatur auf Leinwand« zeigten sie ihre Bilder öffentlich, musikalisch untermalt von Erwin Appenzeller am Klavier, Peter Straßer am Kontrabass und Benjamin Riegel am Schlagzeug. Durch den Abend führten Johanna Dachs und Annabell Vacano.

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Der Einstieg war harte Kost: Franziska Ehrl und Markus Maleika spielten »Das Brot« von Wolfgang Borchert. In der Kurzgeschichte aus der Nachkriegszeit isst der Mann nachts heimlich Brot. Seine Frau kommt ihm auf die Schliche – am nächsten Abend überlässt sie ihm unter einem Vorwand ihre Scheibe Brot.

Mit Goethes »Iphigenie auf Tauris« entführte Christina Hagl die Zuschauer in die griechische Mythologie. Das Werk mit den komplexen Verstrickungen besteht aus dem Zwiespalt zwischen Wahrheit und Lüge. Die meisten Bilder zeigten diskutierende Personen vor dem Hintergrund griechischer Säulen.

Für Goethes »Faust – Der Tragödie erster Teil« entschied sich Annabell Vacano, »weil man über Faust nie genug geredet hat und die Themen immer aktuell sind.« Die Tragödie fasziniere mit ihrer Bandbreite an philosophischen, gesellschaftskritischen und religiösen Aspekten. Zur Belustigung des Publikums zeigten die Bilder bayerisch gewandete Schauspieler.

Magdalena Hannappl amüsierte mit »Leonce und Lena« von Georg Büchner. Besonders die Wortspiele und die subtile Adelskritik hatten sie begeistert. Auch die Zuschauer konnten herzhaft lachen – über Fotos, passend zu Weisheiten wie: »… wer arbeitet, ist ein subtiler Selbstmörder, und ein Selbstmörder ist ein Verbrecher, und ein Verbrecher ist ein Schuft, also, wer arbeitet, ist ein Schuft.«

Ganz und gar nicht lustig war Sonja Steiners Präsentation zu Schillers Trauerspiel »Maria Stuart«, obwohl die Fotos von Christina Hagl als schnippische Elisabeth von England und Marie Hauzel als streitsüchtige Maria Stuart zum Schmunzeln anregten. Elisabeth konnte sich nur mit sehr viel Machtwillen in einer männerdominierten Welt behaupten – der in der Hinrichtung ihrer Rivalin Maria Stuart gipfelte. Für ein noch tristeres Werk hatte sich Sara Westermann entschieden. Ihr Fotoroman zeigte die wichtigsten Etappen von Gerhart Hauptmanns »Bahnwärter Thiel«. Bei dieser Novelle, in der Thiel seine erste Frau und sein erstes Kind verliert, dann seine zweite Frau und sein zweites Kind ermordet und zuletzt in der Irrenanstalt landet, »läuft die Handlung wie ein Zug auf den Abgrund zu«. Johanna Dachs präsentierte »Die Verwandlung« von Franz Kafka. Gregor Samsa verwandelt sich in ein Ungeziefer, das im Laufe der Zeit von seiner Familie immer weiter abgelehnt wird, bis er schließlich stirbt. Mit einer ganz anderen Verwandlung beschäftigten sich Marie Hauzel und Kate Westermaier in »Homo faber« von Max Frisch. Hier erfährt Walter Faber Zufälle und Schicksalsschläge en masse, bis er sein rationales Weltbild überdenkt und zu einem anderen Menschen wird. Solvejg Hoch beendete mit die fotografische Reise durch die Literatur mit »Schweigeminute« von Siegfried Lenz. fem

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