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Pater Ferdinand und die Missionare verlassen Heilig Kreuz

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So kennen ihn viele Kirchenbesucher in Heilig Kreuz: Pfarrer Ferdinand Zech begrüßte die Menschen mit einem freundlichen Lächeln.

Traunstein. 62 Jahre lang war die Gemeinschaft der Missionare vom Kostbaren Blut für die Pfarrei Heilig Kreuz in Traunstein verantwortlich. Nach dem Zweiten Weltkrieg – verbunden mit einem Strom von Flüchtlingen und Vertriebenen – fanden hier viele Gläubige eine geistliche Heimat. Seit sieben Jahren wird die Pfarrei von Pfarrer Ferdinand Zech geführt. Die Missionare ziehen sich weitestgehend aus Traunstein zurück, der Geistliche wird am Wochenende verabschiedet. Dazu gibt es am Samstag um 20 Uhr ein Chorkonzert in der Kirche. Die Festmesse ist am Sonntag um 10.30 Uhr, anschließend ist gemeinsames Mittagessen mit Pfarrfest, um 13.30 Uhr Verabschiedung. Wir sprachen mit Pfarrer Ferdinand Zech vor der Abschiedsfeier.


Pater Ferdinand, nach sieben Jahren in Heilig Kreuz heißt es nun Abschied nehmen aus Traunstein. Was bleibt als Erinnerung? Ein Abschied mit Wehmut?

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Für mich bleiben viele gute Erinnerungen an eine gelungene Zusammenarbeit, an gute Begegnungen und an Menschen, die ich begleiten konnte, an Entwicklungen, die ich mit gestalten konnte.

Welche Reaktionen haben Sie aus dem Kreis der Gemeindemitglieder erhalten?

Nachdem ich der Gemeinde Heilig Kreuz mitgeteilt habe, dass die Gemeinschaft der Missionare vom Kostbaren Blut die ihr anvertraute Seelsorge wieder an das Erzbistum München und Freising zurückgibt, habe ich von vielen Gemeindemitgliedern Trauer und auch Sorge erfahren. Daneben wurde mir aber auch Verständnis für unsere Situation entgegengebracht. Und daneben habe ich in ungeahntem Ausmaß auch Dankbarkeit und Wertschätzung für den Dienst, den wir über die Jahre hin tun durften, erfahren.

Sie haben das kirchliche Leben in Traunstein in den vergangenen sieben Jahren mitgeprägt. Sind Sie zufrieden mit dem Erreichten?

So hoch hänge ich mein Tun nicht – es sind doch stets nur Etappen auf dem Weg des Volkes Gottes, die ich mitgehen und begleiten darf. Das eine oder andere gelingt, Menschen zur Mithilfe zu bewegen, damit unsere Gemeinde lebendig und attraktiv ist. Oder auch Menschen in Not und Bedrängnis stützen und unterstützen. Daneben war auch wichtig, den Bestand des Kindergartens durch die Errichtung eines Kindergartenverbundes in die Zukunft hin zu sichern und für den Erhalt der Gebäude zu sorgen. Manches ist gelungen, das Meiste muss aber auch künftig aufmerksam weitergeführt werden.

Auf Ihrer Einladung zum Abschiedsfest findet sich die alttestamentliche Bitte um Gottes Wegweisung und die treue Annahme des eigenen Weges wieder. Wo geht es bei Ihnen hin, wenn sie Traunstein verlassen?

Es ist unser Bemühen als Christen, nach dem Wort Gottes zu leben. Ich denke, dass das auch geschehen ist, als wir die Entscheidung getroffen haben, dort wo wir in Gemeinschaft leben, diese zu stärken. Dort wo das nicht möglich ist, müssen wir für uns auch sagen: 'Das müssen wir wieder zurückgeben.' Ich gehe nach Maria Baumgärtle, einem kleinen Wallfahrtsort in der Nähe von Mindelheim. Vielleicht ein wenig vergleichbar mit Maria Eck.

Welche Aufgaben warten dort auf Sie?

Ich werde dort in der Wallfahrtsseelsorge mithelfen, einem Dienst für die Pilger mit Beichtgelegenheiten. Daneben ist ein kleines Bildungshaus für Tagesveranstaltungen dabei. Dort sollen Menschen, die sich in der Kirche engagieren, unterstützt werden.

Ihr Wirken in Traunstein war auch von einer verstärkten Zusammenarbeit mit Christen anderer Denominationen geprägt. Was hat sich getan in einer Zeit, in der sich viele Christen wünschen, dass die Kirchen näher zusammenrücken?

Das Anliegen ist mir wichtig, wobei ich auch sagen muss, dass das für Heilig Kreuz etwas zu kurz kam. Es hat häufiger im Rahmen der Stadtkirche stattgefunden, weil es da schon bestimmte Einrichtungen gab. Aber zum Beispiel bei der ökumenischen Vesper war ich mit dabei.

Was wünschen Sie sich für die Traunsteiner Bürger?

Für die Gemeinde wünsche ich mir, dass das Zusammenwachsen zur Stadtkirche gut gelingt. Dass die Menschen in allen Pfarreien sich mit hineingenommen wissen und sich niemand ausgeschlossen oder benachteiligt fühlt. Da dran muss gearbeitet werden, denke ich.

Noch eine abschließende Frage: Was erhoffen Sie sich ganz persönlich für den Festsonntag?

Ich wünsche mir, dass am Sonntag auch bewusst wird, dass wir als ganze Ordensgemeinschaft weggehen, nicht nur ich persönlich. Ich bin zwar der Letzte von uns, der noch hier ist, aber der Schritt bedeutet jetzt, dass die Ordensgemeinschaft aus Traunstein weggeht. Persönlich wünsche ich mir, dass es einfach ein gutes Miteinander wird. Ansonsten lasse ich mich einfach auch gerne überraschen.

Wir danken für das Gespräch. Das Interview führte Andreas Wittenzellner.