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Pate für 190 Liter Bier und zehn Flaschen »Hugo«

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Sichtbare Erleichterung am Ende der Tortur auf dem Scheit (hinten von links): DJK-Vorsitzender Herbert Baumgartner, Bürgermeister Herbert Häusl, der Vorsitzende der DJK Otting, Schorsch Steinmaßl, die beiden Ehrenvorsitzenden Sepp Frisch und Reinhard Lampoltshammer und (vorne von links) die Ottinger Vorstandsmitglieder Markus Zehentner, Katharina Trattler (Fahnenbraut), Sepp Frisch jun. und Martin Posch. (Foto: Eder)

190 Liter Bier und zehn Flaschen »Hugo« muss die DJK Otting »springen lassen«, damit die DJK Kammer ihr den Paten macht – und zwar zum 50-jährigen Bestehen, das vom 3. bis 7. August in Otting gefeiert wird. Bis allerdings diese »Patenschaftsgebühr« ausgehandelt war, vergingen beim Wirt in Kammer gut und gern drei Stunden, innerhalb derer die Knie der Ottinger Vorstandsmitglieder vermutlich so gefühllos geworden waren, dass sie nicht einmal mehr schmerzten.


Denn von den gut nachbarschaftlichen Beziehungen, von denen beim Empfang der zahlreichen Ottinger die Rede war, merkte man während der Verhandlungen nicht viel – Mitleid war da nicht angesagt. Das lag aber wohl auch an schlechten Erfahrungen aus der Vergangenheit, mit denen der Kammerer DJK-»Ehrenpräse« Reinhard Lampoltshammer seine Nachfolger geimpft hatte: Die Ottinger hätten seinerzeit, als im Jahr 2000 die DJK Kammer das 25-Jährige feierte, auch kein Einsehen gehabt und sich ganz schön geziert, erzählte er.

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Wie gesagt, man begrüßte sich anfangs sehr freundlich. Der Ottinger Vorsitzende Schorsch Steinmaßl buhlte um die Kammerer Sympathien mit der mehrfach wiederholten Schmeichelei vom »Lieblings-Nachbarverein«. Man sei zum Göd-Bitten gekommen, begründete er das Erscheinen der Besucher aus Otting, und man habe dazu die »Musi« und ein kleines Geschenk mitgebracht. Dieses war dann gar nicht so klein: ein Leiterwagen mit einem Bierfassl, vielen Brezen und »Handwürscht«. Das müsste doch reichen für die Übernahme der Patenschaft, säuselte Steinmaßl – aber weit gefehlt: Der Kammerer Vorsitzende Herbert Baumgartner befragte seine Leute, und da schallte ihm ein lautstarkes »Nein« entgegen. Mit so einem Bisschen wollte man sich keineswegs zufrieden geben.

Aber da die Menschen im Saal »nicht ganz undurstig« seien, wie Baumgartner meinte, wurde das Fassl dann gleich angezapft: Dem Waginger Bürgermeister und Schirmherrn Herbert Häusl wurde diese Ehre zuteil, der er sich auch ohne jeglichen Spritzer entledigte. Freundlich prostete man sich danach gegenseitig zu – wohl wissend, dass damit, zumindest für die Ottinger Offiziellen, der angenehme Teil des Abends vorbei sein würde.

Sonderbehandlung für die Dame

Und so war es dann auch. Obwohl die Kammerer einräumten, dass das Bier durchaus trinkbar sei, wollten sie sich mit der angebotenen Menge keineswegs zufrieden geben. »Großer Bauer, großes Fass« so hätte man es sich in Kammer gedacht, spottete zweiter Vorsitzender Gerhard Wimmer in Richtung Steinmaßl – und schon wurden zahlreiche, spitz zugehobelte Scheiter hereingebracht. Darauf durfte die komplette Ottinger Vorstandschaft dann »Platz nehmen«; eine Sonderbehandlung gab es nur für die Dame in der Runde, da erwiesen sich die Kammerer als Kavaliere: Die künftige Ottinger Patenbraut Katharina Trattler durfte ihre zarten Knie auf ein Kissen betten.

Erleichterung beim »Prosit«

Und damit begann dann ein teilweise etwas unübersichtlicher Verhandlungs-Marathon, der auf Ottinger Seite von Richard »Richy« Siglreitmaier fortgeführt wurde – war doch der DJK-Chef zwengs Kniens verhindert. Von den ursprünglich von den Kammerern geforderten 400 Liter Bier bewegte man sich zwar nur langsam, aber immerhin in Richtung 200. Und da man auch an die Damen dachte, kam eine Lieferung »Hugo« ins Gespräch. Siglreitmaier handelte zwischendurch heraus, dass die armen Scheitelknienden aufstehen durften, sobald die von Tobias Schreiber dirigierte Blaskapelle Otting ein »Prosit« anstimmte – nicht ganz mit Zustimmung der Kammerer.

Der Ottinger Verhandlungsführer hatte sich dann noch ein paar Spielchen ausgedacht, die sich – im Falle, dass die Ottinger Vertreter gewinnen würden – mindernd auf die zu entrichtende Biermenge auswirken sollten. Aber letztlich waren es vorwiegend die Kammerer Vertreter, die beim Balljonglieren, beim Papierflieger-Wettbewerb und beim Nageln die Nase vorn hatten. So brachte das nicht nur nicht den erhofften »Rabatt«, sondern verlängerte eher die Qual der Vorstandschaft auf ihren Scheitern. Deren Gesichtsausdruck wurde von Viertelstunde zu Viertelstunde gequälter, und der Schweiß strömte nur so. Da brachten selbst einige Runden Schnaps allenfalls kurzfristig Erleichterung. Und auch die Witze, mit denen der extra für den Abend verpflichtete Hans Scharrer die Leidenszeit noch weiter verlängerte, fanden die Besucher auf ihren Stühlen gewiss viel lustiger als der kniende Teil der DJK Otting.

»Mit schönen Dirndln und in feschem G'wand«

Aber irgendwann war dann doch Schluss, nachdem sich zuvor auch noch die beiden Ehrenvorsitzenden Lampoltshammer und Sepp Frisch hatten einschalten müssen: 190 Liter Bier (die mitgebrachten 50 Liter mit eingerechnet) waren ausgehandelt worden, dazu noch für die Damen die besagten zehn Flaschen »Hugo«. Und nach überstandener Mühe war dann der Ottinger DJK-Vorsitzende wieder so weit erholt, dass er den »Lieblings-Nachbarn« für die Übernahme der Patenschaft danken konnte. Und der Vorsitzende der also gelobten DJK Kammer, Herbert Baumgartner, sagte freundlich zu, dass man gerne zum Jubiläum kommen werde: »zahlreich, mit schönen Dirndln und in feschem G'wand«.

Trotz der fortgeschrittenen Stunde – bereits nach 23 Uhr – gab es dann noch einen Tagesordnungspunkt: Hans Scharrer, alias Zauberer Scharini, gab noch einige Beispiele seiner Zauberkünste zum Besten. Und bei diesen teilweise unglaublichen Tricks wurden auch müde Besucher nochmals munter. he