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Passionssingen stimmte auf Karwoche ein

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Der Chiemseewinkl-Dreig'sang mit Liesi Huber (von links), Brigitte Edtmayer und Sepp Messerer trug mit seinen feinen Stimmen zum besonderen Charakter des Passionssingens bei. (Foto: H. Eder)

Waging am See – Eine gut gefüllte Kirche und ein Spendenerlös von 1030 Euro für das Netzwerk Hospiz: Das Passionssingen in der Pfarrkirche in Waging, organisiert von Elisabeth Wildenhof und Rosi Hofmann, war in jeder Hinsicht ein schöner Erfolg – und zudem eine passende Einstimmung auf die Karwoche. Für ein qualitativ hochstehendes, abwechslungsreiches Programm aus Gesang und Instrumentalmusik sorgten die Hochberger Soatnmusi, der Chiemseewinkl-Dreig'sang, Maxi Gruber an der Ziach, der Waginger Kirchenchor sowie Bläser der 6-Egg-Musi. Sprecher Siegi Götze stellte bei seinen Wortbeiträgen Verbindungen zwischen den Bibeltexten der Passion und dem alltäglichen Leben her.


Auftakt und Abschluss des Passionssingen gestalteten vier Bläser der 6-Egg-Musi, die sich einmal mehr als hervorragende Musiker erwiesen. Mit einer »Allemande« verliehen sie der abendlichen Stunde in der Kirche gleich von Anfang an ein feierliches Gepräge, das sie mit der bekannten »Air aus der Suite Nr. 3 in D-Dur« von Johann Sebastian Bach untermauerten, ehe sie am Schluss mit dem Stück »Marcello« die Besucher nach den nachdenklichen Worten und Weisen um die Passion Jesu wieder etwas aufgelockert entließen – das übrigens ganz ohne Beifall, wie von den mitwirkenden Musikanten ausdrücklich gewünscht.

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Feine Klänge trugen die Sechs von der Hochberger Soatnmusi bei, die nicht nur so heißen, sondern wirklich vom Hochberg kommen. Mit Zithern, Hackbrett, Gitarre, Harfe und Bass, einmal auch mit Querflöte erzeugten die Musikanten getragene Melodien, die gut zu dem besinnlichen Abend passten. Dazwischen reihten sich die beiden Gesangsensembles ein: zum einen der Kirchenchor unter Leitung von Alfons Schmuck, zum anderen der Chiemseewinkl-Dreig'sang. Die Texte der Lieder hatten das in der Bibel geschilderte Geschehen um die Passion Jesu zum Thema. Der Dreig'sang mit Brigitte Edtmayer, Sepp Messerer und Liesi Huber an der Gitarre trug mit seinen feinen Stimmen zum besonderen Charakter des Waginger Passionssingens bei und besang unter anderem die schlafenden Jünger am Ölberg und das Leiden, das Jesus auf sich genommen hat. Beim Chor ging es vor allem um die Abkehr von der Sünde mit Lieder wie: »O Sünder, mach dich auf!« Abgerundet wurde das Programm dann noch von Maxi Gruber aus Petting mit seiner Ziach.

Pfarrer Andreas Ager sagte, Musik habe eine lange Tradition auch in der Bibel. Die musikalische Annäherung an das Geschehen der Passion solle hineinführen in die Geheimnisse der Kar- und Ostertage.

Sprecher Siegi Götze verstand es, in kurzen Worten das biblische Geschehen für die heutige Zeit zu aktualisieren. Der Verrat des Judas, das Verleugnen des Petrus: Wie oft, so fragte Götze, ist der Mensch in einer ähnlichen Situation, dass er seines Vorteils willen oder auch aus einer Angst heraus nicht zu etwas oder jemandem steht? Wie oft erlebe der Mensch »den Judas in sich«? Von daher dürfe man Menschen wie die beiden biblischen Gestalten nicht leichtfertig verurteilen, sondern müsse in sich selbst hineinschauen, ob es da nicht ähnliche Verhaltensweisen gab oder gibt, ob da nicht jeder schon »seinen persönlichen Hahnenschrei« erlebt hat. Die schlafenden Jünger – als Ausdruck für mangelnden Einsatz und fehlende Hilfsbereitschaft – wurden nicht nur im Lied thematisiert, sondern auch von Siegi Götze.

Und schließlich tauchte da auch noch Pilatus auf, der seine Hände in Unschuld wusch – weil er Angst hatte, sich mit dem tobenden Volk und dessen Anführern anzulegen. Den verführbaren, verhetzten Massen widmete Götze dann noch ein paar Gedanken: Überall in der Welt zeige sich, wie leicht sich Menschen zu unbeschreiblichen Taten verführen lassen. So sei die Karwoche eine Zeit zum Nachdenken, empfahl Götze, und auch eine Zeit, um sich wieder bewusst zu machen, dass Leiden und Tod einfach zum Leben gehören. he