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Parkhaus Scheibenstraße: Landesgewerbeanstalt weist Kritik zurück

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Leer steht das Parkhaus an der Scheibenstraße. Die Stadt will das Gebäude abreißen. Für Diskussionen sorgt nach wie vor die Aufarbeitung der Umstände, die zur Schließung des Gebäudes führten. (Foto: Pültz)

Traunstein – Im Zusammenhang mit der Aufarbeitung der Umstände, die zur Schließung des Parkhauses an der Scheibenstraße geführt haben, ist sich die Landesgewerbeanstalt (LGA) Nürnberg keines Fehlverhaltens bewusst. Insbesondere weist sie den Vorwurf zurück, sie habe keine nochmalige Besichtigung vorgenommen, ehe sie zu der Einschätzung gekommen sei, dass die Standsicherheit nicht mehr vollumfänglich gegeben ist. Für eine weitere Begehung sei kein Auftrag seitens der Stadt vorgelegen, so Pressesprecher Rainer Weiskirchen auf Anfrage des Traunsteiner Tagblatts.


Die Landesgewerbeanstalt Nürnberg hatte das Bauwerk in den vergangenen Jahren begutachtet. Heuer im Sommer teilte sie der Stadt eine Einschätzung mit: Sie konnte die Frage der Standsicherheit nicht mehr positiv beantworten. Auf der Grundlage dieser Mitteilung, die per E-Mail ins Rathaus ging, beschloss die Stadtverwaltung, das Parkhaus zu schließen. Die Tage des Bauwerks sind mittlerweile gezählt. So entschied sich der Stadtrat inzwischen dafür, das Gebäude abzureißen. Der Stand der Dinge in Sachen Abbruch kommt im Planungsausschuss am morgigen Dienstag zur Sprache. Die Landesgewerbeanstalt schildert die Vorgänge wie folgt: »Die LGA hat ihre Einschätzung zu der Parkgarage«, so Pressesprecher Weiskirchen, »seit Abgabe des Berichts über die Parkgarage im Jahr 2018 nicht verändert.« Für eine weitere Begehung im Jahr 2019 sei kein Auftrag zustande gekommen. Die LGA habe mit der Stadt Traunstein keinen Vertrag für 2019 abschließen können, »da eine Bauwerksprüfung seitens der LGA auf Grund der Auslastung kurzfristig nicht möglich war«.

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Der Pressesprecher weiter: »Vor diesem Hintergrund konnte auf der Grundlage unserer Berichte 2018 und 2016, die der Stadt Traunstein vorliegen und den kritischen Zustand beziehungsweise Schadensfortschritt dokumentieren, aktuell zur Standsicherheit keine – positive – Aussage von unserer Seite verantwortlich getroffen werden.«

Bereits im Jahr 2012 habe ein Ingenieurbüro, wie Oberbürgermeister Christian Kegel zurückblickt, unter anderem mit Bohrkernentnahmen und Laboranalysen die vorhandenen Schäden am Parkhaus Scheibenstraße eingehend untersucht. Dabei sei eine intensive Schädigung durch Chlorideintrag festgestellt und die Kosten für den Sanierungsbedarf zum damaligen Zeitpunkt auf rund 655 000 Euro geschätzt worden. »Fortan erfolgten regelmäßige Überprüfungen des Bauwerks.«

Im Jahr 2016 habe die LGA Nürnberg eine weitere umfangreiche Bestandsuntersuchung mit Laboranalysen durchgeführt. Die Untersuchung habe Schäden durch Risse und hohe Chloridbelastung an nahezu allen Parkebenen aufgezeigt. In diesem Gutachten habe die LGA bereits darauf hingewiesen, »dass für das Gebäude in der Zukunft ohne eine Sanierung erhebliche Standsicherheitsbeeinträchtigungen zu erwarten sind«.

Im Bericht zur Bauwerksprüfung im Jahr 2018 habe die LGA schließlich aufgrund der fortgeschrittenen Schäden eine »umgehende Sanierung an den kritischsten Bauteilen dringend gefordert, um die Nutzung des Parkhauses aufrechterhalten zu können«, so der Oberbürgermeister weiter. Im Besonderen sei dabei aufgrund einer Rissbildung im Bereich einer Rampe eine baubehelfsmäßige Abstützung angeordnet worden, die dann auch umgehend angebracht worden sei. »Zu diesem Zeitpunkt war also klar, dass die Lebensdauer des Parkhauses – ohne Sanierung – nur noch von begrenzter Dauer sein kann.« Deshalb sei die Thematik auch im Januar 2018 im Stadtrat besprochen worden. Das Gremium habe beschlossen, dass keine Sanierung erfolgen und dass das Parkhaus bis zum Ende seiner Lebensdauer weiterbetrieben werden solle.

Im Juli 2019 habe die Stadtverwaltung die LGA zur Durchführung einer vorgezogenen Bauwerksprüfung noch im Jahr 2019 aufgefordert, berichtete Kegel. Ziel sei es gewesen, »die tatsächliche Restlebensdauer nun endgültig zu bewerten, also den Zeitraum bis zur erforderlichen Sperrung gutachterlich abklären zu lassen«.

Daraufhin habe die LGA erklärt, »dass sie aufgrund der Tatsache, dass die geforderten Sanierungsmaßnahmen nicht umgesetzt wurden, eine weitere Begutachtung als nicht mehr zielführend bewertet und zum aktuellen Zeitpunkt aufgrund der intensiven Schäden keine positive Aussage mehr über eine ausreichende, vollumfängliche Standsicherheit des Parkhauses getroffen werden kann«.

Auch ein zweites im Juli 2019 angefragtes Ingenieurbüro habe der Stadt mitgeteilt, dass es – auf Basis der vorliegenden Untersuchungsergebnisse und Prüfberichte – für eine weitere Überprüfung bezüglich der Standsicherheit nicht zur Verfügung stehe.

Kegel führt aus: »Aufgrund dieser Aussagen, insbesondere aufgrund der Stellungnahme der LGA, die in den vergangenen Jahren das Parkhaus immer wieder genauestens untersucht hatte, wurde aus Sicherheitsgründen veranlasst, es Ende August 2019 endgültig zu schließen.« pü