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Paralympische Spiele: Medaillenvergabe am Stadtplatz

Traunstein. Am Ende war die Abstimmung deutlich: Mit 17:7 sprach sich der Traunsteiner Stadtrat dafür aus, dass sich der Landkreis Traunstein an der Bewerbung Münchens beteiligen soll (wir berichteten kurz). Zudem bittet der Stadtrat einstimmig darum, dass die Traunsteiner Bürger zum Bürgerentscheid gehen sollen.

Am Traunsteiner Stadtplatz könnten bei den Paralympischen Spielen 2022 die Medaillen an die Sportler, die ihre Wettkämpfe in Ruhpolding und am Königssee austragen, übergeben werden. Bei den Olympischen Spielen soll in Bad Reichenhall die sogenannte »Medal Plaza« sein. (Foto: Brenninger)

Oberbürgermeister Manfred Kösterke zeigte sich begeistert vom Münchner Konzept für 2022. »Ich denke, dass da ein Konzept vorgelegt wurde, das es so seit Langem, was die Nachhaltigkeit betrifft, nicht mehr gegeben hat.« Zudem wies er darauf hin, dass am Traunsteiner Stadtplatz bei den Paralympischen Spielen die Medaillenvergaben für die Wettbewerbe, die in Ruhpolding oder am Königssee ausgetragen werden, erfolgen sollen.

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Infrastruktur: »Sehr viele positive Effekte«

Manfred Kösterke erwartet sich, sollte München den Zuschlag bekommen, auch »sehr viele positive Effekte im Bereich der Infrastruktur«. Die Kosten, die auf den Landkreis Traunstein durch eine Bewerbung zukommen, seien bereits durch Rücklagen des Chiemgau Tourismus abgedeckt, hob er zudem hervor.

Der Oberbürgermeister ging auch auf einige Argumente der Gegner ein, die in den vergangenen Wochen zu hören waren. Es stimme etwa nicht, dass in Traunstein zusätzliche Parkplätze gebaut werden müssen. »Tatsache ist, dass rund 500 Sportler bei den Paralympischen Spielen in Ruhpolding und am Königssee sein werden, dazu kommt noch ein Medienaufgebot von rund 1000 Personen.« Traunstein könne dies ohne Weiteres schon jetzt schultern. Kösterke bat in der Sitzung auch mehrfach darum, sachlich zu argumentieren.

Simon Steiner von der Traunsteiner Liste ergriff in der Diskussion als erster das Wort. Der Gedanke an Olympia sei hervorragend, betonte er. Aber die Knebelverträge des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) »können wir nicht akzeptieren«, fuhr er fort. »Da ist jetzt viel Blenderei dabei«, zeigte er sich überzeugt, »es ist nur ein Strohfeuer.« Eine Kostenexplosion werde seiner Meinung nach kommen.

Ganz anderes sah dies Stefan Namberger (CSU). »Touristisch gesehen ist das eine Spitzenwerbung«, betonte er. Namberger hob hervor, dass »wir alles da haben«. Er sehe es auch positiv, dass Traunstein behindertengerecht ausgebaut werde.

Burgi Mörtl-Körner (Bündnis 90/Die Grünen) musste zugeben, dass »das Konzept verlockend ist«. Dennoch überwogen bei ihr am Ende die Bedenken. »Das Geld ist meiner Meinung nach besser in den Breitensport investiert«, sagte sie. Sie äußerte auch Befürchtungen, dass es enorme Einschränkungen in der Region geben werde.

Die Grünen stellten zudem einen Antrag, dass der Beschluss des Stadtrates anders lauten sollte – und zwar, dass der Stadtrat die Bürger auffordere, sich über die Pro- und Contra-Argumente zu informieren und an der Abstimmung teilzunehmen. Für diesen Antrag ernteten sie teilweise Kritik.

Karl Schulz (CSU) fand diesen »oberlehrerhaft«. Er betonte, dass sich der Stadtrat positionieren müsse. Zudem bat er, dass sich die Stadt dafür einsetze, dass am Stadtplatz nicht nur die Medaillenvergaben bei den Paralympischen sondern auch bei den Olympischen Winterspielen sein sollen.

Wilfried Schott (Bündnis 90/Die Grünen) konterte, dass man den Antrag nicht gemacht habe, um die Bürger zu bevormunden. »Nur die Bürger wurden einseitig informiert«, betonte er. In der Informationsbroschüre, die mit den Wahlunterlagen verschickt wurde, seien nur die Pro-Argumente aufgeführt, sagte er. Der Antrag wurde letztlich deutlich abgelehnt.

Wahlbenachrichtigung: »Fader Beigeschmack«

»Die Wahlbenachrichtigung hat einen faden Beigeschmack«, pflichtete Wolfgang Lenz (UW) bei. Er fand zudem, dass es ganz viele Fragezeichen gebe. »Wissen tun wir alles erst dann, wenn die Spiele stattgefunden haben«, betonte er.

Ingrid Bödeker (SPD) betonte, dass die Winterspiele 2022 ja auf jeden Fall stattfinden werden. Sie sprach sich dafür aus, dass dies hier geschehen soll. »Wir sind eine Wintersportregion mit Tradition und viel Erfolg«, unterstrich sie. Waltraud Wiesholer-Niederlöhner (SPD) fand, dass das Geld des Chiemgau Tourismus gut angelegt sei. Eine bessere Werbung könne man nicht bekommen.

Josef Häusler (CSU) gab zu bedenken, dass man vor ein paar Jahren Sturm gelaufen sei, als Ruhpolding und Inzell bei der Münchner Bewerbung 2018 nicht berücksichtigt wurden. »Jetzt geht's, jetzt sind wir dagegen. Wunderbar«, sagte er süffisant. Letztlich sprach sich der Stadtrat dann mehrheitlich nach einer gut eineinhalbstündigen Diskussion dafür aus, dass sich der Landkreis Traunstein an der Bewerbung von München beteiligen soll. SB