weather-image
22°

Ortsbild würde sich komplett verändern

1.0
1.0
Bildtext einblenden
Soll sich die Ortschaft Frühling großflächig entwickeln? Diese Frage soll zunächst mit den Bürgern diskutiert werden. Nach Auffassung des städtischen Bauamts Traunreut könnten unter anderem links und rechts am Ortsrand entlang der Straße nach Frühling weitere Wohnbauflächen ausgewiesen werden. (Foto: Rasch)

Traunreut – Die Diskussion um eine Entwicklung der Ortschaft Frühling wurde im Bauausschuss wieder auf die Tagesordnung gesetzt und behandelt. Nachdem der Stadtrat im Januar einen Grundsatzbeschluss für mögliche Erweiterungsflächen des 100-Seelen-Dorfes gefasst hatte, ist das städtische Bauamt jetzt tätig geworden und hat eruiert, in welchem Umfang eine Bebauung möglich wäre. Nach ersten Ermittlungen könnten 34 000 Quadratmeter Bauland dazugewonnen werden. Dies würde bedeuten, dass der Ort um zwei Drittel wachsen und sich das Ortsbild komplett verändern würde.


Stadtbaumeister für lockere Bebauung

Anzeige

Ob das Vorhaben auch im Sinne der Frühlinger ist, soll jetzt abgeklärt werden. »Wir wollen keinem was überstülpen. Bevor wir was beschließen, werden wir zunächst mit den Bürgern reden« betonte Bürgermeister Klaus Ritter. Bei den bisherigen Ermittlungen handle es sich um einen reinen planerischen Ansatz und um keine Intension in irgendeine Richtung, so das Stadtoberhaupt. Deshalb soll laut einstimmigem Beschluss den Bewohnern bei einer Informationsversammlung, die voraussichtlich am Mittwoch, 2. November, im k1 stattfinden wird, der planerische Ansatz vorgestellt und die Möglichkeit eingeräumt werden, ihre Meinungen mit einzubringen. Nach der Bürgerbeteiligung soll dann über das weitere Vorgehen im Bauausschuss beziehungsweise im Stadtrat entschieden werden.

Stadtbaumeister Thomas Gätzschmann stellte dem Gremium eine Planskizze vor, wie er sich eine Bebauung vorstellen könnte. Nach seinem Ermessen könnte sowohl im Süden, Osten und Westen Bauland ausgewiesen werden. Nach Norden sollte nicht mehr rausgegangen werden, rät Gätzschmann. Insgesamt könnten rund 34 000 Quadratmeter dazugewonnen werden. Bei einer derzeitigen Bebauung von rund 47 000 Quadratmeter würde das eine zusätzliche Bebauung um rund 70 Prozent bedeuten. Gätzschmann regt allerdings eine lockere Bebauung an, um den ländlichen Charakter des Dorfes zu erhalten.

Paul Obermeier (FW) und Sepp Winkler (Bürgerliste) stehen einer großflächigen Entwicklung skeptisch gegenüber. Winkler warnte davor, den »Leuten den Mund wässrig zu machen« und Obermeier befürchtet Folgen für die Landwirtschaft. »Ich weiß nicht, wie viele landwirtschaftliche Betriebe es in Frühling gibt. Eine Ausweisung in der geplanten Dimension wäre aber ein Todesschuss für die landwirtschaftlichen Betriebe«, mutmaßt Obermeier.

Nach Angaben der Verwaltung sei vom Stadtrat vor rund drei Jahren für zwei Grundstücke am südlichen Ortsrand von Frühling eine Erweiterung des Geltungsbereichs beschlossen worden. Zahlreiche weitere Anträge von Frühlinger Grundbesitzern seien jedoch abgelehnt worden, weil diese Bebauungswünsche einer geordneten städtebaulichen Entwicklung widersprochen hätten. Dieses Verfahren zur Erweiterung der Abrundungssatzung sei jedoch noch nicht abgeschlossen, da das erforderliche Gutachten über die Verträglichkeit der geplanten Wohnbebauung mit der vorhandenen landwirtschaftlichen Nutzung bis heute noch nicht vorliege.

Entwicklung von Frühling seit 1990 ein Thema

Über eine bauliche Entwicklung von Frühling wird seit 1990 diskutiert. Nach Gesprächen mit den Grundstücksbesitzern über weitere Bebauungsmöglichkeiten wurde ein sogenanntes Wohnungsbauerleichterungsgesetz erlassen. Diese Satzung, die den gleichen Umgriff wie die heute noch gültige Abrundungssatzung hatte, wurde nach Angaben der Verwaltung im Juli 1991 in Kraft gesetzt. In der Satzung wurden auf Wunsch der Bewohner von Frühling die Baugrenzen für die zusätzlichen Gebäude exakt vorgegeben. Davon betroffen waren vier zusätzliche Gebäude, die sich vorwiegend am östlichen Ortsrand befanden. Zwei Jahre später hatten zahlreiche Haus- und Grundbesitzer aus Frühling geäußert, dass sie künftig keine festgelegte Bebauung wünschen und auch eine Kanalisation des Ortsteils ablehnen. Zwischenzeitlich wurde der Ort aber an die städtische Kanalisation angeschlossen. 1998 wurde dann eine Abrundungssatzung in Kraft gesetzt, die bis heute gültig ist. Um, wie jetzt andiskutiert, eine Ausweisung im großen Stil vorzunehmen, müsste jedoch der Flächennutzungsplan geändert werden.

Als nächster Schritt soll aber zunächst die Bürgerbeteiligung abgewartet werden. Außerdem muss auch der Stadtrat die Empfehlung des Bauausschusses in einer zusätzlichen Sitzung am Montag um 16 Uhr absegnen. ga