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Original bayerische Volksmusik vom Feinsten

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Ein bisserl was ging daneben, als Bürgermeister Herbert Häusl das vom Hofbräuhaus gespendete Bierfassl anstach, trotz der fachkundigen Assistenz von Bräu Bernhard Sailer (rechts) und Vertriebsleiter Hans Hüttl. (Foto: Eder)

Waging am See. Dem ausgesprochen unerfreulichen Wetter zum Trotz durfte sich die Frauengemeinschaft Tettenhausen bei ihrem Abend der »Lustigen Wirtshausmusikanten« zum Auftakt ihrer 100-Jahr-Feier über ein bestens gefülltes Festzelt freuen. Nach kurzen Grußworten und einem – passend zum Wetter – feucht geratenen Bieranstich von Schirmherr Bürgermeister Herbert Häusl erlebten die Besucher musikalische Leckerbissen original bayerischer Volksmusik, vorgetragen von Musikgruppen, die am Musizieren mindestens ebenso viel Freude haben dürften wie sie ihren Zuhörern bereiten.


Die Tettenhausener Frauen hatten sich von dem unwirtlichen Wetter der letzten Tage nicht abhalten lassen, alles perfekt vorzubereiten. Das Zelt war in Erwartung der vielen Besucher sogar noch angestückelt worden, die Bühne war schön geschmückt mit Blumen, Girlanden, mit Heuhifeln, einem alten Fahrrad und mit der altehrwürdigen Vereinsfahne. Und natürlich fehlte es auch nicht an der erforderlichen gastronomischen Versorgung. Vor diesem Hintergrund begrüßte die Vorsitzende Gertraud Stief die Besucher einschließlich einer Reihe von Ehrengästen. Sie erinnerte an die Bierprobe, bei der das Festbier des Hofbräuhauses Traunstein »ziemlich gut« geschmeckt habe, und dankte der Brauerei für das zum Festabend gespendete Fass.

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Festleiterin Lisa Obermayer sprach von einer »schweren Geburt«, ehe die Tettenhausener Frauen Mut gefasst hatten, ein so großes Fest auszurichten; schließlich habe die Frauengemeinschaft in ihrer 100-jährigen Geschichte noch nie so groß gefeiert. Aber dank der Mithilfe überaus vieler fleißiger Helfer sei »all das, was wir befürchtet haben, nicht eingetroffen«, wenn man mal vom Wetter absehe. Trotz einer gewissen Nervosität präsentierte sich die Festleiterin dann sogar als Sängerin und schilderte in lustiger Weise, dass sich, als die Tettenhausener Frauen ins Rathaus gekommen und dem Bürgermeister die Schirmherrschaft angetragen hatten, im ganzen Haus kein Tortenheber fand, als danach zum Kuchenessen eingeladen wurde: »Da schreit der Herbert: 'Welch ein Graus / es findet sich kein Tortenheber / im ganzen Rätehaus'«. Deswegen überreichte Lisa Obermayer zum Gaudium der Besucher dem Bürgermeister dieses nützliche Utensil.

Der Bürgermeister bedankte sich natürlich für das freundliche Geschenk, lobte die Damen für die viele Arbeit, die sie im Vorfeld des Festes geleistet hatten, und nahm dann gern die Einladung zum Bieranstich an. Nach wenigen Schlägen war dann angezapft, zwischendurch aber war doch eine beachtliche Fontäne aus dem Fass herausgespritzt. Dann füllte man die Maßkrüge und stieß auf einen guten Verlauf des Festes an.

Und der erste Abend war schon ein voller Erfolg. Die drei Gruppen auf der Bühne – das Duo »LuFlo«, die Waginger Wirtshausmusikanten und die Leonharder Musikanten – unterhielten die Besucher mit einem eindrucksvollen Potpourri aus Walzer, Polka, Boarischem und Marsch, einfach mit bayerischer Volksmusik, wie sie schöner nicht sein kann. Schorsch Schneider, Willi und Christine Huber, Lois Babinger und Hias Winkler, die Waginger Wirtshausmusikanten, spielten schmissig auf, angetrieben vom Schneider-Schorsch mit seinen Löffeln – einfach »grimmige« Musik, wie man in Bayern dazu sagt. Ähnlich und doch ganz anders die Leonharder Musikanten: Hermann Eder an der Ziach, Franz Tradler am Flügelhorn, Konrad Eder an der Basstrompete und Wolfgang Parzinger an der Tuba unterhielten die Besucher im Zelt mit melodiöser bodenständiger Volksmusik – ein Genuss zum Zuhören.

Und da war dann noch das Duo »LuFlo« mit Luggi Egger als Sänger und Wolfgang »Flo« Parzinger als zweite Stimme und Gitarrenbegleiter, meist noch unterstützt von Willi Huber an der Ziach. Die Lieder der beiden, dramaturgisch vertieft von der unnachahmlichen Art des geborenen Komikers Luggi Egger, waren ein lustiger Gang durch allerlei Situationen, in denen die »Liab«, die Frauen, das zwischenmenschliche Miteinander überhaupt die größte Rolle spielten – verbunden mit gut gemeinten Mahnungen: »Finger weg vom weiblichen Trikot!« Das Publikum hatte daran seinen größten Spaß – nicht zuletzt auch wegen mancher Zweideutigkeiten. Aber das war sozusagen »von oben« genehmigt. Festleiterin Lisa Obermayer hatte nämlich berichtet, dass sie von Luggi Egger gefragt worden war, ob »mia scho a bisserl deftig singen dürfen«. Ihre Antwort darauf sei gewesen: »Ja freili, mia werdn 100. Des oane hörn mia nimmer, des andere kenn ma scho.«

In mehreren Durchgängen entspann sich so ein Programm original bayerischer Volksmusik, wie man es nicht alle Tage hört – vorgetragen von Musikanten, die sich der überlieferten Musik verpflichtet fühlen, die mit viel Humor und Gaudi agieren und die Spielfreude und Begeisterung ausstrahlen und vermitteln – ganz im Sinn des Liedes, das zusammen mit dem Publikum immer wieder gesungen wurde: »Lasset uns das Leben genießen.« So wurde es spät und später. Und wenn auch Luggi Egger in einem neuen Lied die Vorzüge des Bettes – »Am besten ist’s im Bett« – so richtig aus Herzenslust besungen hatte, so wurde es doch nach Mitternacht, ehe der Großteil der Bierzeltbesucher dieses dann auch aufsuchen konnte. he