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Opfer zu zweit vergewaltigt?

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Traunstein – Zwei Rumänen, 27 und 37 Jahre alt, sollen in der Nacht zum 23. Mai eine inzwischen 40-jährige Frau in einer Wohnung in Rosenheim zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben. Sie stehen jetzt wegen Vergewaltigung, der 37-Jährige zusätzlich wegen Freiheitsberaubung vor der Zweiten Strafkammer am Landgericht Traunstein. Beide beriefen sich auf ihr Schweigerecht.


Der Verteidiger des 37-Jährigen, Wolfgang Müller, erklärte: »Aufgrund seines Alkoholkonsums hat er an die ihm zur Last gelegten Tatvorwürfe keine Erinnerung mehr.« Rechtsanwalt Markus Frank betonte für den 27-Jährigen: »Es kam zu sexuellen Handlungen. Aber sie waren einvernehmlich.« Fragen wurden von beiden Angeklagten nicht beantwortet. Die Hauptverhandlung wird am heutigen Dienstag fortgesetzt.

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Eine Beamtin der Kripo Rosenheim informierte, die 40-Jährige habe damals nachts am Kreisverkehr am Ludwigsplatz eine Polizeistreife angehalten und erzählt, sie sei von zwei Männern in einer nahen Wohnung vergewaltigt worden. Die Täter seien noch dort. Die Polizei veranlasste eine sofortige ärztliche Untersuchung der Frau. Beide Angeklagte wurden umgehend festgenommen. Nach Vorlage von Bildern identifizierte die Frau die Männer eindeutig als Täter.

Gemeinsam in die Wohnung des 27-Jährigen gegangen

Das Opfer sei an jenem Abend mit Schwester und Tante unterwegs gewesen, gab die Beamtin die Aussage der 40-Jährigen wieder. Die Frauen hätten alkoholische Getränke konsumiert. Zwei seien heim gefahren. In einer Gaststätte an der Innstraße habe die Geschädigte die Angeklagten getroffen. Einen habe sie gekannt. Man habe gemeinsam Alkohol konsumiert. Der 27-Jährige habe angeregt, sich bei ihm zuhause weiter zu unterhalten, Musik zu hören und noch was zu trinken. Die Frau sei einverstanden gewesen. Die Forderung des 27-Jährigen nach Sex habe sie aber abgelehnt. Daraufhin sei der Mann aggressiv geworden, zitierte die Polizistin die Frau. Mit Gewalt habe der 27-Jährige seinen Willen durchgesetzt.

Der 37-Jährige sei kurz nicht in der Wohnung gewesen. Bei seiner Rückkehr habe er die Türe verschlossen, den Schlüssel an sich genommen und ebenfalls Sexansprüche angemeldet. Er habe die sich wehrende Frau geschlagen und Sex erzwungen. Alles weitere habe sie »dann über sich ergehen lassen«. Andeutungen der Verteidiger, die Geschädigte sei im Rotlichtmilieu tätig, hätten sich in ihren Ermittlungen nicht bestätigt. Vorstöße der Verteidiger in diese Richtung kommentierte Beisitzender Richter Andreas Bartschmid: »Selbst wenn eine Frau als Prostituierte arbeiten würde, wäre sie nicht vogelfrei. Darüber sind wir uns ja wohl einig.«

Die 40-Jährige mit Nebenklagevertreter Christoph Michel zur Seite bestätigte den von Staatsanwältin Monika Reisinger angeklagten Sachverhalt. Als Grund, mit in die Wohnung des ihr flüchtig bekannten 27-Jährigen zu gehen, sagte sie: »Sie wollten mir eine Wohnung zeigen, die billiger ist als meine und maximal 300 Euro kostet.« Die »Wohnung« habe sich als winziges Zimmer ohne Küche entpuppt. Sie sei erschrocken: »In so etwas würde ich nicht wohnen wollen.« Der 27-Jährige habe einen Raum gegenüber gehabt. Sie sei den beiden Männern gefolgt, habe sich dabei »nichts gedacht«.

»Ich hatte Angst, nicht mehr raus zu kommen«

Wie es weiterging, schilderte die Zeugin teils unter Tränen. Der 27-Jährige habe gedroht, sie werde »wegkommen«, »eine in die Fresse bekommen«, falls sie nicht mitmache. Sie sei auf die Couch geschmissen worden, habe sich gewehrt, sei gebissen worden und habe zurückgebissen. Verhindern habe sie die Vergewaltigung nicht können. Bei der Rückkehr des 37-Jährigen habe dieser Sex verlangt mit den Worten: »Soll ich es mir selber machen?« Die Reaktion des 27-Jährigen: »Du kommst nicht zu kurz.« »Betteln und Weinen« der Frau half nach ihrer Schilderung ebenso wenig wie heftige Gegenwehr samt Tritten.

Schließlich hätten die Männer von ihr abgelassen. Sie habe über das Thema »Wohnung« geredet: »Ich hatte Angst, nicht mehr raus zu kommen.« Bevor sie endgültig gehen durfte, musste sie einem Täter noch ein Sandwich schmieren. Über die Innstraße rannte die Frau weg: »Ich wollte zur Polizei.« Beamte in einem Streifenfahrzeug reagierten auf ihr Winken.

Die Angeklagten äußerten sich nur zu ihrem Vorleben. Der 37-Jährige absolvierte in seiner Heimat eine Maurerlehre, arbeitete mehrere Jahre in dem Beruf, aber auch in einem Sägewerk. Er fand in Deutschland – wie der Mitangeklagte – zeitweise einen Job bei einem Zirkus. Der Ältere räumte ein, alle paar Wochen exzessiv zu trinken. Ohne Berufsausbildung ist der 27-Jährige. Er war in verschiedenen Jobs tätig, unter anderem als Forstarbeiter und zuletzt als Dachdecker in Rosenheim. kd