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Oma-Opa-Vermittlung in Traunreut ist erfolgreich gestartet

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Omas, Opas, Kinder und die Ansprechpartnerin der Oma-Opa-Vermittlung haben viel Spaß miteinander. Unser Bild zeigt (von links) Naomi, Lydia Hogger, Christa Schmidt mit dem kleinen Noel, Anneliese Baudler mit Isi, deren Mutter mit Schwester Leni davor im Hochstuhl und Udo Schmidt mit »ihren« Kindern. (Foto: Mix)

Traunreut. Die Traunreuter Oma-Opa-Vermittlung in Trägerschaft des Diakonischen Werks Traunstein ist sehr gut angelaufen. Fünf Familien haben eine Oma oder einen Opa gefunden und sind begeistert von den regelmäßigen Treffen. Nun werden weitere aktive Ältere und auch junge Familien gesucht, die einander viel geben können.


Nach dem Start im Herbst haben sich rasch zwei Opas und drei Omas gefunden. Sie wurden inzwischen alle an junge Familien vermittelt. Im Moment steht noch eine erst vor Kurzem zugezogene Familie mit einem einjährigen Sohn auf der Warteliste, die sich dringend eine liebevolle Oma wünscht.

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»Das war Liebe auf den ersten Blick«

Über ihre bisherigen Erfahrungen berichteten zwei Omas und ein Opa im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Anneliese Baudler war vom ersten Kennenlernen an ganz vernarrt in die beiden Mädchen Isi (elf Monate) und Leni (zwei Jahre). »Das war Liebe auf den ersten Blick«, sagt sie und hält Isi auf dem Arm. Ihre eigenen Enkel sind schon erwachsen und sie wurde durch einen Zeitungsartikel auf die Vermittlung aufmerksam. »Ich bin gerne mit Kindern zusammen und das bringt mir auch selber viel«, erzählt sie.

Für sie sei es beispielsweise sehr ergreifend gewesen, als die Kleinen auf dem Christkindlmarkt beim Anblick des Baumes mit den vielen Kerzen ganz große, strahlende Augen bekamen. Mit der Mutter und den beiden Mädchen trifft sie sich seit November regelmäßig, geht mit ihnen auf den Spielplatz oder ins Hallenbad. Sie besuchten auch gemeinsam einen Kindergottesdienst und den Kinderfasching, alles Dinge, die Anneliese Baudler früher mit ihren eigenen Kindern und Enkeln gemacht hat und jetzt mit großer Freude wieder macht.

Die beiden Mädchen haben eigene Großeltern und nennen Anneliese Baudler auch nicht Oma, sondern bei ihrem Vornamen. Ihre Omas wohnen jedoch weiter weg und haben nur sporadisch Kontakt zu den Mädchen.

Für die Mutter der beiden ist es schön, dass ihre Kinder auch mit der älteren Generation Kontakt haben, »und die Anneliese ist ja eine sehr aktive Seniorin, die macht alles mit«. Außerdem sei sie froh um jede Hilfe, weil es mit zwei kleinen Kindern gar nicht so einfach sei, etwas zu unternehmen. Am Spielplatz und im Schwimmbad kann sie nicht auf beide gleichzeitig ein Auge haben und freut sich, wenn die Ersatz-Oma sie begleitet. »Wir haben noch einiges gemeinsam vor und so lange es uns allen Spaß macht, wollen wir den Kontakt auch aufrechterhalten«, erklären beide Frauen einvernehmlich.

Opa und Oma zugleich hat die alleinerziehende Mutter von zwei Kindern nach langer Suche gefunden. Sie ist froh um die Unterstützung. Ihr und den Kindern tut es gut, dass ab und zu ein Mann in die Familie kommt und den Kleinen was beibringen kann. Christa Schmidt und ihr Lebensgefährte Lothar Schmitt haben sich schnell mit Naomi (vier Jahre) und Noel (zwei) angefreundet. Christa Schmidt stammt selbst aus einer großen Familie, hat aber keine eigenen Kinder oder Enkel und ist darum froh um den Kontakt mit den Kleinen. »Ich hab Freude dran und die Kinder auch. Es hat gleich gepasst zwischen uns und ich hoffe, dass das auch lange so bleibt«, betont sie.

Dass man durch das ehrenamtliche Engagement nicht in der eigenen Freiheit eingeschränkt wird, zeigt das aktive Seniorenpaar. Die beiden haben von Anfang an klar gemacht, dass sie gerne in Urlaub fahren und auch mal länger weg sind. In diesem Winter waren sie drei Monate verreist und freuten sich danach, die junge Familie wieder zu sehen.

Ansprechpartnerin Lydia Hogger hebt auch hervor, dass dies ein wichtiger Grundsatz sei: Die Senioren sollten keine Gewohnheiten aufgeben oder sich einengen lassen, es sei schließlich ein freiwilliges Engagement. »Es soll eine persönliche Bereicherung für alle sein und keine Belastung«, so Lydia Hogger, »wenn die Familie rechtzeitig vor dem Urlaub Bescheid weiß, kann sie sich ja drauf einstellen.«

Ein besonderer Fall ist Rentner Udo Schmidt. Er hat von Anfang an deutlich gemacht, dass er nicht so gerne in eine Familie mit ganz kleinen Kindern wolle. Er sieht sich eher als »Opa für besondere Fälle«. Durch Vermittlung von Dr. Uwe Wenzel vom Mehrgenerationenhaus kam er in eine ungarische Familie, wo er regelmäßig mit der neunjährigen Tochter Deutsch lesen, schreiben und sprechen übt. Für das Mädchen ist der Kontakt sehr wichtig, da es sonst in der Schule Probleme hat und sich auch schwer tut, Freunde zu finden. »Ich war schon früher ehrenamtlich tätig und es ist ein schönes Gefühl, wenn ich hier helfen kann«, freut er sich. Eventuell bekommt er demnächst noch ein zweites Kind mit Migrationshintergrund dazu. Schmidt ist außerdem Mitglied der Projektgruppe Oma-Opa-Vermittlung, die das Ganze ins Leben gerufen hat und weiterhin betreut. Demnächst werden die Mitglieder in den Kindergärten versuchen, Familien und Großeltern anzuwerben.

Grundgedanke ist die gegenseitige Unterstützung

Der Grundgedanke ist laut Lydia Hogger die Zusammenführung der Generationen. Familien, die keine Großeltern in der Nähe haben, und aktive ältere Leute, die gerne mit jungen Leuten Kontakt haben, können sich gegenseitig unterstützen. Wichtig ist Lydia Hogger aber, dass die Vermittlung kein Ersatz für Tagesmütter, Kita oder Babysitter sein soll. Die bisherigen Erfolge zeigen, dass es eine Bereicherung für alle Beteiligten sein kann. Die Omas und Opas sind auch nicht allein gelassen, sondern treffen sich einmal im Monat mit Diplom-Psychologin Lydia Hogger, die sie menschlich und fachlich unterstützt.

Wer das Angebot in Anspruch nehmen will, kann den Kontakt telefonisch herstellen unter 08669/9098156 (jeden Montag von 15 bis 16 Uhr). Interessierte können sich auch jederzeit im Mehrgenerationenhaus in Traunreut melden. mix