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Olympia-Bewerbung 2022 eine »einmalige Chance«

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Die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2022 sollen in den Chiemgau kommen. Der Kreistag sprach sich gestern einstimmig für einen Bürgerentscheid am Sonntag, 10. November, aus. Die Kreisräte befürworteten zudem mit Mehrheit die Bewerbung an sich.

Traunstein. Vor ungewohnt großer Zuschauerkulisse hat der Traunsteiner Kreistag gestern über eine Bewerbung des Chiemgaus zusammen mit dem Berchtesgadener Land, München und Garmisch für die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2022 diskutiert. Das Ergebnis: Der Kreistag sprach sich einstimmig für einen Bürgerentscheid am Sonntag, 10. November, aus, bei dem die Bevölkerung ihre Meinung kundtun soll. Die Kreisräte befürworteten außerdem mit Mehrheit die Bewerbung an sich; 13 Kreisräte stimmten dagegen.


Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) habe laut Landrat Hermann Steinmaßl nach der gescheiterten Olympia-Bewerbung für 2018 erneut die Möglichkeit einer Bewerbung untersucht. Seit Mai gäbe es Gespräche mit dem Landkreis Traunstein sowie den Gemeinden Ruhpolding, Inzell, Reit im Winkl und Siegsdorf. Ein entscheidender Faktor für eine Beteiligung des Landkreises Traunstein sei »natürlich die Frage der Bewerbungskosten«.

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Bewerbungskosten für Landkreis bei 395 000 Euro

Inklusive einer fünfprozentigen Risikoreserve und Inflationsausgleich bezifferte Steinmaßl die Bewerbungskosten mit rund 29 Millionen Euro; sie lägen damit zwölf Prozent unter denen der Bewerbung für 2018. Die Stadt München sei bereits an Sponsoren herangetreten und habe auch Bereitschaft signalisiert bekommen – über ein Volumen von derzeit rund zwölf Millionen Euro. Die Unternehmen wollen laut Steinmaßl jedoch den Ausgang der Bürgerentscheide abwarten. Der Anteil des Landkreises Traunstein soll bei etwa 395 000 Euro liegen und, verteilt auf drei Jahre, aus dem Budget von Chiemgau Tourismus kommen.

Vertreter der Arbeitsgemeinschaft München 2022, Stefan Klos, Matthias Schöner und Friedbert Greif, stellten gestern im Kreistag Einzelheiten der Konzeptstudie vor, darunter »temporäre« Sportstätten wie zum Beispiel auf dem Olympiaberg in München oder ein Langlauf-Stadion für 20 000 Zuschauer am Unternberg in Ruhpolding. Die Schneewettbewerbe sollen in Garmisch stattfinden, Biathlon in der Chiemgau-Arena in Ruhpolding, Langlauf in der gleichen Gemeinde in dem temporären Stadion, Freestyle- und Halfpipe sowie der Eissport in München. In der Max-Aicher-Arena in Inzell soll ein Medienzentrum entstehen, dazu am Ortsrand von Inzell ein Olympisches Dorf mit 1700 Betten. Bob, Rennrodeln und Skeleton bleiben in Königssee auf der dortigen Kunsteisbahn.

Auch auf das Verkehrskonzept gingen die Planer ein. Herzstück soll ein effizientes Bus-Shuttle-System zum Beispiel auf der A 8 zwischen München und Salzburg sein. Im Chiemgau soll es für die Dauer der Spiele Zufahrtsbeschränkungen geben – allerdings nicht für Einwohner, Rettungsdienst oder Polizei. Die betreffenden Bahnstrecken gehören »ertüchtigt«, so die Planer. Mit der Umwelt wolle man »sehr vorsichtig umgehen«, kritische Auswirkungen sehr gering zu halten. Die erforderlichen Maßnahmen und Flächennutzungen sollten nachhaltig sein.

Landrat ein »begeisterter Anhänger« der Spiele

Bei den Zimmerkapazitäten habe der Landkreis Traunstein große Vorteile als Tourismusregion. Im Umkreis aller Sportstätten würden bereits rund 70 000 Betten existieren. Die Gesamtkosten lägen bei 1,8 Milliarden Euro.

Der Landrat offenbarte sich gestern als »begeisterter Anhänger« der Spiele, einer »Bewegung des Friedens«, bei der der Mensch im Mittelpunkt stehe, gleich welcher Nation. Faszinierend, weltumfassend, spannend, überraschend – solche Attribute seien für ihn mit Olympia verbunden. »Wir haben die Chance, über 3000 Athleten von uns zu begeistern, zwei Millionen Zuschauer zu empfangen«, so Steinmaßl. Drei Milliarden Menschen in der Welt würden die Spiele anschauen. »Sie werden in Zukunft vielleicht an den Chiemgau denken«, so Steinmaßl. Er favorisiert auch Siegerehrungen am Traunsteiner Stadtplatz.

Das Verkehrskonzept, so der Landrat, setze in erster Linie auf den Öffentlichen Personennahverkehr. Erforderlich seien der behindertengerechte Ausbau des Bahnhofs Traunstein, die Stärkung der Zubringerlinien, die Anbindung der Region an den Flughafen München über die Magistrale München-Mühldorf-Freilassing, die Walpertskirchener Spange und die Traun-Alz-Achse. Für die schwierige Straßensituation in Eisenärzt könne man vielleicht eine realistische Möglichkeit finden.

Das Thema Olympia könnte den Ausbau der A 8 beschleunigen: »Die Spiele könnten uns helfen, anstehende Investitionen schneller zu bekommen. Bundes- und Landesprojekte sind immer eine Frage der Priorisierung«, so Steinmaßl. Er hob den Imagegewinn für die Region, den »Schub für die Wirtschaft« heraus mit Auswirkung auf Arbeitsplätze. Die Bewerbung unterstützten zahlreiche Verbände und Organisationen – vom Sport bis zum VdK.

»Die Spiele in München mit seinen Partnerregionen bieten die einmalige Chance, dass ein neuer Maßstab an Nachhaltigkeit gesetzt wird«, betonte der Landrat. »Heute im Kreistag treffen wir keine Entscheidung. Wir legen die Entscheidung in die Hände der Bürger. Gehen Sie zur Wahl«, schloss Steinmaßl. kd

Blattl Sonntag Traunstein