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Olympia fällt bei den Bürgern durch

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Als die ersten Ergebnisse im Wahlstudio im Traunsteiner Landratsamt eintrudelten, war schnell klar: Die Mehrheit der Bürger möchte keine Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2022 in der Region. Traunsteins Landrat Hermann Steinmaßl zeigte sich tief enttäuscht. »Wir hatten sehr wenig Zeit, alles vorzubereiten«, sagte er. »Das ist sehr schade. Unser Wintermärchen ist hier zu Ende.« Man müsse nun in Ruhe das Ganze aufarbeiten, betonte er im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. »In Oslo werden schon die Sektkorken knallen, die wissen genau, wir waren die größten Gegner.«


Hohe Wahlbeteiligung: »Klare Tendenz«

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Die Olympia-Gegner freuten sich gestern im Landratsamt eher im Stillen. Sepp Hohlweger, Sprecher des Grünen-Kreisvorstandes, zeigte sich erleichtert: »Die Bürger haben entschieden.« Trotzdem wollte er nicht »von einem Sieg« sprechen. »Ich denke, wir müssen daraus lernen und sehen, wie wir den Landkreis ohne Megaevent voranbringen. Wir müssen auf den Bürger hören.«

Enttäuscht über den Ausgang des Bürgerentscheids zeigte sich auch Christian Hümmer, Sprecher der Initiative »OlympiJa«. »Ich halte es aber nach wie vor für richtig, den Bürgerentscheid gemacht zu haben.« Nun habe der Bürger entschieden, betonte er. »Olympia wird nun nicht gegen den Willen des Bürgers gemacht.« Dennoch zeigte sich Hümmer überzeugt davon, »dass Olympia mehr Chancen als Risiken für den Landkreis gebracht hätte«.

Kreisrätin Waltraud Wiesholer-Niederlöhner war erfreut darüber, »dass die Wahlbeteiligung so hoch war, damit haben wir nun ein eindeutiges Ergebnis«. Kreisrat Andreas Hallweger, der auch Mitglied der Lenkungsgruppe der Initiative »OlympiJa« ist, sprach ebenfalls von einer »klaren Tendenz«. Die Bürger seien bewusst zur Wahl gegangen und haben bewusst »Nein« gesagt.

Eines der wenigen positiven Ergebnisse im Landkreis Traunstein kam gestern aus Ruhpolding – bei den Spielen 2022 hätten dort die Biathlon- und Langlaufwettbewerbe stattfinden sollen. Hier stimmten 56,83 der Bürger mit »Ja«, 43,17 sprachen sich dagegen aus. Die Wahlbeteiligung lag hier bei 58,32 Prozent. »Darüber freue ich mich«, sagte Ruhpoldings Bürgermeister Claus Pichler. Er zeigte sich als fairer Verlierer: »Für die Befürworter ist das Ergebnis nicht ermutigend, aber wenn man sich in den sportlichen Wettbewerb begibt, muss man auch Niederlagen akzeptieren.« Neben Ruhpolding waren nur noch die Bürger in Pittenhart (53,10 Prozent Ja-Stimmen) und Engelsberg (52,75 Prozent Ja-Stimmen) für eine Bewerbung.

Anders sah das Ergebnis schon wieder in Inzell aus – hier wäre bei den Spielen ein Medienzentrum geplant gewesen. Hier stimmten 68,68 Prozent der Bürger mit »Nein«, lediglich 31,32 Prozent waren dafür. Die Wahlbeteiligung in Inzell war mit 60,68 Prozent die höchste im Landkreis. Pichlers Amtskollege Martin Hobmaier war dementsprechend enttäuscht: »Ja, es ist ein klare Aussage der Bevölkerung, speziell auch bei uns.« Von daher, fuhr er fort, brauche man nicht nachtarocken, betonte er.

Auch Robert Aigner vom Kreisverband Traunstein des Deutschen Gewerbeverbands war angesichts der Deutlichkeit des Ergebnisses enttäuscht. »Wir haben versucht zu vermitteln, dass es für die Wirtschaft gut ist.« Aber Bürgerentscheid sei Bürgerentscheid, »und das ist zu akzeptieren«.

Langläufer Tobias Angerer sah es ähnlich. »Ich bin momentan aber schon enttäuscht. Ich habe die letzten Wochen viel Herzblut reingesteckt. Aber Olympia hat wohl – auch wegen Sotschi – zurzeit nicht das beste Image.«

Tristesse herrschte auch im Berchtesgadener Landratsamt in Bad Reichenhall. Landrat Georg Grabner betonte: »Natürlich bin ich enttäuscht, aber es ist jetzt, wie es ist. Es werden auf alle Fälle 2022 Olympische Spiele an einem Ort stattfinden, wo nicht über 80 Prozent aller Sportstätten schon vorhanden sind.« Den Gegnern sei es offensichtlich gelungen, mit ihren Argumenten wie Umweltzerstörung und Schuldenberge zu mobilisieren, sagte er. »Uns ist es im Gegensatz dazu nicht gelungen, die Befürworter ausreichend zu mobilisieren.« Die Wahlbeteiligung von rund 40 Prozent sei sehr beachtlich, fuhr er fort. »Eines kann ich jetzt schon sagen, in absehbarer Zeit wird sich das Berchtesgadener Land nicht mehr für die Olympischen Spiele bewerben.«

»Gute Nacht Bayern, Gute Nacht Berchtesgadener Land«

Bernhard Zimmer, der Grünen-Chef im Landkreis Berchtesgadener Land, zeigte sich vom Ergebnis doch ein wenig überrascht: »Dass alle vier Ratsbegehren für die Befürworter verloren gehen, war nicht zu erwarten, dass wir von ,NOlympia' alle vier Bürgerentscheide gewinnen, war auch nicht zu erwarten.«

Nur in einer Gemeinde im Landkreis Berchtesgadener Land sprachen sich die Bürger für eine Olympia-Bewerbung aus – und zwar in Schönau am Königssee, dort sollten Wettkämpfe in Bob, Rennrodeln und Skeleton ausgetragen werden. »Alles andere wäre ja auch blamabel für Schönau und blamabel für mich gewesen«, sagte Schönaus Bürgermeister Stefan Kurz. »Das Ergebnis ist für mich natürlich sehr enttäuschend, ich sage nur ,Gute Nacht Bayern, Gute Nacht Berchtesgadener Land'«, betonte Kurz weiter. »Der Bürger will anscheinend überhaupt keine Veränderung mehr, die Olympischen Spiele bei uns in Schönau wären ein etwas größere Weltmeisterschaft gewesen, nicht einmal das will der Bürger. Also schlafen wir weiter.« san/SB/hud

 

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