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Olympia 2022: Pro und Contra

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Die Konzeptstudie für eine mögliche Bewerbung um die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2022 sorgte für Diskussionsstoff in der gestrigen Kreistagssitzung.


»Wir sind für die Bewerbung, weil wir die historische Chance nutzen wollen«, sagte Karl Kaditzky (CSU). Die Argumente von Befürwortern und Gegnern zählte Waltraud Wiesholer-Niederlöhner (SPD) auf und sprach von der Hoffnung, die Interessenskonflikte zu überwinden. Ihre Fraktion habe sich sehr kritisch mit dem Thema auseinandergesetzt. Die Kosten seien wohl im Rahmen, »hoffentlich auch für den Landkreis Traunstein«.

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Vor der »rosaroten Brille« warnte Sepp Hohlweger von Bündnis 90/Die Grünen. Er verwies auf ein Defizit von 350 000 bis 400 000 Euro aus dem diesjährigen Biathlon-Weltcup für die Gemeinde Ruhpolding. Vom nicht anwesenden Ruhpoldinger Bürgermeister Claus Pichler beauftragt, erklärte Josef Konhäuser (SPD), die Spiele würden einen vielfältigen Mehr-Wert für den Chiemgau schaffen. Das Biathlon-Stadion müsse irgendwann modernisiert werden: »Mit Olympia 2022 wäre die Finanzierung gesichert.«

Dr. Peter Ramsauer, CSU-Kreisrat und Bundesverkehrsminister, unterstrich, der Bund werde die Bewerbung – wie für 2018 – unterstützen. Bei der Verkehrserschließung wolle er auf die Fernverbindungen hinweisen. Die A 8 habe »Olympia-Relevanz«. In der Bewerbungsfrage sei man umso stärker, je einiger man sich zeige. Ähnlich äußerte sich Klaus Steiner, CSU-Kreisrat und Landtagsabgeordneter. Bedenken müsse man ernst nehmen. Die Region könne jedoch nur gewinnen durch Olympia.

Hans Schupfner von der Bayernpartei übte Kritik am Internationalen Olympischen Comitee (IOC), das Knebelverträge vorschreibe: »Gewinne werden privatisiert, Defizite der Allgemeinheit aufgebürdet.« Steigende Mieten, steigende Grundstückspreise seien weitere Folgen. Nachdenklich mache, dass sich Graubünden – die Schweiz sei Sitz des IOC – gegen Olympische Spiele ausgesprochen habe.

Kauer (ÖDP): »Viele Fragen sind offen«

Helmut Kauer (ÖDP) fand »zum Schämen«, dass Olympia Vorwand sein müsse, um barrierefreie Verhältnisse zu schaffen. Das IOC trage »seine Gewinne steuerfrei« raus. Nicht berücksichtigt seien die Kosten für »Sicherheit« mit bis zu einer Million Euro. Den Bürgern werde in dem Konzept mit angeblich »grünen Spielen« die Unwahrheit gesagt. »Wo sollen die Gäste untergebracht werden? Im Konzept ist die Rede nur von Unterkünften für Athleten und Offiziellen. Oder wo soll das Wasser herkommen für Beschneiungsanlagen?« Viele Fragen seien offen, so Kauer.

Die Verwendung der IOC-Gelder erläuterte Heike Marie Bock vom DOSB. Acht bis zehn Prozent der Einnahmen verblieben dem IOC selbst. Diese würden aber vorwiegend in sportliche Aufgaben investiert.

Die Gegner hätten relativ wenig an dem »guten Konzept« als solches auszusetzen, konstatierte Franz Parzinger (CSU): »Sehen wir nicht nur die Probleme. Sie sind zu beherrschen.« Dr. Lothar Seissiger unterstrich, die FW/UW-Fraktion stehe hinter dem Bürgerentscheid. Willi Geistanger (Bündnis 90/Die Grünen) mahnte an, der Landkreis habe hohe Schulden und könne sich Olympia »nicht leisten«.

Für den Bürgerentscheid und für »grüne Spiele« engagierte sich Walburga Mörtl-Körner (Bündnis 90/Die Grünen). Finanziell seien Winterspiele »immer ein Desaster«. Das Defizitrisiko für den Landkreis sei »der größte Haken«: »Dieses Risiko besteht. Das muss man der Bevölkerung sagen.«

Die zustimmende Haltung der Wirtschaft zu den Spielen überbrachte Kreisrat Robert Aigner (CSU). Der Inzeller Bürgermeister Martin Hobmaier (CSU) sagte, aus dem Medienzentrum in der Max-Aicher-Arena in Inzell würden Journalisten aus aller Welt über die Spiele berichten. kd