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»Offenbar eine Marktlücke gefunden«

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Roswitha Gruber (rechts) las in ihrer Heimat Reit im Winkl aus ihrem neuen Roman »Die Kinder der Dienstmagd«. Dabei erzählte sie dem Publikum auch von neuen Projekten und Büchern. Mit einer ihrer Zuhörerinnen, der 100-jährigen Hilde Stumbeck, wird sie sich demnächst zu einem Gespräch treffen, wie sie verriet. (Foto: Ostermaier)

Reit im Winkl. »Die Kinder der Dienstmagd« – so heißt das neueste Buch der Reit im Winklerin Roswitha Gruber, die auf Einladung der Gemeindebücherei im Rathaus einige Kapitel daraus vortrug. Das Interesse des Publikums war groß, da die Autorin in ihrem jüngsten Werk die Familiengeschichte von Maria und Margot Hellwig beschreibt und viele lokale Ereignisse eingearbeitet hat.


Nach ihrer eineinhalbstündigen Lesung, etlichen Rückfragen und Gesprächen mit den Gästen zeigte sich die Schriftstellerin »sehr angetan« von der Resonanz.

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Roswitha Gruber (75) ist gelernte Pädagogin und unterrichtete 37 Jahre lang an einer Grund- und Hauptschule. Auch wenn sie, wie sie sagt, schon fast das ganze Leben lang schreibe, veröffentlichte sie ihr erstes Buch erst im Jahre 1990. 24 Romane und Sachbücher hat sie bislang verfasst, viele davon sind Verkaufserfolge. »Mein Rosenheimer Verlag hat mit diesen Themen offenbar eine Marktlücke gefunden«, versucht sie, diesen bundesweiten Erfolg zu erklären. Vergangenes Jahr war sie sogar auf der Frankfurter Buchmesse zu einer Autorenlesung geladen.

Roswitha Gruber, die mit ihrem Ehemann seit 15 Jahren im Reit im Winkler Ortsteil Oberbichl lebt, widmet sich in ihren Romanen mit Vorliebe »starken Frauen«, Hebammen beispielsweise oder Bäuerinnen. »In jedem Jahr versuche ich, zwei Bücher zu veröffentlichen«, sagt die nimmermüde Literatin. An passendem Stoff dazu mangelt es ihr offenbar nicht. »Mittlerweile kommen die Leute auf mich zu, erzählen mir ihre Geschichte oder bringen gleich ein Manuskript vorbei«, erzählt sie.

So wie bei ihrem neuesten Buch: »Die Kinder der Dienstmagd«. Dabei hatte ihr eine betagte Reit im Winklerin, Johanna Mühlberger, die »Aubauer Hanni«, über die Vorfahren der Volksmusikstars Maria und Margot Hellwig erzählt. Ein prädestiniertes Thema für ein Buch.

Wenngleich sich Roswitha Gruber nicht allein auf persönliche Schilderungen verlässt, sondern bei ihren Recherchen auch Archive und Büchereien bemüht, erhebt sie keinen Anspruch auf detailgetreue Richtigkeit der beschriebenen Familiengeschichten. »Solche authentischen Biografien würde man nicht lesen. In meinen Büchern sprechen die Personen auch, was geschichtlich freilich nicht verbürgt sein kann«, so die Autorin.

Und doch finden sich in ihrem neuesten Buch tatsächliche Begebenheiten im Ort, die sie bei ihrer Lesung vortrug; beispielsweise der Unfall am Masererpass 1922, bei dem vier Reit im Winkler ums Leben kamen, oder der Tod des erst 22-jährigen Wilderers Thomas Schlechter.

Im Februar will Roswitha Gruber ihr nächstes Buch herausbringen. »Die Leute vom Einödhof« soll es heißen. Und auch für weitere Projekte gibt es offenbar schon Anregungen und Ideen: Denn im Kreise der Zuhörer saß auch Hilde Stumbeck. »Mit ihr werde ich mich in den nächsten Tagen zu einem Gespräch über Begebenheiten in ihrem Leben treffen. Vielleicht ja die Grundlage für ein neues Buch«, freut sich Roswitha Gruber. Für dieses Gespräch wird sich die 75-Jährige aber etwas Zeit nehmen müssen. Hilde Stumbecks Lebensgeschichte ist lang – genau 100 Jahre alt. ost