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Oderberger Werkstätten wurden eingeweiht

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Die Oderberger Werkstätten der Chiemgau-Lebenshilfe-Werkstätten wurden gestern feierlich eingeweiht. Zahlreiche Gäste und Ehrengäste nahmen an dem Festakt teil. (Foto: Rasch)

Traunreut – Die Chiemgau-Lebenshilfe-Werkstätten GmbH (CLW) setzt mit einem innovativen Neubau im Oderberger Gewerbegebiet einen wichtigen Akzent im Landkreis Traunstein. Der neue Produktionsstandort verbessert nicht nur das Arbeitsumfeld für Menschen mit und ohne Behinderung, sondern positioniert sich als Unternehmen auch als starker Partner der Industrie. Am gestrigen Donnerstag wurden die Oderberger Werkstätten feierlich eingeweiht.


Der Neubau auf dem 5500 Quadratmeter großen Grundstück ersetzt eine bisher angemietete Holzwerkstatt in Höhenstetten in der Gemeinde Palling und ein weiteres Mietobjekt in der Porschestraße in Traunreut. In die neue Adresse an der Heinrich-Hertz-Straße ist nicht nur der Zweig Holzverarbeitung ausgelagert, auch verschiedene andere Bereiche wie Montage und Metallverarbeitung finden darin Platz. Außerdem wurde eine Küche eingebaut, von der aus auch alle anderen CLW-Einrichtungen versorgt werden.

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Helles und freundliches Arbeitsumfeld

Um dem Rehabilitationsauftrag für Menschen mit Behinderung gerecht zu werden, berücksichtigt der Neubau alle Aspekte der modernen Arbeitsphysiologie und schafft ein innenarchitektonisch durchdachtes, helles wie auch freundliches Arbeitsumfeld. Innen wie außen erzeugt ein innovatives Farbkonzept in allen Bereichen eine angenehme Atmosphäre. Eine Wohlfühlatmosphäre erzeugen auch der Sozialbereich und die an die Zentralküche angeschlossene Kantine. Dem Geschäftsführer Dr. Jens Maceicyk war es ein großes Anliegen, die Mitarbeiter und die Menschen mit Behinderung in die Planung mit einzubinden. Sie hatten alle die Möglichkeit, ihre künftigen Arbeitsplätze und die Prozesse im Unternehmen aktiv mitzugestalten.

Der Neubau hat eine Nutzfläche von rund 3500 Quadratmetern. Die Oderberger Werkstätten bestehen aus drei Hallenschiffen und einem zweistöckigen Sozial-/Verwaltungsgebäude mit zentraler Versorgerküche für die anderen Einrichtungen der CLW. Der Neubau ist barrierefrei konzipiert und so großzügig angelegt, dass auch Rolli-Fahrer in den Werkstätten beschäftigt werden können. Zudem stellt die CLW neben dem Verpackungsbereich ein komplettes Hallenschiff der neuen Metallwerkstatt zur Verfügung.

Vor 15 Monaten wurde der Spatenstich für das rund acht Millionen-Euro-Projekt gesetzt. »Ich bin stolz darauf, was in den 15 Monaten gewachsen ist«, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende der CLW, Josef Schärtl. Das dreigliedrige Gebäude biete beste Voraussetzungen für rund 120 Menschen mit Behinderung und deren Betreuern, die dort arbeiten. Allen am Bau Beteiligten zollte er hohen Respekt und Anerkennung.

Als einen »freudigen Augenblick für uns alle« bezeichnete Landrat Siegfried Walch die gestrige Feierstunde. Dass der Landkreis Traunstein eine der stärksten Wirtschaftsregionen in ganz Deutschland sei, hänge aber nicht von den Faktoren eines Arbeitsplatzes ab. Sondern wie die Gesellschaft mit der Tatsache umgehe, Menschen zu integrieren, die sich mit ihrer eigenen Geschwindigkeit einbringen und gleichzeitig Leistungen für eine Produktionssteigerung bringen können, betonte Walch.

»Viele Aufträge und Umsätze für eine lange erfolgreiche Zukunft«, wünschte Klaus Ritter der CLW. Als Traunreuter Bürgermeister und als Privatmensch lägen ihm die sozialen Einrichtungen in der Stadt sehr am Herzen, sagte Ritter. Zum Neubau stellte er fest, dass sich das Gebäude sehr gut in das Umfeld der Gewerbebetriebe einfüge.

Dauerhafter Standort für die Zukunft

Den Grußworten schlossen sich auch die Werkstatträtin Petra Parzinger und die Vorsitzende des Angehörigen- und Betreuerbeirats, Anna-Katharina Günther an. »Ich wünsche allen Beschäftigten, dass sie sich bald wohlfühlen«, sagte Günther. Die Werkstatträtin meinte, dass sie auf die bisherige Einrichtung in Höhenstätten mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurückblicke. »Es hat mir dort sehr gut gefallen. Aber jetzt werde ich in neuen Räumen mit neuen Kollegen arbeiten«, so Parzinger.

Einen dauerhaften Standort für die Zukunft zu sichern, sei das Ziel des Neubaus gewesen, erklärte Geschäftsführer Dr. Jens Maceicyk. Er erinnerte an die vielen Gespräche, die im Vorfeld geführt worden seien, um auch als Förderprojekt durch das Bayerische Sozialministerium eine Genehmigung zu erhalten. Lob zollte er an die Landkreis- und Stadtbehörde für die schnelle Genehmigung. Die meisten der rund 40 Gewerke konnten seinen Aussagen nach an Firmen in der Region vergeben werden. Zu den Kosten teilte er mit, dass das geplante Budget von 8,2 Millionen Euro »mit dem heutigen Tag« nicht überschritten worden sei. Die ersten 80 Beschäftigten werden am kommenden Montag ihre Arbeit in der neuen Werkstätte aufnehmen.

Die CLW wird sich aber auf dem bisher Erreichten nicht ausruhen. In unmittelbarer Nachbarschaft entsteht ein sogenannter Integrationsbetrieb. Baubeginn ist bereits nächste Woche. In dieser Einrichtung werden Menschen mit Behinderung Arbeit finden, die zu stark für die Oderberger Werkstätten seien, sagte Maceicyk.

Bevor die neuen Räume gesegnet wurden, erinnerte Landtagspräsident a.D. Alois Glück in einer Festrede mit dem Titel »Behindert, früher versteckt – jetzt Mitglied der Gesellschaft« an die Entwicklung der Behindertenarbeit. Nicht nur die Wirtschaft habe eine außergewöhnliche Entwicklung erfahren, sondern im großen Bereich auch der humanitäre Fortschritt, sagte Glück. Noch vor 50 Jahren hätten Menschen mit Behinderung als »Schande« und als »Strafe Gottes« gegolten. Die systematische Entwicklung sei in seinen Augen Anfang der 1970er Jahre durch einen Landesbehindertenplan angeschoben worden. Mit viel Pioniergeist sei daran anknüpfend auch die Lebenshilfe als Elterninitiative auf den Weg gebracht worden.

Umrahmt wurde der Festakt von der Band »Crazy Boys« – Menschen mit Behinderung, die bei der CLW beschäftigt sind. Den kirchlichen Segen spendete Pastoralreferentin Dr. Melanie Lücking. ga