weather-image
32°

Obermeister ist zufrieden mit dem zurückliegenden Bau-Jahr

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Wechsel an der Spitze der Bau-Innung: Bernhard Fuchs übernimmt kommissarisch das Ehrenamt als Obermeister der Handwerkervereinigung. (Foto: Wittenzellner)

Siegsdorf – Dem Baugewerbe geht es verhalten gut. Gleichzeitig kämpfen die Firmen nach wie vor mit einem schwierigen Margendruck. Das machte der Obermeister der Bau-Innung Traunstein/Berchtesgadener Land, Ernst Mayer, bei der Jahreshauptversammlung in Maria Eck deutlich. Parallel dazu wurde auch die Hauptversammlung des Berufsförderungswerks des Baugewerbes durchgeführt, in dem viele Fördermaßnahmen für das heimische Bauhandwerk gebündelt sind.


Der Obermeister war zufrieden mit dem zurückliegenden Bau-Jahr – auch wenn nicht alles nach Wunsch gelaufen sei. So mancher geplatzte oder verschobene Auftrag sei zu verkraften gewesen. Gründe hierfür seien oft auch nicht zustande gekommene Finanzierungen oder fehlende oder verzögerte Baugenehmigungen gewesen. Aber auch der Konkurrenzdruck bei den größeren Baustellen sei nicht einfach. Würden hier doch gerade auch österreichische Firmen auf den Markt drängen.

Anzeige

Und auch die Margen im Baugewerbe seien unbefriedigend, so Mayer: »Der Baupreis erholt sich nicht. Man muss mit einer Null kalkulieren, sonst bekommt man die Aufträge nicht.« »Zugpferd war und ist der Wohnungsbau, der Wirtschafts- und öffentliche Bau ist hingegen verhalten«, betonte der Obermeister.

Die Anzahl der Beschäftigten und der Betriebe in Bayern sei leicht zurückgegangen. »Hier ist das Nachwuchsproblem der Hauptgrund«, analysierte der Obermeister. Auch der baugewerbliche Umsatz – er liegt im zweistelligen Milliardenbereich – sei leicht zurückgegangen.

Über Themen wie lange Genehmigungsdauer, Bauen im Außenbereich oder ähnliche baurelevante Themen, die für die Bauherren, aber auch die ausführenden Firmen oft zum Ärgernis werden, stand man im Dialog mit dem Traunsteiner Landrat Siegfried Walch.

Freisprechung als Höhepunkt des Innungslebens

Höhepunkt des Innungslebens war die Freisprechungsfeier im vergangenen September, die zugleich für viele junge Auszubildende der Start ins Gesellenleben ist. Man wolle im laufenden Jahr wieder stärker nach außen treten, um zu zeigen, dass man im Bau ein kompetenter Partner sei. Das versuche man auch mit aktuellen Bauvorträgen mit Fachspezialisten zu untermauern. Man wolle verstärkt in die Mitgliedswerbung gehen; 87 Mitglieder hatte die Innung zum Jahresende.

Lehrlingswart Herbert Strauch ging auf die vergangene Gesellenprüfung ein und verwies nochmals auf die insgesamt doch recht erfolgreiche Bilanz. Der Lehrlingsbestand liegt aktuell im ersten Lehrjahr bei 74 jungen Auszubildenden, im zweiten Lehrjahr bei 59 und im dritten Lehrjahr bei 73; 53 von ihnen erlernen den Beruf des Maurers.

Prüfungsausschussvorsitzender Peter Schubert ging auf die vergangene Prüfung ein, die eine Erfolgsquote von rund 95 Prozent erbrachte. Für die neuen Auszubildenden aus Innungsbetrieben habe es bei einer Auftaktveranstaltung eine Werkzeugkiste als Geschenk gegeben, die sie mit großer Begeisterung in Empfang genommen hätten. »Im Prüfungsausschuss haben wir eine wunderbare Zusammenarbeit«, lobte er die Arbeit rund um die Prüfung. Deshalb habe man auch nach ersten Gesprächen keine verstärkte Zusammenarbeit mit der Innung Rosenheim vorgesehen.

Kassenwart Hans-Peter Kaindl legte die Jahresrechnung 2015 vor, die die komfortable finanzielle Ausstattung der Innung, aber auch ein kaufmännisch vorsorgendes Wirtschaften zeigte. Mitgliedsfirmen kamen in den Genuss von Förderungen von rund 66 000 Euro – für Werkzeugkisten und ähnliches. »Wir stehen gut da«, ergänzte der Obermeister. Nach dem Votum der Rechnungsprüfer Ferdinand Brandl, Thomas Maier und dem vortragenden Robert Sax entlasteten die anwesenden Mitglieder Kassier und Vorstandschaft ohne Gegenstimme.

Der Haushaltsplan des laufenden Jahres wurde ebenfalls einstimmig auf den Weg gebracht. Längere Diskussionen gab es in der Versammlung um eine dauerhaft sichere Anlage der Rücklagen von Innung und Berufsförderungswerk.

Über aktuelle Themen der Bauwirtschaft referierte Thomas Schmid, Geschäftsführer der oberbayerischen Geschäftsstelle des Landesverbands Bayerischer Bauinnungen.

Obermeister Mayer legt Ehrenamt nieder

Etwas überraschend erklärte Obermeister Ernst Mayer zum Ende der rund dreistündigen Versammlung seinen Rücktritt. Mayer hatte bereits bei der Vorstandswahl im Jahr 2014 bekannt gegeben, den Vorsitz der Innung nur noch für drei weitere Jahre zu übernehmen. Er sei aber im Rahmen eines Generationenwechsels in der eigenen Firma Mayer Hoch- und Tiefbau in Ruhpolding auf eigenem Wunsch hin als Gesellschafter ausgeschieden; die Nachfolge sei im Familienkreis seines Mitgesellschafters sichergestellt. Da er nun nicht mehr an einer Baugesellschaft beteiligt ist, ist er gemäß der Satzung der Innung nicht mehr berechtigt, das Ehrenamt weiter auszuüben.

Mayer legte unter lang anhaltendem Applaus der mit seiner Arbeit sehr zufriedenen Mitarbeiter mit sofortiger Wirkung sein Amt nieder. Bis zu den Neuwahlen im Jahr 2017 wird sein bisheriger Obermeister-Stellvertreter Bernhard Fuchs das Amt kommissarisch weiterführen. awi