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Oase für die Natur und eine Bauernfamilie

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Die ganze Familie hilft beim Rechen zusammen. Im Vordergrund (von links) Hoferbin Gabi Staller und ihre Mutter Gabi Aschauer, im Hintergrund (von links) Hias Bauer und Stallers Lebensgefährte Bernhard Maier. (Foto: Mergenthal)

Teisendorf – Ein Musterbeispiel für eine geglückte Kooperation zwischen einer Bauernfamilie, einer Biologin und dem Landratsamt ist das neue Biodiversitätsprojekt »Rohrmoos bei Teisenberg«. Alles ging recht zügig, seit die Miesbacher Diplombiologin Bärbel Krogoll im Sommer Gabi Aschauer und ihre Familie in ihrem privaten »Naherholungsgebiet«, einer Naturidylle mit Weiher in der Nähe ihres Hofes in dem Weiler Teisenberg, überraschte.


Auf Krogolls Anregung war die Landwirtsfamilie sofort begeistert davon, bei einem neuen Pflegekonzept für das Hangquellmoor mitzumachen. Nun wurde nach der herbstlichen Streuwiesenmahd erstmals seit zehn Jahren das Mähgut wieder abtransportiert. So soll sich auf der 0,2 Hektar umfassenden Pflegefläche wieder eine große Vielfalt lichtliebender Pflanzenarten entwickeln.

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»Schwiegervater hat das noch mit der Hand gemäht«

»Mein Schwiegervater hat das noch mit der Hand gemäht«, erzählt Gabi Aschauer, während zwei ihrer sieben »tiernarrischen« Enkel in Gummistiefeln auf der sumpfigen Wiese spielen. Ihr Gewand muss danach sicher in die Waschmaschine. Hier lernen Markus (9) und Annika (8) mehr als in jedem Biologieunterricht. Behutsam fangen sie junge und ausgewachsene Frösche in unterschiedlichsten Farbzeichnungen, nehmen sie ohne Scheu auf ihre Hände und lassen sie wieder frei. Markus, Sohn von Hoferbin Gabi Staller, züchtet auch mit Leidenschaft Tiere. Er hat zwei Schafe, Zwerghühner und Kälber.

Seit 30 Jahren mähen Gabi Aschauer und ihr Mann Josef das Areal jeden Herbst mit einem Motormäher. Im letzten Jahrzehnt wurde das Mähgut jedoch auf der Fläche belassen, da es als Einstreu im Stall nicht mehr nötig war. »Es ist eine Düngesituation entstanden, und die Vegetation hat sich verändert«, so die Bäuerin. Schilf und Wasserdost vermehrten sich und verdrängten die anderen Arten. Durch die Förderung im Zuge des Projekts können die Eigentümer den Mehraufwand für das Wegbringen des Mähguts nun finanzieren.

Zur Unterstützung der Aktion wurden Hias Fuchsreiter vom Högl mit seinem handgeführten Motor-Bandrechen und Hias Bauer vom Irlberg mit seinem zwillingsbereiften Fiat-Traktor engagiert. Die ganze Familie half beim Rechen des gemähten Grases zusammen.

In erster Linie geht es um den Artenerhalt

»Es geht in erster Linie um den Artenerhalt«, betont Gabi Aschauer. In der Sumpfwiese wachsen vor allem die typischen, feinen Gräser wie Pfeifengras und Kopfbinsenried, aber auch lichthungrige Blumen wie die Mehlprimel oder Orchideenarten, zum Beispiel das »Traunsteiner Knabenkraut« und der »Sumpfstengelwurz«. Biologin Bärbel Krogoll, die die Arbeiten auch begutachtete, entdeckte nach der Mahd unter anderem auch die Blätter des »Teufelsabbisses«, auf denen sich der Scheckenfalter heimisch fühlt.

Gabi Aschauers Nachbarin Marianne Heß war bereits 1986/87 bei ihrer Biologie-Facharbeit »Anlage eines Herbariums über eine Streuwiese« auf die Blumenvielfalt dieser Wiese aufmerksam geworden: Sie dokumentierte 40 Pflanzen. Je mehr Pflanzenarten es gibt, umso größer ist auch die Vielfalt der Schmetterlinge, darunter auch Bläulinge, der Libellen, Amphibien und Reptilien. Unzählige Frosch- und Krötenarten, der seltene Alpensalamander oder Ringelnattern leben hier.

Ein Hanquellmoor ist laut Krogoll im Gegensatz zum vom Regenwasser gespeisten Hochmoor ein durch kalkreiches, nährstoffarmes Grundwasser gespeistes Niedermoor. Es gibt nur wenige im Umkreis, zum Beispiel in Bicheln bei Ainring, in Thalhausen bei Surberg oder rund um das Breitmoos (das ein Hochmoor ist) bei Inzell.

Biotop gehört zwei Eigentümern

Das Biotop bei Teisenberg ist gesetzlich geschützt und kartiert. Das gesamte Quellmoor ist 0,5 Hektar groß. Dass die Restfläche einem anderen Eigentümer gehört, der die ebenere Fläche leichter pflegen kann, findet Aschauer ganz gut für die Natur: So werde die Fläche kleinteiliger und zu verschiedenen Zeiten bewirtschaftet. »Viele Nischen, viele Arten«, erklärt sie. Künftig könne die Fläche bei positiver Entwicklung ins »Vertragsnaturschutzprogramm« aufgenommen werden.

Gabi Aschauer hofft, dass künftig auch das Mähen wieder leichter wird, was bisher durch die halb verrotteten Reste des Mähguts vom Vorjahr immer behindert wurde. Das gemähte Gras verwendet Fuchsreiter gehäckselt als Einstreu für seine 30 Rinder. Immer mehr Bauern würden wieder einstreuen, vor allem in Hanglagen, wo die Gülle leichter abgespült werde, erklärt er. Der erzeugte »Kompost-Mist« fördere ein besseres Bodenleben und die Artenvielfalt in den Wiesen. Interessierte Eigentümer mit ähnlichen Flächen können sich ans Landratsamt wenden. vm