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Nußdorfer Turnhalle wird nach Stufenplan gebaut

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Die Turnhalle (links, erster Entwurfsplan vom Oktober), die neben dem neuen Nußdorfer Schulhaus entstehen soll, wird nach einem Stufenplan entsprechend den finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde gebaut. Nach Bekanntwerden einer deutlichen Kostensteigerung von einer halben Million Euro stimmte der Gemeinderat für die Erarbeitung einer Stufenlösung. (Foto: Volk))

Nußdorf – Eigentlich wollte der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung die Entwurfsplanung und die Kostenberechnung für den Bau von Grundschule und Turnhalle endgültig freigeben. Wenige Tage vor der Sitzung wurde jedoch bekannt, dass sich die Kosten von bereits genehmigten 5,96 Millionen auf 6,47 Millionen Euro erhöhen werden. Diese Kostensteigerung nahmen die Gemeinderäte nicht hin.


Die Finanzierung mit einer Kreditaufnahme von maximal 4,8 Millionen Euro sei nicht mehr gesichert. »Eine halbe Million Euro Mehrkosten kann sich die Gemeinde nicht leisten«, so Bürgermeister Hans Gnadl. Das Ratsgremium beschloss mit 14:1 Stimmen, am Bau der neuen Grundschule gemäß Entwurfsplan und Kostenberechnung festzuhalten.

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Hangbefestigung und Bodenaustausch sind Gründe

Für die neue Turnhalle wird ein Stufenplan erarbeitet. Er wird vom beauftragten Projektmanagement mit dem Planungsbüro in der Sitzung am 15. Dezember vorgestellt. Ebenso sollen bis dahin Spar-Möglichkeiten aufgezeigt werden. Ziel müsse sein, die 4,8 Millionen Euro Darlehenssumme einzuhalten oder zu unterschreiten.

Verursacht wird die Kostensteigerung vor allem durch unumgängliche Verbauarbeiten im östlichen Grundstücksbereich. An dem Hang besteht ein Höhenunterschied von bis zu acht Meter. Notwendig ist deshalb eine Spritzbetonsicherung (120 000 Euro) und eine Trockenmauer (70 000 Euro), um den Hang abzufangen. Ein ebenfalls erforderlicher Bodenaustausch im westlichen Bereich des Schulgeländes kostet rund 44 000 Euro. Zusammen mit den Zusatzkosten für die Baugrubenerstellung (105 000 Euro) und anteiligen Honoraren (67 000 Euro) ergeben sich Mehrkosten von etwas mehr als 500 000 Euro.

Bürgermeister Gnadl berichtete, dass über die Konsequenzen der »Hiobsbotschaft« am Tag vor der Gemeinderatssitzung im Finanz- und Hauptausschusses beraten wurde. Dabei wurde der Haushaltsplan 2016 und die langfristige Finanzplanung vorbereitet. »Mehr als eine Kreditaufnahme von 4,8 Millionen Euro ist nicht drin – mehr gibt der Haushalt nicht her«, so Gnadl. Mehr mache er auch nicht mit, betonte er, »ich will die Gemeinde nicht in hohe Schulden treiben.«

Nach der Entscheidung des Gemeinderats, anstelle einer sehr teueren Sanierung des alten Schulhauses ein neues zu bauen, lag die Option nahe, nebenan die lang ersehnte Turnhalle zur Nutzung auch für den Sportverein zu bauen. »Das Schulhaus hat erste Priorität, es zu bauen ist unsere Pflichtaufgabe. Alles andere geht nur, wenn wir es uns leisten können«, stellte Gnadl klar.

Dritter Bürgermeister gegen eine »Billiglösung«

Projektmanager Stefan Brüssler zeigte verschiedene Szenarien, wie der Kostenrahmen eingehalten werden könne. Diese beschrieben unter anderem den Bau einer deutlich kleineren Turnhalle als geplant. Dritter Bürgermeister Gerhard Mittermaier sprach sich jedoch gegen eine »Billiglösung« von Turnhalle, zum Beispiel eine Reduzierung auf die Maße einer Standard-Schulturnhalle, aus. »Eine solche zu bauen bedeutet, dass eine neue, große Turnhalle auf Ewigkeit gestorben ist.« Mittermaier schlug vor, das Schulhaus wie geplant zu bauen, die Turnhalle aber vorerst nicht, sondern erst in vier oder fünf Jahren. In dieser Zeit solle die Gemeinde Rücklagen schaffen. »Damit verbauen wir uns nichts, alle Optionen sind offen und die Gemeinde tut sich finanziell leichter.«

Toni Wimmer machte seinem Ärger über die Kostensteigerung Luft. »Es ist überhaupt nicht nachvollziehbar, wie die Mehrkosten von 509 000 Euro entstehen konnten.« Noch im Oktober habe es geheißen, dass 5,96 Millionen Euro reichen. Die Hanglage war bekannt, und »oh, welch eine Überraschung, nun sind Stützmauern, teure Verbaumaßnahmen in Spitzbeton, Trockenmauern notwendig.« Er habe den Eindruck, man habe dem Gemeinderat »mit den alten Zahlen die Zustimmung schmackhaft machen wollen« und jetzt, wo die Sache weit fortgeschritten und kein Rückschritt möglich ist, werde die enorme Kostensteigerung dargelegt.

Projektmanager Brüssler wies den Vorwurf zurück: »Das Planerteam wird niemand hin- oder verführen, damit gebaut wird.« Thomas Baron vom Planungsbüro erläuterte, dass eine Verschiebung beider Gebäude nach Westen, weg vom Hang, nicht machbar und auch nicht ratsam sei, weil ein viel umfangreicherer Bodenaustausch erforderlich wäre, der aber so gering wie möglich sein solle. Zudem würde man jede Erweiterungsmöglichkeit des Schulhauses zunichtemachen. Nur in Richtung Westen sei als Zukunftsoption eine Erweiterung oder ein Anbau möglich.

Gemeinsam schauen, wo gespart werden kann

Franz Purzeller schlug vor, sich Zeit zu lassen, alle Beteiligten an einen Tisch zu holen, gemeinsam zu schauen, wo gespart werden könne und dann erst zu entscheiden. Dem schloss sich Thomas Ober an. Ein Stufenplan bedeute für ihn »zuerst Schule, dann Turnhalle und später Außenanlagen. Einen Schnitt mit Schule ja, Turnhalle nein«, so Ober. Für einen Stufenplan müssten andere Optionen geprüft werden.

Max Eder forderte auf, sich Zeit zu lassen. Im Zuge der Planung könne man am meisten sparen, wenn gebaut wird, gehe das nicht mehr. Zudem sei das alte Schulhaus nicht baufällig, der Umzug müsse nicht zwingend 2017 sein. Hans Stöger sagte, er halte den Vorschlag Brüsslers für »total super«. Das neue Schulhaus und für die Turnhalle die Hülle als ersten großen Teil zu bauen, sei die einzige sinnvolle Lösung.

Mehrheitlich beschloss der Gemeinderat den Bau der Grundschule und beauftragte das Architekturbüro und die Planer, für die Turnhalle einen Stufenplan zu erarbeiten. pv

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