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Nußdorf auf dem Weg zur energieneutralen Gemeinde

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Nußdorf. Eine weitestgehend energieneutrale Gemeinde zu entwickeln, in der ein größtmöglicher Anteil der benötigten Energie aus erneuerbaren Quellen kommt – darauf zielt ein, vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und den Ämtern für Ländliche Entwicklung initiiertes Pilotprojekt ab, an dem die Gemeinde Nußdorf als eine von 100 Gemeinden in Bayern teilnahm und gefördert wurde.


Nach rund zehnmonatiger Projektarbeit der K.Greentech, einem Beratungsunternehmen für Energie und Klima, in Zusammenarbeit mit einem örtlichen Energie-Arbeitskreis aus Bürgern, wurde das Konzept nun öffentlich vorgestellt. Es dokumentiert den aktuellen Ist-Stand und stellt zudem Ausbaupotenziale und konkrete Umsetzungsvorschläge vor.

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Was die Ausgangsposition betrifft, konnte Erich Monhardt, Geschäftsführer der K.Greentech, über erfreuliche Erkenntnisse berichten: Nußdorf erzeugt heute schon 66 Prozent des im Gemeindegebiet benötigen Stroms aus regenerativen Technologien. Darunter fallen vor allem die rund 140 Fotovoltaikanlagen und zwei Wasserkraftanlagen an der Traun. »Im bayernweiten Vergleich ist das ein hervorragender Wert, denn im gesamten Freistaat werden nur 32 Prozent des Strombedarfs aus erneuerbaren Energien gedeckt«, lobte Monhardt.

Gemeinde übertrifft Ziel der Staatsregierung bereits

Das Ziel der Staatsregierung ist es bis 2021 eine Quote von 53 Prozent zu erreichen, ein Wert, den Nußdorf heute schon weit übertrifft. Bis voraussichtlich Mitte des nächsten Jahres wird die vom Landkreis Traunstein auf dem Gelände der ehemaligen Hausmülldeponie bei Litzlwalchen geplante Fotovoltaik-Freiflächenanlage fertiggestellt sein und in Betrieb gehen, wodurch sich das Potenzial deutlich erhöht.

Eine 100-prozentige Deckung des Strombedarfs aus regenerativen Quellen ab 2020 kann bei kontinuierlichem Ausbau der Sonnenenergie erreicht werden. In Südbayern sind die Voraussetzungen aufgrund der Globalstrahlung von über 1000 Kilowattstunden pro Quadratmeter die Besten in ganz Deutschland. Sollte die geplante Tiefengeothermieanlage in Weiderting realisiert werden, würde ein Vielfaches des in der Gemeinde benötigten Strombedarfs aus Erneuerbaren Energien kommen. »Nußdorf würde sich im Bereich der Stromerzeugung an die Spitze in Bayern setzen«, so Monhardt.

Bei der Versorgung mit Wärme werden aktuell 32 Prozent aus Erneuerbaren Energien gewonnen, zum Beispiel aus Solarthermie und Erdwärme. Das ist bayernweit ebenfalls ein überdurchschnittlich guter Wert. Auch hier sieht Monhardt die Möglichkeit fossile Energieträger bis 2020 vollständig durch regenerative Quellen zu ersetzen. Die größten Potenziale bieten zudem der Ausbau der Biomassenutzung und die Etablierung oberflächennaher Geothermie.

Gute Möglichkeiten einer dezentralen Nahwärmeversorgung sieht das Beratungsunternehmen durch den Bau eines Heizkraftwerkes im Ortskern mit Anschluss von Gebäuden mit hohem Wärmebedarf wie Schule, Bürger- und Vereinsheim, Seniorenheim, Rathaus und einer großen Wohnanlage. Auch das bereits bestehende Netz eines Heizwerkes im Ortsteil Wang ließe sich erweitern und weitere Wohngebäude könnten versorgt werden.

Mehrere kleine Projekte weisen den Weg

Für Monhardt sind es nicht große Projekte, die den Weg der Energiewende in eine energieneutrale Zukunft weisen, sondern kleine überschaubare Projekte, wie der beschriebene Bau von Heizkraftwerken, dort wo Wärmeinseln mit hohem Bedarf vorhanden sind.

Eine wirtschaftliche Nutzung der Windkraft sei im Gemeindegebiet nur sehr bedingt möglich. Zwar seien Vorrangflächen für Windkraftanlagen beschrieben worden, dort jedoch sind nach TÜV-Messungen Windgeschwindigkeiten von rund fünf Metern pro Sekunde zu erwarten, was nach Beschreibung im Energiekonzept für eine sinnvolle Nutzung zu wenig sei.

Hubert Vachenauer, Sprecher des Arbeitskreises Energie, berichtete über das ehrenamtliche Engagement der Bürger bei den Arbeitskreistreffen und die Mitwirkung bei der Erstellung des Energiekonzepts. »Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt erst!« brachte Vachenauer seine Vorstellung zur Umsetzung des Konzepts auf den Punkt. Schwerpunkt der zukünftigen Tätigkeit des Arbeitskreises wird sein, die Bürger zu beraten, zum Mitmachen zu motivieren, über Einsparmöglichkeiten zu informieren und die Umsetzung von Maßnahmen anzuregen und zu begleiten.

Der Arbeitskreis will die Umsetzungsphase gemeinsam mit der Gemeinde und dem Amt für Ländliche Entwicklung begleiten und weiterhin Vorschläge einbringen, wie die Ziele des Energiekonzeptes erreicht werden können. Als erste Aktion ist eine »Energietour« durch die Gemeinde geplant, bei der nach Zustimmung der Eigentümer Wohngebäude mittels einer Wärmebildkamera auf Energieverluste untersucht werden. Im Januar soll ein »Energietag« mit Vorträgen, Ausstellung, Beratung und Workshops stattfinden.

Großes Lob für die ehrenamtlichen Mitarbeiter

Bürgermeister Hans Gnadl und Arbeitskreisleiter Hubert Vachenauer würdigten die ehrenamtliche Mitarbeit aller, die im Energie-Arbeitskreis mitgewirkt, Ideen und Erfahrungen eingebracht und sich eingesetzt haben.

»Beim Projekt 'Energiekonzepte für 100 ländliche Gemeinden' wird man nicht am erzeugten Papier gemessen, sondern an dem, was umgesetzt wird«, betonte Rolf Meindl vom Amt für Ländliche Entwicklung. Meindl zeigte sich überzeugt, dass ebenso wie bei der erfolgreichen Dorferneuerung eine dynamische Entwicklung einsetzen werde, die zu guten Ergebnissen führen wird. pv