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Nur zwei Minuten Zeit für einen Patienten

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»Wir sind rund um die Uhr und gerne für unsere Patienten da – und werden dafür bestraft«, bedauert Dr. Stefan Paech. Er kritisiert die neue Gebührenordnung für Notaufnahmen.

Traunstein – »In zwei Minuten kann kein Arzt eine adäquate Untersuchung durchführen, wie er sie für eine seriöse Diagnose bräuchte« ...


»In zwei Minuten kann kein Arzt eine adäquate Untersuchung durchführen, wie er sie für eine seriöse Diagnose bräuchte«, kritisiert Dr. Maximilian Wiedemann, der kommissarische Chefarzt der Zentralen Notaufnahme des Klinikums Traunstein, die neue Gebührenordnung. Sie gilt seit 1. April in allen Notaufnahmen Deutschlands und soll dafür sorgen, dass ein zügiges Weiterverweisen von Bagatellfällen erreicht wird. In der Praxis führt diese Neuregelung allerdings zu einer großen Belastung der Ärzte oder einem »Draufzahlgeschäft« für die Kliniken.

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»Umgerechnet bedeutet dies, dass dem Arzt in der Notaufnahme nur zwei Minuten Zeit zur Abklärung darüber bleibt, ob er einen echten Notfall vor sich hat oder nicht«, sagt Dr. Uwe Gretscher. Der Vorstandsvorsitzende der Kliniken Südostbayern AG betont jedoch: »Wir nehmen uns auch in Zukunft die für die sorgfältige Abklärung eines Notfalls notwendige Zeit.« Das Problem sei nur, dass alles, was die Ärzte länger bräuchten als die zwei Minuten pro Patient, nicht bezahlt werde und das Haus deshalb für die Kosten aufkommen müsse.

Die neue Gebührenordnung für die Notaufnahmen der Kliniken wurde von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung gemeinsam mit dem Spitzenverband der Krankenkassen – und gegen die Stimme der Krankenhäuser – beschlossen. Sie solle die Notaufnahmen von jenen Patienten entlasten, die gar keine akute Notfallbehandlung brauchen, so die Kassenärztliche Bundesvereinigung. Daher enthält die neue Gebührenordnung nun eine sogenannte Abklärungspauschale, die sich auf rund ein Achtel des bisherigen Satzes beläuft.

Diese Neuregelung stößt insbesondere bei den, in der Notaufnahme arbeitenden, Ärzten auf Unverständnis, denn sie verlangt eine Diagnosenstellung in Höchstgeschwindigkeit. Dr. Stefan Paech, Medizinischer Direktor der Kliniken, sieht die eingeführte Neuregelung – wie viele andere in den vergangenen Jahren – kritisch. »Wir sind rund um die Uhr und gerne für unsere Patienten da – und werden dafür bestraft«, bedauert Dr. Stefan Paech diesen Schritt. fb