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»Nur volle Konzentration sichert das Überleben«

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Alexander Huber kletterte in der Arktis an einer 700 Meter hohen Wand entlang. »Servus TV« zeigt am Freitag einen Film über die Expedition der Huberbuam. (Foto: Timeline Production)

700 Meter hoch ist die Wand, die die Huberbuam in der Arktis frei kletterten. Fünf Wochen verbrachten Thomas und Alexander in eisiger Kälte und unter widrigsten Wetterbedingungen, die ihr Projekt fast hätten scheitern lassen. Der österreichische Privatsender »Servus TV« zeigt am Freitag in der Sendung »Bergwelten« um 20.15 Uhr einen Beitrag über die Expedition der beiden Extremkletterer. Wir sprachen mit dem Traunsteiner Alexander Huber über die Gefahren auf Baffin Island, die »Chaoten am Mount Everest« und Klettern als Trendsportart.


Die letzte Expedition ging an den Mount Asgard auf Baffin Island. Wieso haben Sie dieses Ziel gewählt?

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1995 war ein ganzer Haufen unserer Freunde auf Baffin Island: Manni Reichelt, Christian Schlesener, Markus Bruckbauer, Luca Guscelli und Toni Grad. Alle aus unserer Heimat, aus Oberbayern. Und denen gelang am Mount Asgard eine sensationelle Erstbegehung: die Bayerische Direttissima. Als ich damals die Bilder zu sehen bekam, war ich begeistert. Vor allem auch, weil die Jungs uns mitgeteilt haben, dass es da eventuell Möglichkeiten zum Freiklettern geben könnte.

Sie sind die 700 Meter hohe Wand frei geklettert, also ohne technische Hilfsmittel wie Leitern oder künstliche Tritte/Griffe. Wieso ist das so entscheidend?

Als Erstbegeher hatten es die Jungs damals viel schwieriger. Für sie war es auch schon bei hakentechnischer Kletterei extrem anspruchsvoll. Aber wir als Wiederholer hatten natürlich die Motivation, das Ganze frei zu klettern, also nur mit den natürlich vorhandenen Griffen und Tritten. Das Freiklettern ist die hohe Kunst des Kletterns und außerdem waren schon wieder 16 Jahre ins Land gezogen. Logisch also, dass wir versuchen wollten, als Bayern die Bayerische Direttissima erstmals frei zu klettern.

Sind Sie beide die Ersten gewesen, die das versucht haben?

Nein. Drei Jahre zuvor war eine belgische Truppe um den Spitzenkletterer Nicolas Favresse an dieser Route unterwegs und mit nur ein bisschen mehr Glück hätten sie bereits damals die Route frei geklettert. So aber war es uns vergönnt, die Bayerische Direttissima frei zu klettern!

Der Film »Bayerische Direttissima« über die Expedition auf Baffin Island soll vor allem auch durch wunderbare Naturaufnahmen begeistern.

Das ergibt sich zwangsläufig. Die Arktis und ihre Landschaft sind einfach beeindruckend und es ist natürlich die Kunst der Kameramänner Max Reichel und Franz Hinterbrandner, die gewaltige Stimmung einzufangen und mit dem Film zu transportieren. Wer den Film anschaut, wird sehen, dass ihnen das gelungen ist.

Mit welchen Schwierigkeiten hatten Sie auf der größten Insel des kanadisch-arktischen Archipels zu kämpfen?

Da gab's natürlich eine ganze Menge an Schwierigkeiten und Problemen. Die Logistik ist nicht einfach, aber wir waren durch die Berichte von vorhergehenden Expeditionen gewarnt und konnten uns drauf einstellen. Am Gravierendsten war jedoch das extrem unstabile Wetter. Normalerweise sollte man schon mal das eine oder andere Fenster mit drei, vier Tagen Schönwetter haben. Wir hatten diesen Fall nur einmal, und zwar in der ersten Phase in der Wand. Danach kam es nicht einmal mehr zu zwei aufeinanderfolgenden Tagen mit schönem Wetter. Das machte es uns wirklich schwer.

Nicht nur das Wetter dort bringt Gefahren mit sich, es gibt auch Eisbären.

Vor allem beim Anmarsch hätte es gut sein können, dass wir auf einen Eisbären treffen. Sie halten sich normalerweise an der Küste auf und weniger im Landesinneren. Aber wer weiß das schon? Gesehen haben wir am Ende keinen, nur im Inuit-Museum in ausgestopfter Form. Und ich schau mir ehrlich gesagt einen lebendigen Eisbären auch lieber im Tierpark an.

Begleiter auf der Expedition war wieder Ihr Bruder Thomas. Können Sie sich überhaupt noch vorstellen, eine Expedition ohne ihn zu machen?

Wenn uns beide ein Ziel gleichermaßen interessiert, dann sind wir natürlich zusammen unterwegs. Aber es gibt auch individuelle Ziele, die dann jeder für sich mit anderen Alpinisten verfolgt.

Sie sind Vater von zwei Kindern. Wählen Sie Ihre Ziele jetzt anders aus als früher?

Aus meiner Sicht würde ich klar sagen: nein. Aber es ist natürlich wenig objektiv, sich selbst einzuschätzen. Wenn man uns aber anschaut, dann hat man wahrscheinlich das Gefühl, dass sich da nicht so wahnsinnig viel verändert hat.

Gehen Sie in kritischen Momenten weniger Risiko ein oder denken Sie dann nicht an Ihre Familie?

Wenn ich in der Wand unterwegs bin, dann bin ich in der Wand unterwegs. Und es ist auch wichtig, alles andere in diesem Moment auszublenden. Denn nur volle Konzentration sichert dir das Überleben.

Für viele Bergsteiger ist der Mount Everest das Ziel überhaupt. Reizt Sie ein solches Projekt?

Ich hab vor gut 15 Jahren den Cho Oyu gemacht, mit 8201 Metern der sechsthöchste Berg der Welt. Der Zirkus um den Mount Everest ist sicher nicht das meine, da sind mir viel zu viele Leute und vor allem Chaoten unterwegs. Aber der eine oder andere Achttausender wäre schon noch schön. Das Gute dabei ist, dass man hier selbst im gehobenen Alter noch durchaus leistungsfähig ist. Aber schau ma einfach mal. Nix g'wiss woaß ma ned.

Was haben Sie als Nächstes geplant?

Jetzt bin ich gerade mit der Vortragstour durch. Also erst mal durchschnaufen und dann wird's wahrscheinlich dieses Jahr ein Projekt in den Alpen.

Finden Sie es gut, dass Klettern mittlerweile eine Trendsportart ist?

Klar freut mich das. Ich freue mich für jeden, der mit dem Klettern und Bergsteigen Freude am Leben findet. Und das Schöne an der Leidenschaft für die Berge ist, dass sie praktisch jeden, der diese Leidenschaft für sich entdeckt hat, durch das Leben hindurch begleitet und trägt! Klara Brunner