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Nur noch drei Wochen dauert die Rhabarberzeit

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Ein kleines Eck im Garten reicht für den anspruchslosen Rhabarber: Hier wächst er unter einem Apfelbäumchen neben dem Komposthaufen - ein Platz im Garten, an dem sonst wohl nicht viel gedeihen würde. Was Sie beim Ernten beachten sollten: Rhabarberstangen niemals abschneiden, sondern sie in die Richtung herausziehen, in die sie wachsen. Das verhindert Fäulnis, schafft Platz für neue Triebe und verhindert, dass die Staude immer breiter wird.

Was haben Rhabarber und Spargel gemeinsam? Beide zählen zur Gattung Gemüse und für beide endet die Erntezeit am Johannistag, dem 24. Juni. Während der Spargel als besonders edles Gemüse gilt und im Chiemgau und Rupertiwinkel nur sehr wenig angebaut wird, findet man den Rhabarber in fast jedem Hausgarten. Dennoch genießt er eine weitaus geringere Wertschätzung als Spargel - zu Unrecht, denn er ist problemlos zu kultivieren und vielseitig verwertbar.


Der Garten-Rhabarber ist eine verhältnismäßig junge Kulturform, die erst seit dem 18. Jahrhundert gezüchtet wurde. Er wurde, weil er sehr sauer schmeckt, erst mit dem Aufkommen preiswerten Zuckers zum verbreiteten Nahrungsmittel. Rhabarber wird als Nutzpflanze heute auf allen Kontinenten in geeigneten Klimazonen angebaut. Andere Arten wurden aufgrund ihres medizinischen Gebrauchs oder als Zierpflanzen vom Menschen verbreitet. Rhabarber besitzt eine lange Tradition in der Verwendung als Heilpflanze. Seit etwa 4000 Jahren wird der Chinesische oder Arzneirhabarber in China als Medizin verwendet; bevorzugt als mildes Abführmittel.

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Wer in diesen Tagen in seinen Garten schaut, dem bietet sich vorwiegend ein Bild des Jammers: Der Dauerregen hat die wenigen Blüten an den Zierpflanzen verwaschen, Gemüse und Salat sind bei Temperaturen, die in den letzten beiden Wochen länger im ein- als im zweistelligen Bereich lagen, so gut wie nicht gewachsen. Der einzige Schönwettertag war der Dienstag vergangener Woche. Seitdem wurde es kontinuierlich kälter und die Regenmenge erreichte selten dagewesene Höchstwerte für die letzten Maitage bzw. den ersten Junitag. Meteorologen verbreiteten dieses Wochenende die Nachricht, seit 100 Jahren hätten sie kein so kaltes Maiende registriert. Die Frage, ob es sich um die verspäteten Eisheiligen oder um die vorgezogene Schafskälte handelt, verbietet sich. Das Sauwetter liegt genau zwischen den Terminen für Eisheilige und Schafskälte.

Wärmeliebende Pflanzen wie Tomaten, Paprika und Gurken werden Wochen brauchen, bis sie sich von diesem Kälteschock erholt haben werden; Pflanzen in exponierten Freilandlagen werden das wohl überhaupt nicht mehr schaffen. Hobbygärtnern geht es in diesem Frühling wirklich »nass rein« und am liebsten würde man das Garteln für heuer vergessen.

Auch in der Landwirtschaft sieht es nicht besser aus. Der Mais leidet unter Nässe und Kälte. Die Pflanzen trocknen kaum mehr ab, was der ideale Nährboden für Pilzkrankheiten ist. Der Regen hat das Gras umgelegt und die Bauern können kein Gras zum Silieren ernten. Die Bienen fliegen unter 10 Grad nicht, so dass Honig auch heuer zur Mangelware werden dürfte. Lediglich für die Wälder ist das feuchte Wetter gut: Der Borkenkäfer dürfte heuer kein Thema sein und auch das Grundwasser profitiert vom Dauerregen.

Egal wie extrem das Wetter ist: Dem Rhabarber macht das nichts aus. Man darf ihn mit Fug und Recht als eine der anspruchslosesten Gartenpflanzen bezeichnen. Er liebt die Feuchtigkeit und auch das kühle Wetter macht ihm nichts aus - ganz im Gegensatz zum eingangs erwähnten Spargel, den man bei solchen Wetterbedingungen getrost vergessen kann. Wer in seinem Garten ein Fleckerl übrig hat, der sollte sich eine Rhabarberstaude zulegen. Ein Quadratmeter reicht für eine Pflanze.

Pflege braucht sie so gut wie keine. Nicht einmal Unkrautjäten um den Rhabarber ist erforderlich, da die Blätter den Boden so stark beschatten, dass nach ein bis zwei Jahren selbst die hartnäckigsten Unkräuter wegen Lichtmangels ausbleiben. Selbst die Schnecken, die sich gerne im Schatten der Staude aufhalten, können ihr nicht ernsthaft etwas anhaben. Wirklich gerne mögen sie ihn nicht und recht viel mehr als die äußere Schicht der Stengel fressen sie nicht weg.

Im Spätherbst, wenn die Blätter verrotten, tut man der Rhabarberstaude Gutes, wenn man ein bis zwei Eimer Komposterde drüberschüttet. Das bedeutet nicht nur einen zusätzlichen Schutz für den Winter (auch wenn die Pflanze absolut winterhart ist), sondern liefert auch genug Nährstoffe fürs nächste Jahr und fördert das Verrotten der alten Pflanzenteile.

Schon zeitig im Frühjahr sprießen die ersten Stangen, die man ernten kann, sobald sich die Blätter entwickelt haben. Dabei sollte man aber nie mehr als ein Drittel der Stangen ernten, damit die Pflanze genug Kraft hat, neue zu entwickeln. Eine gut ausgebildete Rhabarberstaude kann man alle drei bis vier Tage beernten, wobei die Menge der entnommenen Stengel ein bis zwei Kilo betragen kann. Wer sichergehen will, dass er auch im nächsten Jahr einen guten Ertrag hat, der sollte aber am Johannistag mit dem Ernten aufhören und die Pflanze für den Rest des Sommers in Ruhe lassen.

Am besten sind die ersten saftigen Triebe Ende April. Die Haut wird mit dem Messer abgeschält und die Stengel isst man aus der Hand. Als Kinder haben wir das quietschsauere Gemüse mit Vorliebe in Zucker getaucht.

Aber auch der Hausfrau bietet der Rhabarber einige interessante Möglichkeiten. Ein Klassiker ist die Erdbeer-Rhabarbermarmelade, für die man Erdbeeren und Rhabarber mit der gleichen Menge Gelierzucker (1 zu 1) verkocht. Der Rhabarber verleiht diesem Fruchtaufstrich die fein-säuerliche Note, durch die sich das hausgemachte Produkt deutlich von gekauften Marmeladen abhebt. Das einzige Problem heuer: Es gibt noch keine »gescheiten« Erdbeeren. Was in den Supermärkten aus Südeuropa angeboten ist meist von so »bescheidenem« Geschmack, dass man als Feinschmecker die Finger davon lässt. Und die heimischen Erdbeerfelder zum Selberpflücken: Das Wetter hat sie in den letzten Tagen in ein Bild des Jammers verwandelt. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Ein oder zwei schöne Wochen und es kann vielleicht doch noch etwas werden mit den Erdbeeren.

Fast in Vergessenheit geraten ist das Rhabarberkompott, in dem immer ein paar Zitronenschalen mitgekocht werden. In den Kindheitserinnerungen an diese köstliche Nachspeise denkt man immer daran, wie die Zunge »pelzig« wurde, wenn man davon gegessen hat. Das Beste aus Rhabarber ist aber der Blechkuchen nach einem Rezept, das in Traunstein weit verbreitet ist. -K.O.-