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»Nur mit a Leich wer ma reich«

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Bei »Gspenstermacher« enthüllt die junge unglückliche Lena (Monika Riedmaier, von links) der verblichenen  Moorwirtin  (Doris Kandler) und der reichen Veichtlbäurin (Laura Lorenz) ein pikantes Geheimnis. (Foto: Giesen)

Marquartstein – Großartige schauspielerische Leistungen und einen rundum vergnüglichen Theaterabend bot das Chiemgauer Gaudibredl den vielen Zuschauern bei der Premiere seines neuen Stücks »Gspenstermacher« im Saal des Gasthofs Prinzregent.


Der lustig makabre Schwank in drei Akten von Ralph Wallner ist durchsetzt von deftigen bayerischen Ausdrücken, lustigen Dialogen und unerwarteten Pointen, sodass die Zuschauer aus dem Lachen kaum herauskamen. Angelika Fischer als erfahrene Regisseurin leistete durch tolle Regieeinfälle und Anweisungen einen großen Beitrag zum Gelingen. Das durchweg lebendige Spiel der Laiendarsteller sorgte dafür, dass die Zeit wie im Fluge verging und niemals Langeweile aufkam.

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Gleich zu Beginn des Stücks führt der reizende kleine Moorgeist (Maxime Joos) in die unheimliche Welt des Moors ein und macht deutlich, dass auch die überirdische Welt mitspielt.

Schauplatz ist die ziemlich heruntergekommene bäuerliche Wirtsstube der resoluten Moorwirtin Rosa Moderer, herrlich dargestellt von Doris Kandler. Sie scheut sich nicht, ihren Gästen derb die Meinung zu sagen, wie »irgendwie erinnert mich dein G'sicht immer an a Buttersemmel – ich kann't dir dauernd eine schmiern«. Das muss nicht nur die »gspinnerte« Dorfverrückte Philomena (Alexandra Mittermeier) erfahren, die im Wirtshaus am liebsten ihre Karten legt. Wenig gern gesehene Gäste im abgelegenen Moortaler Moos sind vor allem die beiden schrulligen Totengräber Schippe und Schaufe, hervorragend gespielt von Alois Heuberger und Georg Rasp.

Da überbringt der freundliche Knecht Leo (Seppi Riedmaier) den beiden ohnehin schlecht bezahlten Brüdern einen Brief vom amtlichen Bestattungsamt: Künftig sollen sie gar kein Gehalt mehr bekommen, sondern nur noch eine kleine Pauschale pro Beerdigung. Eine zufällig aufgetauchte Flasche Gift lässt da schnell üble Gedanken aufkommen – »nur mit a Leich wer ma reich«, meint Schippe – und bald geistern unheimliche, aber fidele Gespenster durch das Dorf. Eine wichtige Rolle dabei spielt auch der langjährige Zwist der Moorwirtin mit der wohlhabenden, durchaus lustigen Witwe Vevi Veichtlinger (Laura Lorenz), deren Trauerjahr gerade vorbei ist.

Beide Frauen sind nämlich scharf auf den feschen Schuster-Jackl, einen eingefleischten Junggesellen, der sich allerdings beide rigoros vom Leibe hält. Eine unerwartete Wendung bekommt die Handlung, als die hübsche, mit allen Wassern gewaschene Lena (Monika Riedmaier) auftaucht, sodass es um den attraktiven Leo schnell geschehen ist. Weiteres wird nicht verraten.

Für den einfallsreichen, liebevoll gestalteten Bühnenaufbau zeichnete Sepp Riedmaier senior verantwortlich, für die passenden, fantasievollen Masken und Kostüme Lisa Steffl. Im Hintergrund fungierte Heidi Anweldt als Souffleuse. Für die reibungslose Technik und Lichteffekte sorgten Michael Hartl und Simon Perri. Bei der Premiere wollte der Applaus für die hervorragende Leistung aller Beteiligten kaum abreißen und auch während der einzelnen Szenen gab es häufig spontanen Zwischenapplaus. Hinzu kommt, dass es im Saal des Gasthof Prinzregent, der eine so lange, erfolgreiche Tradition als Theaterbühne hat, immer wieder schön ist, Theater live zu erleben.

Weitere Aufführungen von »Gspenstermacher« sind am Freitag und Samstag und Sonntag, 19., 20. und 21. Mai sowie am Mittwoch, 24. Mai, Freitag und Samstag, 26. und 27. Mai, jeweils um 20 Uhr. Nur am Sonntag, 21. Mai beginnt die Vorstellung bereits um 17 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf unter der Telefonnummer 08641/95 73 99, Restkarten an der Abendkasse. gi

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