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»Nur ein Stückerl Gold«

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Der Landkreis Traunstein hat an dem »Goldkessel vom Chiemsee« kein Kaufinteresse. Der Kreisausschuss bekräftigte gestern die – vor einigen Tagen geäußerte – Haltung von Landrat Hermann Steinmaßl. Zur Beratung präsentierte er nicht das echte Fundstück, sondern eine Papierattrappe und ein Foto. (Foto: Kretzmer)

Traunstein. Der Landkreis Traunstein hat an dem 2001 etwa 200 Meter vom Ufer am Nordrand des Chiemsees aus den Wasserfluten geborgenen »Chiemsee-Goldkessel«, der derzeit in St. Gallen als Teil einer Konkursmasse beschlagnahmt ist und möglicherweise irgendwann versteigert wird, kein Kaufinteresse. Diese Haltung – von Landrat Hermann Steinmaßl kürzlich bei einer Pressekonferenz geäußert – bekräftigte der Kreisausschuss gestern mit einem einstimmigen Beschluss.


Darin heißt es: »Obwohl es sich um ein auch für den Landkreis interessantes und einmaliges Fundstück handelt, wird der Kreis diesen Goldkessel nicht erwerben.« Einige Mitglieder des Kreisausschusses sahen zum Beispiel die Gefahr, dass man im Falle einer öffentlichen Ausstellung in der Region die falschen Leute anlocken könnte.

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Um die Größe des Original-Kessels vor Augen zu führen, präsentierte Landrat Steinmaßl gestern eine Papierattrappe und ein Foto. Zur Geschichte berichtete er, zwei Personen hätten das Stück im September 2001 gefunden. Das Gefäß bestehe aus etwa zehn Kilogramm 18-karätigem Gold, sei rund 30 Zentimeter hoch und verfüge über einen Durchmesser von ungefähr 50 Zentimeter. Verziert sei es mit keltischen Motiven.

Der Freistaat Bayern, auf dessen Seegrund das Stück lag, habe nach dem Fund zwei Gutachten anfertigen lassen. Sie schließen eine antike Herkunft ebenso aus wie Vermutungen, der Kessel gehöre zum NS-Vermögen. Die Expertisen gingen, so der Landrat, vielmehr von einer Entstehung Anfang des 20. Jahrhunderts aus. Der Wert des Goldkessels: »Nicht mehr als der reine Goldwert.«

Nachdem sich der ursprüngliche Eigentümer nicht ermitteln ließ, sei der Kessel ein »Schatzfund« – damit der Freistaat und die Finder je zur Hälfte Eigentümer. Die Finder hätten Geld gewollt. Deshalb habe der Staat den Kessel 2003 an eine von den Findern beigebrachte Privatperson verkauft. 2006 sei das Stück erneut in den Medien aufgetaucht: Als die Staatsanwaltschaft Zürich ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugs gegen einen Schweizer Geschäftsmann führte. Der Geschäftsmann sei mittlerweile zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Seither verwahre das Konkursamt St. Gallen den Goldkessel.

Zur Frage, ob der Landkreis Traunstein den Kessel erwerben beziehungsweise sich an einem Kauf beteiligen sollte, verwies der Landrat auf den Goldwert von 400 000 bis 450 000 Euro nach derzeitigem Goldkurs: »Wir haben zurzeit das Geld nicht. Wir haben Schulden.« Spekulationen, das Gefäß wesentlich mehr wert sein, erteilte Hermann Steinmaßl gestern eine Absage: »Warum hätte der Freistaat Bayern den Kessel 2003 unter Wert verkaufen sollen?« Unabhängig davon hielt es der Landrat für »wünschenswert«, weitere Nachforschungen zur Herkunft des Goldkessels anzustellen.

Die Möglichkeit, dass das Stück von anderer Seite gekauft und im Landkreis bleiben und ausgestellt werden könnte, schnitt Alfons Baumgartner, Bayernpartei, an. Dazu Steinmaßl: »Wenn ihr jemanden findet, dann haben wir nichts dagegen.« Bedenken hatte Sepp Hohlweger, Bündnis 90/Die Grünen: »Wenn man so ein Objekt ausstellt, zieht man den braunen Sumpf an.« Einen anderen Aspekt zeigte Franz Parzinger, CSU, auf. Der Kessel sei zwar hierzulande gefunden worden, habe aber »keinen Bezug zur Region«. Siegfried Walch, CSU, brachte die Diskussion auf den Punkt: »Es ist kein historischer Wert nachgewiesen. Deshalb ist es nur ein Stückerl Gold.« kd

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