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Nun sollen sie wieder 100 Jahre halten

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Die aufwändig geschnitzten Wangen wurden von Johannes Meyer mühevoll gereinigt. (Foto: Eder)

Waging am See. Am Palmsonntag 2014 wird die Basilika St. Anna in Altötting nach über eineinhalbjähriger Innenrestaurierung wieder geöffnet. Einen wichtigen Beitrag dazu hat die Schreinerei von Johannes Meyer aus Waging geleistet. Der auf die Restaurierung von Holzobjekten spezialisierte Betrieb hat nämlich die Kirchenbänke restauriert. Das Laiengestühl, wie es in der Fachsprache heißt, besteht in der Basilika St. Anna aus 72 Bänken, jede ziemlich genau fünf Meter lang. Am heutigen Aschermittwoch sollen sie eingebaut werden.


Beinahe im Wochenrhythmus brachte eine Spedition seit Juli letzten Jahres jeweils vier Bänke in die Werkstatt und holte die fertig restaurierten wieder ab. Anfangs blieben die Fußgänger noch erstaunt stehen, so Johannes Meyer, und erkundigten sich interessiert, wohin die Bänke gehören und was daran alles gemacht werden muss. Doch diese Lieferungen wurden beinahe zum gewohnten Bild in der Salzburger Straße in Waging, und später winkten die Leute nur noch kurz: »Aha, kriegt ihr wieder neue Bänke.« Petrus jedenfalls, so der Firmeninhaber, meinte es gut mit den Altöttingern. An keinem einzigen der Tage, an denen die Spedition Bänke brachte, hat es geregnet oder geschneit. Erst am vergangenen Donnerstag sind die letzten paar Bänke in Waging verladen und nach Altötting transportiert worden.

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Es war eine Fülle an Arbeiten zu leisten, ehe die Bänke wieder in ihrem jetzigen neuen Glanz erstrahlten, deren Oberfläche im Laufe der 100 Jahre ihres Bestehens einige Male mit verschiedenen Lacken überzogen worden war. Am Beginn stand, wie Seniorchef Hans Meyer berichtet, die Reinigung des Gestühls: sowohl trocken, also mit Staubsauger als auch feucht mit Wasser und verschiedenen Lösungen. Es war ein erheblicher Aufwand notwendig, bis die Verunreinigungen der Jahrzehnte aus den teilweise recht komplizierten Schnitzereien beseitigt waren.

Dann begann die eigentliche Schreinerarbeit: Fehlende Teile wurden ergänzt, lose Profile wieder befestigt oder ebenfalls ergänzt. Außerdem wurden Konstruktionsmängel behoben, vor allem im Zusammenhang mit den sehr langen und breiten Kniebänken, die man nun problemlos wieder aufklappen, kann. Bei diesen Kniebänken wurden auch zahlreiche kaputte Stützen erneuert und ergänzt. Die Bänke – die interessanterweise einst von zwei verschiedenen Schreinereien angefertigt worden waren – bestehen aus verschiedenen Nadelholzarten, die Seitenwangen aus Eichenholz. Die Ergänzungen wurden von der Schreinerei Meyer in der jeweiligen Original-Holzart eingefügt.

Die Vorarbeiten für diese »Aufmöbelung« der alten Kirchenbänke oblagen Seniorchef Hans Meyer, der damals noch Betriebsinhaber war. In seiner Eigenschaft als Restaurator hat er – zunächst zusammen mit einem Kollegen, dann allein – in einer genauen Untersuchung, die sich von November 2012 bis zum Sommer 2013 hinzog, ermittelt, welche Arbeiten notwendig waren. Schritt für Schritt wurde alles genau festgelegt, so zum Beispiel auch die Erneuerung der Buchablagen, die in recht schlechtem Zustand waren und wegen des neuen »Gotteslob«-Formats auch größer werden mussten. Die Meyerschen Untersuchungsergebnisse wurden dann von Amts wegen überprüft und die Ausführung schließlich genehmigt.

Die Basilika St. Anna ist am 13. Oktober 1912 eingeweiht worden. 100 Jahre Pilgerströme hatten ihre Spuren hinterlassen, auch an den Bänken, fasst Johannes Meyer den Hintergrund der Arbeiten zusammen. Nach dieser gründlichen Restaurierung müssten die Bänke jetzt wieder 100 Jahre halten, meint er.

Ab Aschermittwoch sind die Waginger Schreiner nun vor Ort in Altötting und montieren die restaurierten Bänke auf das Podest, was etwa zwei Wochen dauern dürfte. Für Palmsonntag ist dann die feierliche Wiedereröffnung von St. Anna geplant, dann steht die Altöttinger Basilika wieder für Gottesdienstbesuche und das stille Gebet offen. he