Notrufzentrale für eine halbe Million Menschen

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Kräftig die Werbetrommel rühren für die einheitliche Notrufnummer wollen am Blaulicht-Tag (von links) Gerhard Jäkel, stellvertretender Leiter der Traunsteiner Rettungsleitstelle, Josef Gschwendner, Geschäftsführer des Zweckverbandes für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Traunstein, und Anton Groschack, Leiter der Traunsteiner Leitstelle.
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Im Gewerbepark Kaserne bezog die Rettungsleitstelle vor vier Jahren einen eigenen Neubau. An acht Telefonplätzen nehmen die Mitarbeiter die Notrufe entgegen. Bei großen Ereignissen und Katastrophen kann die Zahl der Plätze auf 14 aufgestockt werden. So geschehen bei der Hochwasserkatastrophe vor einem Jahr.
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Traunstein. »Hier ist der Notruf für Feuerwehr und Rettungsdienst. Was kann ich für Sie tun?« Rund 600 Mal täglich meldet sich ein Mitarbeiter der Integrierten Leitstelle in Traunstein mit diesem Satz. Die Bandbreite an Notfällen ist groß: Vom Kletterunfall in den Berchtesgadener Alpen, einem Bootsunglück auf dem Chiemsee bis zu verrauchten Wohnungen bei Bränden und eingeklemmten Personen bei Unfällen. Die Mitarbeiter müssen schnell reagieren und die Rettungsmaßnahmen in die Wege leiten.


Die Traunsteiner Leitstelle ist dabei Ansprechpartner für rund eine halbe Million Menschen in den Landkreisen Traunstein, Berchtesgadener Land, Altötting und Mühldorf. Und sie alle müssen sich nur eine Nummer merken: die 112. Eine Ortsvorwahl ist für die gebührenfreie Nummer nicht notwendig, weder für das Festnetz noch für den Mobilfunk. Menschen, die eine Sprach- oder Hörbehinderung haben, können unter der Nummer 112 auch ein Notruf-Fax an die Leitstelle senden.

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Bei der Meldung des Notrufs sollte dann dringend darauf geachtet werden, dass die fünf »W« beachtet werden: Wer meldet, Wo ist das Ereignis, Was ist geschehen, Wie viele Betroffene gibt es, Warten auf Rückfragen. Letzteres ist besonders wichtig, denn oftmals benötigen die Mitarbeiter der Leitstelle nämlich noch weitere Informationen, um auf dieser Grundlage ein »Meldebild« zu erstellen. Werden zum Beispiel die Symptome »akute Lähmungserscheinung« oder »Gefühlsstörung einer Körperseite« zusammen mit »Sprachstörungen« beschrieben, so deutet dies auf einen Schlaganfall hin. Der Mitarbeiter wird in diesem Fall umgehend den Rettungsdienst alarmieren und Notarzt und Sanka zum Notfallort schicken.

Eine Rettungsleitstelle gibt es in Traunstein bereits seit 34 Jahren. Am 4. Februar 1980 wurde sie an der Leonrodstraße in Betrieb genommen. Schon damals war sie für die vier Landkreise des heutigen Bereiches zuständig. Damals gab es allerdings noch unterschiedliche Nummern für Feuerwehr und Rettungsdienst, wobei sich die Leitstelle um Letzteres kümmerte.

Nur sechs Wochen nach der Eröffnung der Leitstelle geschah ein tragischer Unfall, der auch heute noch als »schwärzester Tag« in der Geschichte der Rettungsleitstelle gilt. Am 22. März 1980 stürzte beim Rückflug von einem Einsatz der Rettungshubschrauber Christoph 14 am Teisenberg ab. Alle drei Besatzungsmitglieder kamen dabei ums Leben.

Nach dem Umzug 1992 an die Hochstraße in Haslach plante die Rettungsleitstelle einen eigenen Neubau im Gewerbepark Kaserne, der Anfang 2010 bezogen wurde. Der höhere Raumbedarf war unter anderem durch die gestiegenen Anforderungen und dem Fortschritt in der EDV- und Kommunikationstechnik notwendig geworden. Als Geburtsstunde der neuen Integrierten Leitstelle gilt aber der 17. Juni 2010. Zu diesem Datum wurden alle Notrufleitungen für Feuerwehr und Rettungsdienst aus den vier beteiligten Landkreisen auf die neue Leitstelle umgeschaltet.

Ans Limit brachte die Mitarbeiter der Leitstelle die Unwetterkatastrophe im Juni 2013. Bis dahin nie dagewesene Anforderungen standen an. Im Zeitraum von 48 Stunden mussten 5867 Notrufe bearbeitet werden. Den Spitzenwert bildete der 2. Juni 2013: In der Zeit zwischen Mitternacht und 12 Uhr mittags gingen mehr als 2000 Notrufe in der Leitstelle ein. Dies konnte nur mit der Maximalbesetzung von 14 Telefonisten geschafft werden. Dabei bewährten sich die Konzepte zur kurzfristigen Personalverstärkung. Besonders erfreulich war auch für die Leitstellen-Leiter, dass trotz der extrem hohen Anzahl an Notrufen die durchschnittliche Wartezeit bei unter fünf Sekunden lag.

Den erstmals veranstalteten Blaulichttag am 19. Juli in Traunreut möchten die Verantwortlichen der Integrierten Leitstelle Traunstein nutzen, um die Bevölkerung auf die einheitliche Notrufnummer 112 hinzuweisen und den Bekanntheitsgrad zu steigern. Dafür gibt es einen guten Grund: Die Nummer rettet Leben.

Beim Blaulicht-Tag am Samstag, 19. Juli, präsentieren sich die verschiedenen Rettungs- und Hilfsdienste im Landkreis auf dem Traunreuter Festplatz. Wir stellen die Organisationen in den Wochen bis dahin in einer Serie näher vor. Im nächsten Teil: die Bergwacht in der Region Chiemgau.

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