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Notorischer Betrüger musste vor Gericht

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Reit im Winkl. Eine dreiköpfige Familie aus Köln hat sich am 1. August 2011 in ein Hotel in Reit im Winkl eingemietet – unter Angabe falscher Personalien und Adresse. Die Urlauber waren direkt aus einem Hotel im österreichischen Walchsee gekommen. 13 Tage später reisten die »Urlauber« frühmorgens ab, ohne die Rechnung zur bezahlen. Sie blieben dem Hotel 2437,60 Euro schuldig. Der 40-jährige Familienvater, ein notorischer Betrüger, sitzt zurzeit in der Justizvollzugsanstalt Siegburg wegen anderer Betrügereien für 16 Monate hinter Gittern. Gestern verhängte das Amtsgericht Traunstein für den Betrug in Reit im Winkl acht Monate Freiheitsstrafe und fasste es zu einer Gesamtstrafe von einem Jahr und acht Monaten zusammen.


Mehrere Male hatte der 40-jährige selbstständige Gärtner und Landschaftsbauer bereits Haftstrafen im norddeutschen Raum verbüßen müssen. Allein sieben Vorahndungen galten umfangreichen Betrügereien. Der Angeklagte stand zur Tatzeit unter zweifacher offener Bewährung. Das hielt ihn nicht ab, im Juni 2011 in Reit im Winkl ein Hotelzimmer zum Preis von 178 Euro pro Nacht plus Zustellbett für ein Kind zu buchen. Bei der Anreise am 1. August 2011 trug er sich mit falschen Daten in den Meldeschein ein.

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Bei Prozessbeginn regte der Richter angesichts der aktuellen Strafhaft ein Rechtsgespräch mit Verteidiger Julius Praun aus Chieming und Staatsanwalt Christopher Lang an: »Es könnte sich anbieten, mit dem Gericht zu kooperieren.« Das Ergebnis war eine in Aussicht gestellte Gesamtstrafe von 20 Monaten. Der 40-Jährige akzeptierte und räumte erstmals die Vorwürfe ein. Er habe bislang noch nichts an das Hotel bezahlt, werde aber seinen Bruder dazu bringen, für ihn finanziell einzustehen.

Die Argumente in den Plädoyers deckten sich bei Verteidiger und Staatsanwalt – auf der Plusseite das jetzige Geständnis, auf der Minusseite die massiven Vorstrafen und die fehlende Schadenswiedergutmachung. Im Urteil verdeutlichte Richter Maximilian Lermer: »Sie wären heute auch ohne Geständnis verurteilt worden.«

Der Angeklagte hatte Bedienstete des Reit im Winkler Hotels wegen Unterschlagung angezeigt. Der 40-Jährige hatte behauptet, im Hoteltresor 1400 Euro Bargeld, eine teure Rolex-Uhr und eine Goldkette deponiert zu haben. Als Nachweis fälschte er ein Schreiben des Hotels mit einer »Entschuldigung« für das Verschwinden der Wertsachen.«

Darüber hinaus hatten der Angeklagte und seine Ehefrau widersprüchlich ausgesagt. Die Frau behauptete, mit ihrer Visa-Card die Hotelrechnung in Reit im Winkl beglichen zu haben. Ihr Mann gab hingegen an, er habe seiner Frau den Betrag in bar überreicht.

Bei den strafschärfenden Aspekten hob der Richter hervor: »Es ist eine besondere Unverschämtheit, wenn man selbst betrogen hat und dann die Hotelbediensteten wegen Unterschlagung anzeigt.« kd