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Noch viel Potenzial für regenerative Energien

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Waging am See. Die Marktgemeinde Waging könnte ihren Strombedarf zu über 90 Prozent auf dem Gemeindegebiet erzeugen, etwa durch Photovoltaik, Reststoff-Biogasanlagen oder Windräder. Auch bei der Einsparung von Energie in Privathaushalten schlummerten noch ungenutzte Potenziale. Das ist ein Ergebnis der Vorarbeiten zum Klimaschutzkonzept, das die Gemeinde vor einiger Zeit in Auftrag gegeben hat.


Die Gemeinde lässt derzeit von der Firma ecb energie.concept.bayern aus Prien ein Konzept erstellen, dessen Ziel es ist, Informationen zum Ist-Zustand und zu den kommunalen Potenzialen im Bereich Energie zu bündeln sowie Maßnahmen zur Umsetzung der Energiewende in Waging unter Mitwirkung der Bürger zusammenzutragen und zu bewerten.

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Bei der Präsentation von Ist-Situation und weiterem Potenzial in der Tourist-Info wurde unter dem Strich festgestellt, dass Waging – selbst bei einem sehr vorsichtigen Ansatz – durch regenerative Energien mindestens zwei Drittel seines Energiebedarfs selbst decken könnte. Das fehlende Drittel zu einer 100-prozentigen Energieautarkie könnte durch Einsparungen und höhere Effizienz von Geräten erreicht werden.

Vorgestellt wurden bei dem Treffen auch die Ergebnisse der ersten Bearbeitungsphase des Klimaschutzkonzeptes. Ein Ergebnis dabei ist, dass in Waging 74 Prozent der verbrauchten Energie für Wärme und 26 Prozent für Strom aufgewendet werden. Die Bedeutung der Wärme werde somit auch für mögliche Maßnahmen im Klimaschutzkonzept eine gewichtige Rolle spielen, sagte ecb-Mitarbeiter Sebastian Osenstetter. Der größte Verbraucher sowohl im Wärme- als auch im Strombereich ist der Sektor Gewerbe-Handel-Dienstleistungen mit rund 65 Prozent.

Die Wärme in der Gemeinde Waging werde, so die Ermittlungen der ecb-Mitarbeiter, zu 59 Prozent von Heizöl, zu 36 Prozent von Gas erzeugt, 7,7 Prozent durch erneuerbare Energien (Bundesschnitt: 10,4 Prozent). Der Strom komme zu 15 Prozent aus Photovoltaik, zu 13 Prozent aus Biomasse, sodass hier ingesamt rund 28 Prozent des Stroms aus regenerativen Energien stammen. Mit diesem Wert liege Waging bereits jetzt deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 22,9 Prozent.

Hier schaltete sich aber der Waginger Gemeindewerke-Leiter Heinrich Thaler ein und stellte fest, dass ja auch der zugekaufte Strom aus regerenativer Energie, nämlich der Wasserkraft, stamme. Somit werde Waging komplett aus regenerativen Energien mit Strom versorgt – und das ohne Aufpreis, wie er noch betonte.

Beim rechnerischen Pro-Kopf-Verbrauch pro Jahr liegt Waging mit 15 MWh Wärme (Bundesrepublik: 16,3 MWh) und 5,2 MWh Strom (BRD: 7,4 MWh) deutlich unter dem Bundesdurchschnitt, was nicht zuletzt daran liege, wie es hieß, dass Waging eher vom Tourismus und mittelständischen Unternehmen geprägt ist und energieintensive Branchen nicht vorhanden seien.

Im Bereich der Erzeugung erneuerbarer Energien hat Waging eine Vorreiterrolle inne, stellten die ecb-Mitarbeiter fest. Der Hauptanteil der heimischen Stromerzeugung werde durch Photovoltaik und Biogas abgedeckt.

Vorschläge für eine konkrete Marschrichtung präsentierten die ecb-Mitarbeiter am Schluss ihrer Ausführungen. Mit Windkraft könnte im Gemeindegebiet bei nur zwei Anlagen - statt sechs möglicher – »sozialverträglich« ein Viertel des gesamten Strombedarfs produziert werden. Wasserkraft gebe es in Waging derzeit zwar ebenfalls praktisch nicht: Es könnte aber geprüft werden, so der Vorschlag der ecb-Mitarbeiter, ob nicht einige der zwölf vorhandenen Wasserkraft-Altrechte wieder reaktiviert werden könnten. Geothermie wurde außen vor gelassen, weil hier ohne aufwändigste Untersuchungen keine gesicherten Prognosen möglich seien. Dagegen sei im Bereich der Biomasse – vor allem bei Holz und bei der Gülle – noch viel Potenzial vorhanden. Erst recht bei der Solarenergie: Hier ließe sich bei effizienter Nutzung vorhandener Flächen bis zu 77 Prozent des Strombedarfs abdecken, wenn man Freiflächenanlagen mit ins Kalkül nehme, sogar noch einiges mehr.

Strom erzeugen ist das eine, Strom sparen das andere: Darauf legten die ecb-Mitarbeiter größten Wert. Mit effizienteren, sprich neueren Geräten, mit einem konsequenten Abschalten der Stand-by-Funktionen ließen sich ohne weiteres 20 Prozent Strom oder 1,5 Millionen Euro Ausgaben für Strom einsparen – allerdings bei erheblichen Investitionen. Ähnlich sieht es auch bei der Wärmedämmung aus: Auch hier wären wenigstens 25 Prozent Wärmeenergie einzusparen, einschließlich der damit Hand in Hand gehenden CO2-Emissionen. Allerdings wäre hierfür richtig viel Geld notwendig – bei eher langsamer Amortisation, denn, so Osenstetter, »das Heizöl ist immer noch zu billig«. he