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Noch keine Entscheidung zum »Leader«-Beitritt

Nußdorf. Der Nußdorfer Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung die Entscheidung vertagt, ob die Gemeinde dem EU-Förderprogramm »Leader« beitritt. Schon zweimal zuvor hatte das Gremium über die Inanspruchnahme des Förderprogramms für den ländlichen Raum beraten, sich wegen Mangels an Informationen über Voraussetzungen und Fördermöglichkeiten aber bis jetzt zu keinem Beschluss durchringen können.

Ulrich Pietrusky, Geschäftsführer der »Leader«-Aktionsgruppe Chiemgauer Seenplatte, stand den Gemeinderäten für Fragen zur Verfügung, referierte aber zunächst im Allgemeinen über das EU-Programm. »Leader« ist nicht nur auf mehrere Gemeinden, sondern auf die Zusammenarbeit und den Zusammenhalt ganzer Regionen ausgerichtet. Die lokalen Aktionsgruppen fördern den Tourismus, Dienstleistungseinrichtungen zur Grundversorgung der ländlichen Wirtschaft und Bevölkerung, Maßnahmen der Dorfentwicklung und den Erhalt sowie die Verbesserung des ländlichen Natur- und Kulturerbes. Projekte der öffentlichen Hand, von Vereinen und Kirchen werden mit bis zu 50 Prozent der förderfähigen Kosten bezuschusst, private Projekte mit bis zu 25 Prozent, gebietsübergreifende mit bis zu 60 Prozent.

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2,2 Millionen Euro Fördergelder in fünf Jahren

Die Aktionsgruppe Chiemgauer Seenplatte, der die Gemeinde Nußdorf beitreten möchte, hat im Aktionszeitraum 2008 bis 2013 insgesamt Projekte mit einer Investitionssumme von 6,2 Millionen Euro realisiert. Dafür fließen 2,2 Millionen Euro an EU-Fördergeldern. Der Projektgruppe Chiemgauer Seenplatte gehören zurzeit 16 Mitgliedsgemeinden an.

Pietrusky erklärte, dass die Gemeinde Nußdorf dem Trägerverein beitreten müsse, falls sie das Förderprogramm nutzen möchte. Der Mitgliedsbeitrag wird sich im bevorstehenden Förderzeitraum 2014 bis 2020 auf jährlich rund 1900 Euro belaufen. Für das Regionale Entwicklungskonzept, das bis Ende 2014 fertiggestellt sein soll, damit die Förderung ab 2015 beginnen kann, wäre ein einmaliger Betrag von rund 1750 Euro zu zahlen. Pietrusky erläuterte, dass der bürgerorientierte Ansatz und das bürgerschaftliche Engagement Kernelemente des Förderprogramms sind, ähnlich konzipiert, wie dies in Nußdorf aus den Zeiten der Dorferneuerung schon bekannt ist.

Bürgermeister Hans Gnadl sprach sich für einen Beitritt aus, um den »Geist der Dorferneuerung« neu aufleben zu lassen. Franz Purzeller wollte wissen, ob Nußdorf in der Aktionsgruppe Chiemgauer Seenplatte willkommen sei oder ob ein Beitrittsgesuch auch abgelehnt werden könnte. »Wenn Nußdorf den Entschluss zum Beitritt fassen, dann ist die Gemeinde mit dabei«, betonte der »Leader«-Manager.

Dorferneuerung mit »Leader« weiterentwickeln

Gerhard Lackner zeigte sich skeptisch, ob die Summe, die für den Beitritt zum Trägerverein und für die Erstellung des regionalen Entwicklungskonzeptes zu zahlen sei, auch wieder »reinkommt«. Er sieht die Gemeinde Nußdorf gut aufgestellt und wüsste keine Projekte, die in den nächsten Jahren realisiert werden müssten. Sich unter dem Druck einer »Leader«-Mitgliedschaft Projekte aus den Fingern zu saugen, sei nicht sinnvoll, so Lackner.

Peter Volk sprach sich dem entgegen für einen Beitritt zur Aktionsgruppe aus. »Wenn der Gemeinderat vor 20 Jahren nicht für das Dorferneuerungsprogramm gestimmt hätte, würde die Gemeinde heute anders aussehen.« Das staatliche Förderprogramm der Dorferneuerung und Dorfentwicklung habe Nußdorf und seinen Ortsteilen sehr viel gebracht. Dies lasse sich mit »Leader« weiterentwickeln.

Gnadl forderte die Gemeinderäte auf, sich über mögliche zukünftige Projekte Gedanken zu machen und Vorschläge einzubringen. Bei der nächsten Sitzung des Gemeinderates am kommenden Dienstag wird das Gremium erneut über den »Leader«-Beitritt beraten. pv