weather-image
22°

Noch keine Entscheidung zu BayWa/Kaufland-Vorhaben

Traunreut. Die Entscheidung über die umstrittene Neuansiedlung eines großen Garten- und Baufachmarkt-Centers der BayWa mit einem zusätzlichen Kaufland-Markt im Nordosten von Traunreut wurde im Stadtrat nach über dreistündiger Beratung vertagt. Das Gremium verständigte sich mit 17:12 Stimmen darauf, erst in der Oktobersitzung zu entscheiden. Wie Bürgermeister Franz Parzinger nach einer kurzen Sitzungsunterbrechung und nach Rücksprache mit den Vertretern der BayWa erklärte, wolle er noch mit der Regierung von Oberbayern abklären, ob das Projekt in der geplanten Form Auswirkungen auf die Städtebauförderung habe.

Springender Punkt, die Entscheidung noch abzuwarten, war ein wirtschaftsgeographisches und städtebauliches Fachgutachten, das die Stadt in Auftrag gegeben hatte und das in der Sitzung von dem Wirtschaftsgeographen Dr. Ralph Popien und der Traunreuter Stadtplanerin Professor Anne Beer vorgestellt wurde.

Anzeige

In den Augen der Stadtplanerin würde das Vorhaben für Traunreut zweifellos einen »großen Fußabdruck« bedeuten. Das Projekt in der angedachten Form hätte nicht nur Auswirkungen auf die angrenzende Wohnbebauung »Walchenfeld«, es könnte auch zu einem räumlichen und strategischen Konflikt der Innenstadt führen. »Seine Realisierung wäre einmal kontraproduktiv hinsichtlich der derzeit laufenden Planungen zur Inwertsetzung der innenstadtnahen Flächenpotentiale im Westen der Stadt, zum anderen würde es die in seinem Umfeld bestehenden Ansätze zur Schaffung attraktiver Wohnanlagen in Frage stellen«, heißt es in dem zwölfseitigen Gutachten. Und weiter: »Unabhängig von den dargestellten wirtschaftsgeographischen und städtebaulichen Anforderungen sollte die Stadt versuchen, über entsprechende Planungsauflagen und geeignete Vergabeverfahren sicherzustellen, dass die Neuansiedlung attraktiver Handelsmagneten grundsätzlich zu einem zeitgemäßen, qualitativ angemessenen Architekturauftritt führt, und in diesem Sinne zusätzliche Imageträger für eine attraktive Stadt Traunreut geschaffen werden.« Unterm Strich sagt das Gutachten aus, dass der Standort des Projekts in der angedachten Form nicht wünschenswert ist.

Die Meinungen zu diesem Vorhaben waren bereits in der Vergangenheit gespalten. Die Frage zielte in die Richtung, ob eine solche zusätzliche Handelsansiedlung, wie Kaufland, vertretbar ist oder nicht. Vor allem die Geschäftsleute in der Innenstadt haben große Bedenken angemeldet und warnen vor einem Ausbluten der Innenstadt. So sei nach Aussagen von Christian Gerer (CSU) zu befürchten, dass die beiden Märkte in der Traunpassage und an der Traunwalchner Straße mit Umsatzeinbußen zu rechnen haben und in letzter Konsequenz schließen müssen. Diese Befürchtungen teilte u.a. auch Hans Baltin (Grüne). »Wir schaffen damit wieder ein neues Zentrum und die Leidtragende ist die Innenstadt«, betonte Baltin. Dass die wissenschaftliche Arbeit Sinn mache, ist nach Ansicht von Ernst Biermaier (Freie Wähler) nicht von der Hand zu weisen, aber letztendlich seien es die Verbraucher, die entscheiden, sagte 2. Bürgermeister Ernst Ziegler (SPD). Seine Fraktion stehe dem Vorhaben sehr positiv gegenüber und in seinen Augen »will das auch die Bevölkerung«, so Ziegler.

Wie berichtet, hatte zu dem Vorhaben auch die Traunreuter CSU eine Umfrage gestartet und knapp 7000 Postkarten verschickt, auf denen die Bürger ihre Meinung kundtun sollten. Die Frage lautete: »Sollen BayWa und Kaufland am vorgesehenen Standort gebaut werden?« Nach Angaben des CSU-Ortsvorsitzenden Reinhold Schroll, seien gut elf Prozent der Karten (772 Stück) zurückgekommen. 498 Absender (64,51 Prozent) hatten sich für die Gewerbeansiedlung im Traunreuter Nordosten ausgesprochen, 274 (35,49 Prozent) dagegen. »Wir wollten mit dieser Option das Meinungsbild der Bürgerschaft aufrufen und nicht Werbung für einen Baumarkt und dessen Partner machen«, betonte Schroll mit Nachdruck, nachdem Dr. Popien die CSU-Umfrage als »manipulative Vorbemerkung« kritisierte. Josef Winkler (Bürgerliste) regte an, die Entscheidung zu vertagen und die Bürger noch mehr ins Boot zu nehmen. »Wir sollten über die Vorschläge der Fachplaner nochmal intensiv diskutieren«, forderte Winkler. Fakt ist, dass aus Sicht der BayWa ein Neubau nur wirtschaftlich darstellbar ist, wenn das zusammen mit einem Partner geschieht. Mit der Kaufland-Kette hätte die BayWa, die ihren jetzigen Standort kündigen und neu und auch größer bauen möchte, auch einen Partner gefunden. Wie ein Vertreter der BayWa in der Sitzung erklärte, wolle der Baumarkt daran auch festhalten. ga