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Noch kein Mietvertrag für das alte Lehrerhaus in Kammer

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Schön langsam zum Schandfleck der Siedlung entwickelt sich das Grundstück mit dem alten Lehrerhaus in Kammer. Die letzten Mieter mussten vor eineinhalb Jahren ausziehen, ohne dass seither an dem Gebäude etwas gemacht worden wäre. Bürger kritisieren nun, dass die Stadt zum Schaden der Allgemeinheit über all diese Zeit ohne Not auf die Mieteinnahmen verzichtet hat.

Traunstein. Eine heilpädagogisch-therapeutische Wohngruppe für Jugendliche soll im alten Lehrerhaus an der Schmidstraße in Kammer entstehen (wir berichteten). Im Juni hat der Stadtrat beschlossen, das Haus dem Diakonischen Werk Traunstein zur Verfügung zu stellen. Die Renovierungs- und Umbaumaßnahmen muss das Diakonische Werk vornehmen und finanzieren. Die Kosten werden auf die Miete angerechnet.


Die Stadt und die Verantwortlichen des Diakonischen Werks Traunstein führen derzeit nach Angaben von Oberbürgermeister Christian Kegel Gespräche über die Möglichkeiten hinsichtlich der notwendigen Renovierungs- und Umbaumaßnahmen. Derweil nagt der Zahn der Zeit kräftig an dem alten Haus. Es ist seit mehr als eineinhalb Jahren unbewohnt. Den Mietern hatte die städtische Liegenschaftsverwaltung gekündigt, ohne dass eine konkrete Nachnutzung feststand.

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So habe die Stadt nach Ansicht von einigen Kammerer Bürgern ohne Not zum Schaden der Allgemeinheit auf Mieteinnahmen für mehr als eineinhalb Jahre verzichtet. Dass ein Gebäude, welches leersteht und den Winter über nicht beheizt wird, besonders leidet, dürfte ja hinlänglich bekannt sein.

Dazu hieß es seitens der Stadt, den Mietern habe man gekündigt, »weil sich das Gebäude aufgrund seines Alters, seines schlechten baulichen Zustandes und ohne zeitgemäße Ausstattung in vermietetem Zustand weder sanieren noch verkaufen ließ«. Berechnungen der Stadtverwaltung hätten ergeben, dass es am wirtschaftlichsten wäre, das Haus abzubrechen und aufgrund der großen Grundstücksfläche mit erweitertem Baurecht neu zu bebauen. Daher war beabsichtigt, das Gebäude zu verkaufen. Ein Wertgutachten sollte erarbeitet werden. Dazu kam es aber offenbar nie. Nachdem auch der letzte Mieter ausziehen musste, kam die Diakonie Anfang Februar 2013 auf den damaligen Oberbürgermeister Manfred Kösterke zu und bat ihn darum, dass die Stadt prüfen sollte, ob das Haus für die Unterbringung einer Wohngruppe geeignet sei. Die baulichen Untersuchungen seitens der Stadt in Zusammenarbeit mit der Diakonie haben ergeben, dass eine »Minimalsanierung« 300 000 Euro kosten würde.

Daraufhin, so teilte die Stadt auf Anfrage unserer Zeitung jetzt mit, habe die Diakonie das Nutzungskonzept nochmals überdacht und versucht, Kosten einzusparen. Die Untersuchungen und Verhandlungen mit der Diakonie (und auch notwendige Rückfragen seitens der Diakonie, unter anderem bei der Regierung von Oberbayern) haben über ein Jahr gedauert, bis man in den städtischen Gremien konkrete Vorschläge erörtern konnte.

Der von der Diakonie beauftragte Architekt ermittelt nun die konkreten Kosten für Umbau und Renovierung. Anschließend soll ein Mietver–trag unter Anrechnung der Umbaukosten abgeschlossen werden. Sollten diese Umbaukosten so hoch sein wie vermutet, dann wird die Stadt wohl für mindestens eineinhalb Jahrzehnte so gut wie keine Einnahmen aus dieser Immobilie haben. -K.O.-