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Noch in diesem Sommer wird der Rasen braun und stirbt ab

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Sie schauen nicht wirklich appetitlich aus, ernähren sich von Graswurzeln und sorgen dafür, dass der Rasen großflächig abstirbt: die Engerlinge des Gartenlaubkäfers (Bild links). Der Käfer selbst ist schön anzusehen, wird gerne mit dem Junikäfer verwechselt und tritt heuer im Chiemgau und im Rupertiwinkel in Massen auf.
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Der Gartenlaubkäfer schwärmt. Seit sich das Wetter Mitte vergangener Woche gebessert hat, beobachten immer mehr Gartenbesitzer in der Region, dass Hunderte, wenn nicht Tausende der etwa ein Zentimeter langen braunen Brummer über ihren Rasen fliegen. Und sie erinnern sich gewiss auch daran, dass die Flächen, über welche die Käfer jetzt schwirren, im Spätsommer vergangenen Jahres plötzlich braun wurden, weil das Gras abgestorben ist. Das droht in diesem Sommer noch in weit stärkerem Ausmaß. Jeder Käfer legt Dutzende Eier ab, aus denen binnen drei Jahren etwa zwei Zentimeter lange Engerlinge entstehen, welche sich von Graswurzeln ernähren.


Viele Gartenbesitzer glaubten noch im vergangenen Jahr, als der kleine braune Käfer im Chiemgau und Rupertiwinkel erstmals seit Jahren massenhaft auftrat, es handle sich um den aus ihrer Kindheit bekannten Junikäfer. Erst als sie im Spätsommer die massiven Schäden in ihren Gärten entdeckten und wir ausführlich berichteten, wurde ihnen klar, dass die putzigen Tierchen im Garten unerwünscht sind.

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Typisch für den Schaden, den die Larven des Käfers anrichten, sind die fleckenweise auftretenden Schäden im Rasen. Die Graspflanzen bleiben im Wachstum zurück und sterben ab. Wer sich nicht sicher ist, dass es tatsächlich die Engerlinge sind, welche für die braunen Flecken sorgen, der braucht nur einen Spaten zu nehmen und ein Stück Erde ausstechen. Er wird darin schnell etliche der weiß-grauen Larven entdecken, welche für die Schäden verantwortlich sind.

Wer um seinen Rasen fürchtet und etwas gegen die ungebetenen Tierchen unternehmen will, der tut sich schwer: Man kann die Käfer zwar relativ leicht fangen; aber wer stellt sich schon stundenlang in den Garten und hascht nach in der Luft langsam umherschwirrenden Insekten! Lange sind sie nicht in der Luft. Sie fliegen nur, um möglichst rasch einen Partner zu finden, sich zu paaren, auf dem Rasen zu landen und unverzüglich ihre Eier abzulegen.

Mit Nützlingen könnte man die sich entwickelnden Larven bekämpfen. Nützlinge (HM-Nematoden) sind Fadenwürmer, die für Menschen, Haustiere und Pflanzen völlig harmlos sind. Die Bekämpfung ist von Juni bis September möglich. Solche Nützlinge kann man im Fachhandel bestellen. Wer es mit Lockstofffallen versucht, muss ganz schön tief in die Tasche greifen. Mehr als 30 Euro kostet eine solche Falle und der Lockstoff zum Nachfüllen schlägt noch einmal mit an die 10 Euro zu Buche.

Angesichts dieser arbeitsaufwendigen, teuren und vielleicht nur beschränkt wirksamen Bekämpfungsmethoden wird manchem Gartenbesitzer keine andere Wahl bleiben, als die betroffenen Stellen in seinem Rasen auszutauschen. Dazu sollte man den Boden vorher mit einer Motorfräse gründlich durcharbeiten, um die Engerlinge abzutöten.

Unverhoffte Hilfe bekommen Gartenbesitzer auch von den Vögeln. In einem Garten in Traunstein fand sich dieser Tage ein ganzer Schwarm Spatzen ein, um die schwärmenden Käfer zu fangen. Wirklich dezimieren konnten sie diese aber nicht: Der Happen war den Vögeln meist zu groß und zu hart. Andernorts wurden Amseln auf der Jagd nach den Käfern beobachtet. Sie schaffen es im Gegensatz zu den Spatzen, den Chitinpanzer der Krabbler zu knacken.

Im vergangenen Jahr konnte man vielerorts auch beobachten, wie Bunt- und Grünspechte sich über die betroffenen Rasenflächen hermachten und die Engerlinge aus dem Boden pickten. Die Zahl der Spechte ist aber viel zu niedrig, als dass sie wirklich Abhilfe schaffen könnten. Bleibt nur die Hoffnung, dass Wettereinflüsse die im Boden lauernde Gefahr für den Rasen in ihrer Entwicklung hemmen und ein massenhaftes Schlüpfen verhindern.

Das freilich wird sich erst in drei Jahren zeigen. Die Käfer, die jetzt fliegen, sind das Produkt der Eier, welche die Gartenlaubkäfer vor drei Jahren abgelegt haben. Klaus Oberkandler