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Noch immer gravierende Abweichungen bei »Schwarzbau«

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Ruhpolding. So bald dürfte keine Ruhe in die »Schwarzbauaffäre« im Bebauungsgebiet »Am Zellerberg« einkehren. Der Bauausschuss lehnte nämlich auch den zweiten Tekturplan wegen »nicht erkennbarer Änderungen im Sinne der Ortssatzung« einstimmig ab.


Begonnen hat alles mit der nachträglichen Einreichung eines Tekturplanes im Februar durch die Bauherrin, die eine leitende Position beim Staatlichen Bauamt innehat. Dieser Plan enthielt aber gravierende Abweichungen zum ursprünglichen Bauplan und wurde darum vom Bauausschuss einstimmig abgelehnt. Das Landratsamt war der Ansicht, dass von den zehn festgestellten Abweichungen einige durchaus nachträglich genehmigungsfähig seien. Die Frist zur Vorlage der aktualisierten Planunterlagen wurde dann bis 28. Juli verlängert.

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»Im Vergleich zu der Satzung der Gemeinde ergeben sich aber weiterhin mehrere Abweichungen«, betonte Bauamtsleiter Hans Hechenbichler bei der jüngsten Sitzung des Gremiums. Unter anderem wurde festgestellt, dass das natürliche Gelände nach dem vorliegenden Tekturplan ohne Zustimmung der Gemeinde an der Ostseite bis zu 1,20 Meter aufgeschüttet und an der Westseite bis zu 2,30 Meter abgegraben wurde.

»Die Abgrabung mit einer vierreihigen Natursteinmauer an der Westseite widerspricht der Zielsetzung, wonach die topografische Situation durch bauliche Maßnahmen so wenig wie möglich verändert werden soll«, so Hechenbichler. Ebenso widerspreche der Aufzugsschacht den Regeln, genauso wie die fehlenden Dachüberstände, die mit mindestens 80 Zentimeter auszubilden seien. Auch die Stahlrahmen-Verschattungskonstruktion widerspreche der Festsetzung, wonach »einfache ungestaltete Metallkonstruktionen unzulässig sind«. Dazu komme jetzt die Tatsache, dass das hangseitig freiliegende Untergeschoß hätte nicht freigelegt werden dürfen. Außerdem sei dafür ein Flachdach mit Lichtkuppeln ohne Genehmigung erstellt worden.

In ihrer Stellungnahme argumentierte die Bauwerberin, dass nun »scheinbar divergierende Höhenangaben von Architekten und Landratsamt existieren«. Ihres Wissens nach sei aber das Gelände während der Bauzeit nicht aufgeschüttet oder wesentlich verändert worden. Sie habe darum die Vermessungsdaten von einem Ingenieurbüro überprüfen lassen, mit dem Ergebnis, dass »in der ursprünglichen Genehmigungsplanung fehlerhafte Daten eingetragen sind, die bisher wohl als relevante Bezugshöhen gegolten haben«. Die Firsthöhen würden zudem zeigen, dass sich der Neubau sogar unter der Firsthöhe der Umgebungsbebauung einfüge.

»Die Ausführungen zur Höhenlage hinsichtlich der Nachbarbebauung sind nachvollziehbar«, so die Gemeinde. Es müsse jedoch darauf hingewiesen werden, dass die gravierenden Veränderungen der Höhenlage vor der Bauausführung einer Genehmigung bedurft hätten. »Die falschen Angaben im genehmigten Eingabeplan sind durch die Bauherrin und deren Architekten zu verantworten«, so der Bauamtsleiter.

»Ich frage mich, was im Bauplan überhaupt noch stimmt«, meinte Ludwig Böddecker von der Vereinigung Ruhpoldinger Bürger. Bürgermeister Claus Pichler sagte abschließend: »Aus Sicht der Gemeinde enthält die zweite Tektur keinerlei Anhaltspunkte, wie den Bestimmungen der örtlichen Bauvorschrift auch nur annähernd entsprochen werden kann«. Hier werde eine Nachbesserung in Abstimmung mit dem Kreisbauamt und der Gemeinde erforderlich. Der Bauausschuss beschloss daraufhin einstimmig, den vorliegenden zweiten Tekturplan abzulehnen. hab