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»Noch haben wir alles einigermaßen im Griff«

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Seit knapp  zwei Wochen streiken rund 50 Mitarbeiter der Chiemgau Lebenshilfe Werkstätten. Den Betrieb erhalten derzeit die nicht streikenden Gruppenleiter aufrecht. Dauert der Streik noch lang, befürchtet der Geschäftsführer aber Lieferprobleme. (Foto: Rasch)

Traunreut – Für die Chiemgau Lebenshilfe Werkstätten GmbH (CLW) wird es eng. Der seit drei Wochen anhaltende Streik von rund 50 Mitarbeitern im Rahmen der bundesweiten Tarifstreiks im Sozialwesen, stellt für die Einrichtung eine große Herausforderung dar. »Noch haben wir alles einigermaßen im Griff«, sagte der CLW-Geschäftsführer Dr. Jens Maceiczyk dem Traunsteiner Tagblatt. Sollte der Streik weiter andauern, befürchtet der Geschäftsführer aber massive Probleme, den Lieferverpflichtungen nach zu kommen.


»Die Hälfte der Belegschaft ist nicht da, das sind knappe 50 Leute«, bedauert Maceiczyk mit Blick auf die insgesamt knapp 100 Gruppenleiter. Im Moment könne man den Lieferterminen der externen Kunden nur mit biegen und brechen nachkommen. Die Menschen mit Behinderung, die in der CLW arbeiten, könnten aufgrund des fehlenden Fachkräfte-Betreuungspersonals (Gruppenleiter) nur bedingt beschäftigt werden. In den Werkstätten an mehreren Standorten sind rund 400 Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung sowie psychischer Beeinträchtigungen beschäftigt. Die Einrichtung mit rund 140 Mitarbeitern bietet für regionale und überregionale Auftraggeber Produktionsmöglichkeiten und Dienstleistungen an.

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Vor dem Hintergrund, dass es sich bei der CLW um keine Einrichtung des sogenannten Öffentlichen Dienstes handle, sondern um eine GmbH, vertritt der Geschäftsführer die Meinung, dass die CLW nicht mit Kitas vergleichbar sei. »Wir sind eine gemeinnützige Kapitalgesellschaft.«

Wie lange der Streik noch anhält, ist unklar. Nach Angaben des stellvertretenden Geschäftsführers der Gewerkschaft ver.di des Bezirks Rosenheim, Robert Metzger, werden die Tarifgespräche am heutigen Mittwoch fortgeführt. Am morgigen Donnerstag soll entschieden werden, ob die Kompromissvorschläge angenommen werden oder nicht. »Wenn nicht, wird der Streik weitergehen«, so Metzger.

Weiter erklärte er, dass die CLW-Mitarbeiter die einzigen seien, die im ver.di-Bezirk Rosenheim im Rahmen des bundesweiten Tarifstreiks im Sozialwesen streiken. Die Mitarbeiter fordern mehr Aufmerksamkeit für die Behindertenhilfe. Die Behindertenhilfe stelle kein Randgruppenangebot dar, sondern ein unentbehrliches System unterschiedlicher Einrichtungen und Leistungen, auf das jeder im Bedarfsfall zurückgreifen könne, heißt es in einer ver.di-Presseerklärung. Anders als die Kinder- und Jugendarbeit werde die Behindertenhilfe häufig als Engagement für eine kleine gesellschaftliche Randgruppe betrachtet.

Allein in den Einrichtungen und Diensten der Behindertenhilfe der freien Wohlfahrtspflege arbeiten etwa 317 000 Beschäftigte, davon etwa 181 000 in Teilzeit. Die geringe Aufmerksamkeit habe folglich nichts mit der gesellschaftlichen und auch wirtschaftlichen Bedeutung der Behindertenhilfe zu tun, sondern mit mangelnder Wertschätzung. Ein Grund mehr, sich den Problemen der Behindertenhilfe gesondert anzunehmen. ga