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Nigerianische Babys in die Kirchengemeinde aufgenommen

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Pfarrer Thomas Tauchert taufte die beiden Babys Divine und Paul im Beisein der Eltern und der Taufpaten. (Foto: Mix)

Traunreut. Ganz im Zeichen eines besonderen Ereignisses stand eine Messe in der katholischen Kirche in Traunreut: Zwei kleine Buben, deren Eltern aus Nigeria stammen und nach langer, beschwerlicher Flucht in Traunreut eine neue Heimat fanden, wurden getauft und in die katholische Kirchengemeinde aufgenommen.


Pastoralreferentin Melanie Lüking stellte zu Beginn des Gottesdienstes die beiden nigerianischen Familien vor und machte deutlich, welche Strapazen die Erwachsenen auf ihrem Weg von Afrika nach Europa auf sich nehmen mussten. Die Mutter des zwei Monate alten Paul, Julie Akenuwa, gelangte mit ihren beiden größeren Kindern Sean und Rebecca über Spanien nach Deutschland. Sean und Rebecca wurden bereits in der Osternacht in der Traunreuter Kirche getauft und feierten im Mai die Erstkommunion. Die alleinerziehende Mutter und ihre drei Kinder haben bereits ein festes Aufenthaltsrecht in Deutschland und sind in der Kirchengemeinde gut integriert, besuchen regelmäßig die Gottesdienste.

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Jennifer Iduoze, die Mutter des kleinen Divine, war schwanger auf der Flucht über Griechenland nach Deutschland auf weiten Strecken zu Fuß unterwegs. In Deutschland kam schließlich auch der Vater des Buben nach und die kleine Familie wohnt nun schon seit einigen Monaten in Traunreut, wo sie sich sehr wohlfühlt. Vater Anthony hofft sehr, dass sie in Traunreut bleiben können und er sich dann eine Arbeit als Gärtner oder in der Landwirtschaft suchen kann. Über das Aufenthaltsrecht wird im September entschieden.

Melanie Lüking, die Patin von Divine, hofft, dass die Familie bleiben kann, denn sie will ihr Patenkind nicht gleich wieder verlieren. Sie hat mit der Familie schon seit deren Ankunft in Traunreut Kontakt, half bereits in vielen Angelegenheiten und erklärte sich schließlich gerne bereit, die Patenschaft des Buben zu übernehmen. Auch künftig wird sie sich um den Kleinen kümmern, denn für sie steht fest: »Es steckt mehr hinter einer Patenschaft als lediglich ein Geschenk zu Weihnachten zu überbringen. Ich nehme das sehr ernst und möchte die Familie in unsere Gemeinde hinein nehmen, ihnen hier ein richtiges Zuhause bieten.«

Auch die zweite Patin, Barbara Herning, war sofort bereit, Patin des kleinen Paul zu werden. Ihre Tochter arbeitet beim Diakonischen Werk und machte sie darauf aufmerksam, dass hier Hilfe gebraucht werde. Barbara Herning kümmert sich um Mutter Julie und ihre drei Kinder, tritt immer wieder als Übersetzerin auf, half bei der Wohnungssuche oder bei Behördengängen und ist einfach da, wenn es um alltägliche Probleme oder Erledigungen geht: »Ich helfe gern und es macht mir großen Spaß.« Sean und Rebecca werden außerdem von Nadja Schmuljevski betreut, die sich ehrenamtlich um sie kümmert, mit ihnen spielt und Unternehmungen macht. Vielfältige Unterstützung erhielten die Familien gerade in der Anfangszeit auch von Vera Scheffler von der Traunreuter Brücke, die mithalf, die notwendigsten Dinge für sie zu besorgen.

Pfarrer Thomas Tauchert nahm die Taufe der beiden Buben teilweise in englischer Sprache vor. So konnten die Eltern, die bisher nur bruchstückhaft Deutsch sprechen, auch verstehen, was passierte. Während Paul die Zeremonie über auf dem Arm seiner Patin schlummerte, sah sich Divine mit großen dunklen Augen um und protestierte auch leicht, als ihm der Pfarrer das Wasser über seinen Kopf laufen ließ. mix

Blattl Sonntag Traunstein