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»Niemals habe ich sie zu etwas gezwungen«

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Eine 45-jährige Hausfrau mit 80-prozentiger geistiger Behinderung und ihre damals zwölfjährige Tochter sollen im August 2014 in ihrer Wohnung in Waldkraiburg Missbrauchsopfer eines 45-jährigen »guten Freunds« des Familienoberhaupts geworden sein.


Gestern sagte die Mutter vor der Jugendschutzkammer am Landgericht Traunstein aus – wie tags zuvor ihr Kind in Abwesenheit des Angeklagten. Die Mutter schilderte, der 45-Jährige habe ihr Komplimente und Avancen gemacht. Sie habe erwidert: »Ich bin krank, lass mich in Ruhe.« Er habe gesagt, andere Frauen täten es auch. Sie habe ihn als »ehrlosen Mann« beschimpft: »Du bist kein Freund.« Der Prozess wird am 17. und am 20. November, jeweils um 9 Uhr, fortgesetzt.

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Die Zeugin bestätigte gestern wichtige Teile der Anklageschrift von Oberstaatsanwalt Karl Schneider, die auf sexuellen Missbrauch eines Kindes sowie einer widerstandsunfähigen Person, jeweils in mehreren Fällen, lautet. Die 45-Jährige berichtete sowohl vom sexuellen Missbrauch der damals zwölfjährigen Tochter als auch von zweimaligem Geschlechtsverkehr des Angeklagten mit ihr selbst.

Der 45-Jährige sei an einem Tag ins Kinderzimmer gegangen, habe seine Unterhose ausgezogen, dann sie und die Tochter gefragt, ob sie »das Ding« anfassen und massieren würden. Beide hätten das abgelehnt. Er habe sie jedoch dazu gezwungen. Auf Frage von Vorsitzendem Richter Dr. Klaus Weidmann nach dem Grund, gegen ihren Willen mitzumachen, meinte die 45-Jährige: »Ich weiß es nicht. Er hat gedroht, es meinem Mann zu erzählen oder die Familie umzubringen.«

Der Zeugin bereitete es sichtlich große Mühe, von Missbrauchshandlungen zu berichten. Sie beteuerte mehrmals, alles nicht gewollt zu haben. Das habe sie dem Mann auch gesagt. Der Vorsitzende Richter zitierte den Angeklagten, der behauptet hatte, man habe ein Liebesverhältnis gehabt. Der Geschlechtsverkehr mit der Frau sei einvernehmlich erfolgt.

Mutter hatte aus Angst mitgemacht

Das verneinte die 45-Jährige: »Ich habe ihn nicht geliebt wie einen Mann. Er war nur ein Freund.« Beisitzende Richterin Barbara Rücker hakte nach. Die Zeugin blieb dabei. Sie habe nie freiwillig, lediglich »aus Angst« mitgemacht. Ihr Ehemann habe sie verstanden und ihr verziehen.

Der Angeklagte mit Verteidigerin Verena Huber aus Altötting zur Seite reagierte auf die Aussage: »Diese Beschuldigungen akzeptiere ich nicht. Niemals habe ich sie zu etwas gezwungen.«

Die 24-jährige Tochter hatte den Angeklagten am ersten Verhandlungstag beschrieben als »sehr hilfsbereiten Menschen«, der der Familie viel Hilfe geleistet habe. Sie habe von einer Freundin nach der Rückkehr aus dem Urlaub am 1. September 2014 gehört, die Mutter und die kleine Schwester würden sich »komisch verhalten – vor allem wenn sie den Angeklagten sehen«. Später habe sie von der Schwester mehr erfahren und den Vater informiert. Gemeinsam sei man zur Polizei gegangen.

Bezüglich der Mutter habe sie auch etwas herausgefunden, wenn auch keine Einzelheiten, fügte die 24-Jährige an. Ein Liebesverhältnis zwischen dem Angeklagten und der Mutter könne sie sich nicht vorstellen. kd