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Nicht nur Milchbauern kämpfen ums Überleben

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Als kleine Anerkennung für den Festvortrag beim Kreisbauerntag erhielt BBV-Vizepräsident Günther Felßner (2. von links) eine Auswahl von Milchprodukten. Sie wurde von Kreisobmann Sebastian Siglreithmayer (links) sowie Kreisbäuerin Resi Schmidhuber und BBV-Kreisgeschäftsführer Reinhard Lampoltshammer überreicht. (Foto: M. Peter)

Altenmarkt – »Die bäuerliche Landwirtschaft ist zu erhalten und zukunftsfähig, da diese Form der Landwirtschaft von der Gesellschaft gewollt wird!« Das betonte der Vizepräsident des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), Günther Felßner, beim Kreisbauerntag im Festzelt in Rabenden.


Die Region sei sehr eng mit der Landwirtschaft verbunden. Und das nicht nur aus historischer Sicht, sondern aus wirtschaftlichen Gründen, hob Landrat Siegfried Walch hervor. Die Landwirtschaft bilde seit jeher die Basis einer florierenden Wirtschaft im Landkreis. Zum Thema Bürokratie meinte der Landrat, davon sei nicht nur die Landwirtschaft betroffen, sondern alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche. Der Abbau der Bürokratie werde zwar gefordert, aber dann würden wiederum Regelungen gefordert. Zur aktuellen Situation der Landwirtschaft sagte Walch, nicht nur die Politiker seien gefordert, sondern auch die Verbraucher, die mit ihrem Einkaufsverhalten den Markt mitbeeinflussen könnten.

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Einleitend zum Festvortrag von Felßner sagte Kreisobmann Sebastian Siglreithmayer, dass es in der Landwirtschaft an allen Ecken und Enden brenne. Dabei sei es egal, ob es sich um den Bereich Milch, Ferkel, Schweine oder Getreide handle. Verschärft werde die Situation noch dadurch, dass ständig neue Forderung und zusätzliche Auflagen seitens der Politik kämen und die landwirtschaftlichen Familienbetriebe weiter belasteten, so Siglreithmayer.

Die Landwirte würden im Grunde in der ganzen EU ums Überleben kämpfen, sagte Felßner. Der Milchpreis stehe immer wieder in der Presse, doch würden die Bauern in den anderen Bereichen wie Ferkelerzeugung oder Getreideanbau ebenso um ihre Existenz kämpfen. Der Preisdruck habe mehrere Gründe und sei mitunter dem Russland-Embargo, den niedrigen Rohölpreisen, der schwächeren Kaufkraft in China, aber auch der Rekordernten der letzten vier Jahre geschuldet. Wobei natürlich bei 800 Millionen hungernden Menschen auf der Welt die Rekordernten positiv seien, schob Felßner nach. Hinzu komme, dass der Handel die Lage ausnutze und die Preise weiter drücke, so Felßner.

Auch ging der BBV-Vizepräsident darauf ein, dass der Landwirtschaft jeden Tag Flächen durch die Versiegelung entzogen würden. Die Regelung aus dem letzten Jahrhundert, dass bei einer Flächenentnahme durch Bebauung noch zusätzlich Flächen aus der Produktion genommen werden müssen, müsse unbedingt neugestaltet werden, forderte Felßner. Der größte Unsinn sei dabei, wenn zum Beispiel für ökologische Maßnahmen zur Durchführung der Energiewende, also für eine ökologische Maßnahme, zusätzlich ökologische Ausgleichsflächen erforderlich seien, meinte der Vizepräsident.

Ein weiteres Thema von Felßner war die Diskussion um eine Mengenregelung. Er meinte, über 30 Jahre habe es eine Quote gegeben, die aber weder den Milchpreis stützte noch verhinderte, dass Milchviehbetriebe aufhörten. Es werde immer wieder von Teilen der Landwirtschaft die Wiedereinführung der Milchquote gefordert. Doch müsste der Staat dann zum Beispiel die Härtefälle für Bauern, die gerade investiert hätten, oder die Mengenflüsse auf den freien Märkten regeln. Hier müsse die Diskussion ehrlich geführt werden. Die Betriebe müssten über die Markterlöse ein starkes Einkommen akquirieren und dazu passten nicht die Extensivierung der Betriebe, sondern die nachhaltige Bewirtschaftung, sagte Felßner. Eine weitere Einkommensquelle müssten die Ausgleichszahlungen für Leistungen der Landwirtschaft, die über die ausgewogene Nahrungsmittelproduktion gingen, bilden. MP