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Nicht nur die Landwirte sind schuld

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Siegsdorf – »Bienensterben – Was passiert danach?«. Unter diesem Motto fand eine Informations- und Diskussionsveranstaltung des CSU-Arbeitskreises Umweltsicherung und Landesentwicklung (AKU) auf der Männeralm in Alzing bei Siegsdorf statt.


Gastgeber Wolfgang Lewald, der selbst 50 Bienenvölker betreut, 30 davon auf der Männeralm, stellte die Problematiken des Bienensterbens aus Sicht der Imker vor. Ein aktuelles und akutes Problem ist seiner Ansicht nach die Unterversorgung der Bienen mit Pollen. Früher konnte ein Bienenstock 80 bis 100 Kilogramm zusammentragen, inzwischen sind es nur noch klägliche 40 Kilogramm. In der wichtigen Zeit von Anfang Mai bis Ende Juni zählt der Löwenzahn zu den Hauptpollenquellen. Dieser verschwindet aber mehr und mehr aus den privaten Gärten, der Landschaft und den intensiv genutzten Wiesen. Blühende Wiesen, blühende Obstanger oder auch mal eine große Linde in den Dörfern sind seltener geworden.

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Zusätzlich zum unkalkulierbaren Wetter sei außerdem die hohe Ausfallquote bei den Völkern von bis zu 50 Prozent problematisch. Deshalb sei die Nachzucht der heimischen Sorten immens wichtig. Zu vermeiden seien importierte »Paketbienen« aus anderen Ländern.

Sebastian Siglreithmayer, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands, ging speziell auf die intensive Wiesennutzung ein. Die meisten heimischen Landwirte würden nach wie vor von Milchvieh leben, und da sei eine gute Grundfutterleistung durch mehrere Mähgänge der Wiesenflächen essentiell. Wenn hier zurückgesteckt werden müsse, bedeute das im Umkehrschluss, dass die Bauern mehr Kraftfutter und somit auch mehr Chemie einsetzen müssen.

Ein weiteres Problem seien nach Ansicht der Siegsdorfer Imker die sogenannten Blühstreifen an den Feldrändern. Da diese im Regelfall an intensiv bewirtschaftete Ackerflächen angrenzen, laufen die Bienen hier Gefahr durch Pflanzenschutzmittel verunreinigtes Wasser aufzunehmen. Das hat zum Teil zur Folge, dass die Tiere Probleme bei der Orientierung haben. Noch problematischer sei aber die teilweise unkontrollierte und massive Anwendung unterschiedlichster Gifte durch Hobbygärtner in heimischen Garten.

Weiteres Thema waren die extensive und die biologische Bewirtschaftung von Wiesen- und Ackerflächen. Hier stellte stellvertretende Landrätin und Kreisbäuerin Resi Schmidhuber klar, dass bio nicht gleich extensiv sei. Auch die biologischen Landwirte würden ihre Wiesen- und Ackerflächen intensiv bewirtschaften, um die notwendige Futterleistung zu erreichen. Zudem stelle sich auf nährstoffreichen Wiesen kaum eine artenreiche Blühwiese ein.

Ein weiterer Einwand kam von Ludwig Mair aus Kienberg. Er produziert in seinem landwirtschaftlichen Betrieb unter anderem Raps. Seit geraumer Zeit sei die Neonikotinoide-Beize nicht mehr als Pflanzschutz für Raps zulässig. Die Quintessenz ist, dass er nun auf ein anderes Pflanzenschutzmittel ausweichen und – anstatt einmal jährlich – dreimal spritzen muss.

AKU-Kreisvorsitzender Josef Mayer resümierte mit Blick auf das Verhältnis zwischen Landwirten und Imkern, dass es nur miteinander gehe und nicht gegeneinander. Auch können wohl die Landwirte nicht alleine für das Bienensterben verantwortlich gemacht werden. Die privaten Heimgärtner seien ebenso gefordert wie die Kommunen – statt einer Thuje zur Garten- oder Landschaftsgestaltung dürfe es ruhig auch mal wieder eine Linde oder ein Obstbaum sein. fb