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Nicht noch mehr Verkehr, Lärm, Stress und Abgase

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Mit einem sogenannten »Südostbayern Manifest« wollen der Umweltschutzverband Alztal und Umgebung (UVA), das Netzwerk Bürgerallianz Grenzenlos und das Bundesnetzwerk Verkehr mit Sinn eine Verkehrswende anstoßen. Ihnen geht es darum zu zeigen, wie man die Mobilität in der Region verbessern kann, ohne nur immer noch mehr und noch größere Straßen zu bauen. Initiiert wurde dieses »Südostbayern-Manifest« von UVA-Vorsitzender Gisa Pauli aus Trostberg und Netzwerksprecher Ulrich Kühn aus Waging.


In dem 24 Seiten umfassenden Konzept wurden Ideen zusammengetragen, wie zukünftig mehr Mobilität durch weniger Verkehr aussehen könnte. Die Verfasser wollen damit ausdrücklich belegen, dass sie keine »Nein-Sager« sind, sondern realistische Alternativen aufzeigen wollen.

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Für die Verfasser des Manifestes steht fest, dass Fußgänger und Radler in alle Verkehrsüberlegungen maßgeblich mit einbezogen werden müssen und dass der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) auf der Straße wie auf der Schiene gefördert werden muss. Dabei sollten Bahn und Bus häufiger fahren, die Fahrpläne sollten ortsbezogen und leicht durchschaubar sein, an den Haltestellen sollte es Auskunftsmöglichkeiten geben. Die öffentlichen Verkehrsmittel sollten sich sinnvoll ergänzen, sie sollten miteinander verbunden werden und zu festen Zeiten verkehren. Dazu wird weiter vorgeschlagen, dass auch die privaten Busunternehmen, die zumeist zu Schülertransporten unterwegs sind, in die Gesamtplanungen mit einbezogen werden. Dies würde ein dichteres Netz ergeben, womöglich auch Busse besser auslasten und damit Kosten sparen. Car-Sharing, Kleinbusse und Taxen sollten, gerade auf dem flachen Land, das ÖPNV-Angebot ergänzen und ausbauen.

Letztendlich aber gehe der Erfolg wesentlich über den Preis. Mit niedrigeren Preisen – vor allem für Pendler und Vielfahrer – und dazu mit übersichtlichen Tarifen, eventuell ergänzt durch kostenlose Schnupperangebote, ließen sich dem Konzept zufolge sicherlich mehr Mitfahrer in den ÖPNV-Systemen finden.

Für eine funktionierende Mobilität ohne noch mehr Verkehr und Umweltbelastung müsse, so eine weitere Forderung im Konzept, nicht nur in der Verkehrs-, sondern auch in der Städteplanung umgedacht werden. Genannt werden unter anderem: Ausweisung von Gewerbegebieten so bündeln, dass die Zulieferer nicht durch Wohngebiete fahren müssen, Innerorts-Durchfahrten auf 7,5 Tonnen beschränken, Umfahrungen für den Schwerverkehr einrichten, Fußgängerzonen sowie Rad- und Fußwege sinnvoll anlegen und beschildern, Parkplätze gut situiert schaffen, wohnortnahe Einkaufsmöglichkeiten.

Weiter haben die Verfasser des Konzepts zahlreiche kleine, aber effektive Anregungen aufgelistet: entlang der Fußwege für Ruhebänke und WCs sorgen, ein Kinderwegenetz mit Spielgelegenheiten anlegen, Querungshilfen schaffen mit kurzen Wartezeiten, Gehwege breit und gut beleuchtet sowie ausreichend ausgeschildert auslegen, Barrierefreiheit beachten.

Auch soll der Radverkehr mehr berücksichtigt werden. Das Fahrrad sei ein Gewinn für den Ausbau von Mobilität, so die Macher des Konzepts. Daher gibt es von ihnen unter anderem folgende Anregungen: gefahrlose Überquerung von Straßen ermöglichen, ausreichend Abstellmöglichkeiten zur Verfügung stellen, Ausleihen von Fahrrädern, insbesondere auch von E-Bikes, organisieren und verstärken, Ladestationen dafür einrichten.

Viel Platz nimmt im »Südostbayern-Manifest« die Schilderung der aktuellen Verkehrssituation ein, die mit ständigen Straßen-Neubauten, Verlust von Wohn- und Lebensqualität, Flächenverbrauch, Naturzerstörung, CO2-Ausstoß so nicht mehr auf Dauer hinnehmbar sei. Entschieden wenden sich die Autoren gegen Aussagen von Politik und Wirtschaft, dass die Verkehrswege dringend noch weiter ausgebaut werden müssten. In der Studie geht man dagegen davon aus, dass der Verkehr letztlich – allein schon aus Kostengründen – eher zurückgehen werde, zumindest der private Autoverkehr. Es sei also durchaus nicht abwegig zu erwarten, dass zumindest in ländlichen Regionen der Verkehr eher abnehmen werde. Dem Thema Verkehrsvermeidung sollte hohe Priorität eingeräumt werden. Lösungen sollten gesucht werden, um die Fahrzeuge besser auszulasten, um etwa das Nebeneinander ungezählter Paketdienste zu vermeiden. Der Satz, nach dem Konkurrenz das Geschäft belebe, müsse hier aus Umweltgesichtspunkten neu überdacht werden, heißt es in dem Konzept.

Große Kritik gibt es in dem Mobilitätskonzept am ÖPNV im Landkreis Traunstein. Was anhand von Liniennetzplänen hervorragend ausgestaltet aussehe, sei in Wirklichkeit eine Täuschung. Viele Fahrten seien etwa nur an Schultagen möglich. So könne eine Fahrt von Fridolfing nach Traunstein (31 Kilometer) bis zu drei Stunden dauern, wenn man auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist.

»Unser Land hat eine bessere Verkehrspolitik verdient«, heißt es am Schluss dieser Stoffsammlung zum Thema Mobilität. Und um hier einen Anstoß dazu zu setzen, wollen die federführenden Verfasser des »Südostbayern-Manifests« ihr Papier an Landrat Hermann Steinmaßl und Verkehrsminister Peter Ramsauer persönlich überreichen. Sie verbinden damit den großen Wunsch, wenigstens einmal mit den führenden Verkehrsförderern in Bund und Landkreis an einem Tisch zu sitzen und miteinander darüber zu diskutieren. he

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