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Nicht jeder muss Ökolandwirt werden

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Taching am See. Die Teilnahme an der Bewerbung zur Ökomodellregion »Waginger See« (wir berichteten) hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen.


Ende Oktober erkennt das Landwirtschaftsministerium aus allen Bewerbungen fünf Regionen als Ökomodellregionen an. Für diese gibt es Förderprogramme in den Bereichen Verarbeitung und Vermarktung, Landwirtschaft, Hotellerie, Gastronomie, Naturpädagogik und Energiemanagement. Dabei werden ausdrücklich nicht nur ökologische Produkte gefördert, sondern auch regionale Angebote. Die Bewerbung erstellt Marlene Berger-Stöckl, bekannt vom Umweltverband Chiemsee.

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Vor der Bewerbung braucht es noch viele Gespräche

Bürgermeisterin Ursula Haas sagte, »es bringt nur Vorteile, wenn man das Thema gemeinsam anpackt« und nannte die Modellregion Achental als Beispiel. Berger-Stöckl sagte, vor der zehnseitigen Bewerbung seien viele Gespräche notwendig. Die Gemeinden müssten sich einigen, was in den nächsten beiden Jahren umsetzbar sei. Mittelfristige Projekte sollten als Perspektive dazu geschrieben werden. Es müsse nicht jeder Ökolandwirt werden, aber wenn, dann sollte er unterstützt werden.

Jede Gemeinde entscheide über Einzelprojekte, es müssten nicht alle alles gemeinsam machen. Ein gutes Beispiel sei das Ökomodell Achental – »die bekommen fast alle Förderungen, die sie beantragen«. Das Projekt solle von unten wachsen. »Das wird keine Ökodiktatur.«

Josef Huber meinte, »wenn wir mitmachen, sollte was umsetzbares rauskommen.« Während Martin Thaller die Bewerbung als »für uns ideal«, vor allem auch in touristischer Sicht, ansah, warnte Markus Haselberger vor einem Aufschrei der Bauern. Nochmals betonte Berger-Stöckl, dass auch konventionelle Betriebe mitmachen könnten, zum Beispiel mit Blühstreifen um die Felder – Vorschläge sollten von den Landwirten selbst kommen.

Zweiter Bürgermeister Michael Kaiser meinte, bei fast allem Bekannten sei die Umsetzung der landwirtschaftlichen Leuchtturmprojekte gescheitert – »das wird uns in unserer Region noch viel schwieriger fallen«. Zudem sei das Achental »mit uns überhaupt nicht vergleichbar«. Haselberger bemerkte, viele Direktvermarkter hätten wieder aufgehört, es wäre gut, etwas gegenläufiges zu bewirken. Albert Helminger sagte, er könne jeden verstehen, der aufhört, »und auch bei der Ökolandwirtschaft habe ich doch meine Gülle.«

»Es gibt so viele kleine Möglichkeiten auch für die konventionellen Landwirte«, so Berger-Stöckl. Den Landwirten fällt da sicher viel ein. Auch Heinrich Riesemann zeigte sich zuversichtlich. Beim Auerberger und Kärntner Modell am Weisensee seien für Bauern Einnahmequellen zum Beispiel mit Badestränden geschaffen worden. »Bei uns ist der Umweltschutz viel zu dominierend und versperrt alle Zugänge.«

»Das Modell passt nicht in unsere Region«

»Das Modell passt nicht in unsere Region«, kritisierte Kaiser nochmals. »Mir geht die klare und konkrete Zieldefinition ab.« Viele Besprechungen würden viel Zeit kosten. Es gehe immer wieder um die Landwirtschaft, früher oder später würde zwischen gut und böse unterschieden. Zudem brauche jede Region einen Manager, der wieder Geld koste – das man dann nicht mehr für Projekte einsetzen könne. Bei Region aktiv sei mit über 100 000 Euro fast nichts rausgekommen.

In einer exportorientierten Region sei es zudem hochproblematisch, regional zu denken. »Was ist, wenn der Meindl seine Schuhe oder Bergader seinen Käse nicht mehr verkaufen?« Jedes einzelne Projekt koste mehr Zeit als der Flächennutzungsplan. »Wir sollten, bevor wir so etwas machen, uns das im Achental anschauen, da gibt es sehr viele Enttäuschte. Wir sind bisher finanziell ganz gut gestellt und können auch gut zusammenarbeiten.«

Bärbel Mayer befürchtete, die Ökoregion würde momentan eher negativ aufgefasst. Ein Beispiel in Österreich funktioniere super – öko und konventionell – »da sind aber auch die Verbraucher anders.« Da müssten hier sehr viele Leute viel Arbeit leisten und aufpassen, dass die konventionellen Bauern nicht auf der Strecke bleiben.

Bürgermeisterin Ursula Haas distanzierte sich ausdrücklich von dem globalisierungskritischen Netzwerk Attac: »Wir sollten der Attac nicht das Feld überlassen, die die Arbeit der Gemeinden leider sehr durcheinander bringt. Die Leute werfen alles in einen Topf, die Landwirte werden angefeindet und stehen ungewollter Weise ganz schlecht da«. Haselberger betonte nochmals die Angst, dass Druck auf die konventionellen Landwirte kommt. Am Ende beschloss der Gemeinderat trotz dreier Gegenstimmen die Beteiligung an der Bewerbung. fr