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Doch ein Neubau in Kammer? »Nicht als Zeitverzögerung, sondern als Chance sehen«

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Traunstein: Doch ein Schul-Neubau in Kammer? »Nicht als Zeitverzögerung, sondern als Chance sehen«
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Sanierung oder Neubau? Diese Frage stellt sich nun erneut im Zusammenhang mit der Grundschule in Kammer. (Foto: Reiter)

Traunstein – Alles wieder auf Anfang: Eigentlich war die Entscheidung für eine Sanierung der Schule in Kammer bereits gefasst, nun steht ein Neubau erneut im Raum. Einem entsprechenden Änderungsantrag von CSU, UW und der Initiative für Traunstein wurde mit 17 zu 14 Stimmen im Stadtrat zugestimmt. Grüne, SPD/Die Linke und Traunsteiner Liste waren dagegen.


»Das ist ein Thema, das uns schon mehrfach beschäftigt hat«, betonte Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer. Außer Frage stehe, dass in Bezug auf die Schule in Kammer Handlungsbedarf bestehe. Er sprach von »erheblichen Kosten« für einen Neubau. Trotzdem sprach er sich dafür aus, »das Ganze noch einmal aufzurollen«.

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Die Stadt geht davon aus, dass eine Sanierung der alten Schule rund 1,8 Millionen Euro kosten würde – wobei mit einer Förderung von 900.000 Euro zu rechnen ist. Keine Förderung gibt es voraussichtlich für einen Neubau der Schule, da die Kosten 30 Prozent über denen für eine Sanierung liegen.

Zwei Optionen sollen trotzdem näher betrachtet werden: Ein Neubau auf städtischem Grund am Sportplatz. Problem hier ist die Zufahrt zu dem Gelände, die Stadt geht daher von Erschließungskosten von 500.000 Euro aus. Insgesamt liegen die Schätzungen für einen Neubau in der Größe der jetzigen Schule bei rund fünf Millionen Euro inklusive der Erschließungskosten, für eine etwas größere Schule (25 Prozent mehr Fläche) bei rund 6,1 Millionen Euro. »Neu in der Waagschale« sei ein Grundstück westlich der Kreisstraße am Ortsausgang von Rettenbach, sagte Hümmer. Hier sei ein Privateigentümer auf die Stadt zugegangen. »Die Erschließung wäre hier wesentlich günstiger«, betonte er.

CSU-Fraktionsvorsitzender Konrad Baur stellte den Änderungsantrag im Stadtrat kurz vor. »Diese Entscheidung schnell und überhastet zu treffen, macht keinen Sinn. Wir sollten uns die Zeit nehmen«, betonte Konrad Baur. Im Wesentlichen sieht der Antrag von CSU, UW und Initiative für Traunstein Folgendes vor: Von den vorliegenden Sanierungsplänen für die Grundschule Kammer wird vorerst Abstand genommen. Die Stadtverwaltung soll bis nach der Sommerpause die Grundstücksfrage hinsichtlich eines möglichen Neubaus klären. Insbesondere sollte hier mit den betreffenden Grundstückseigentümern über notwendige Zufahrtsmöglichkeiten und/oder Tauschgeschäfte verhandelt werden.

Geprüft werden sollte des Weiteren noch einmal, ob es nicht doch eine Möglichkeit zur Förderung eines Neubaus gibt. In der ersten Hälfte des kommenden Jahres soll dann entschieden werden, ob auf die bereits bestehenden Sanierungspläne der Schule zurückgegriffen wird oder doch ein Neubau realisiert werden soll.

Zweite Bürgermeisterin Burgi Mörtl-Körner (Grüne) verstand diese Kehrtwende nicht. »Für mich besteht kein Zweifel daran, dass wir die Schule so schnell wie möglich sanieren müssen«, betonte sie. Außerdem fragte sie aufgrund der hohen Kosten für einen Neubau, wie das Ganze überhaupt finanziert werden soll. Sie und ihr Fraktionskollege Wilfried Schott sprachen sich für eine Sanierung aus – auch, weil das deutlich schneller gehe.

Peter Forster (SPD/Die Linke) kritisierte, dass die Entscheidung längst getroffen war. »Das passt wohl einigen nicht und das sehen wir jetzt.« Er verstehe nicht, warum eine mögliche Förderung für einen Neubau erneut geprüft werden soll. »Das wurde doch bereits geprüft. Wie viele Untersuchungen soll es denn noch geben?«

Ulrike Hoernes (Traunsteiner Liste) sagte, dass bereits zwei Jahre vergangen seien und man der Schule versprochen habe, Abhilfe zu schaffen. »Eine Sanierung würde viel schneller gehen«, sagte auch sie.

Für Denis Holl (SPD/Die Linke) macht eine Sanierung aus zwei Gründen mehr Sinn: »Aus Haushaltssicht und aus ökologischen Gesichtspunkten. Lieber etwas Altes erhalten, als etwas Neues zubetonieren«, sagte er.

»Wir sollten das nicht als Zeitverzögerung, sondern als Chance sehen«, sagte hingegen Georg Osenstätter (Initiative für Traunstein). Denn hier gehe es nicht nur um die Schule in Kammer, sondern um eine Ortsteilentwicklung für die kommenden 20 oder 30 Jahre. Mit dem Änderungsantrag spreche man sich nicht für einen Neubau aus. »Wir können jederzeit auf eine Sanierung zurückgreifen«, betonte er.

Thomas Stadler (Grüne) sprach »den großen Vorteil von Kammer« mit Schule, Hort und Kindergarten an einem Ort an. »Das ist für das Zusammenspiel sehr wichtig. Das haben wir gerade auch wieder in der Coronakrise gesehen«, betonte er.

Ernst Haider (UW) machte klar, dass seine Fraktion nur für einen Neubau sei, wenn es auch eine Förderung gebe. Was ihm in der ganzen Debatte zu kurz kam, war die Problematik mit dem Verkehr an der jetzigen Schule. »Da haben wir immer wieder da-rüber diskutiert. Da geht auch eine Gefahr davon aus«, betonte er. Doch davon sei jetzt nichts zu hören.

Ursula Lay (UW) gab zu bedenken, dass der Standort Kammer davon lebe, dass Traunsteiner Eltern gerne ihre Kinder dort hinschicken. Sie wisse nicht, wie das aussehe, wenn die Schüler aufgrund einer Sanierung in Containern unterrichtet würden. Außerdem betonte sie: »Auch die Grundschule Haslach und der Kindergarten Haslach arbeiten sehr gut zusammen.« Und diese lägen nicht direkt nebeneinander. »Es ist einfach unsere Aufgabe, alle Optionen zu prüfen«, betonte Oberbürgermeister Christian Hümmer und ergänzte: »Aber eine Entscheidung muss schnell getroffen werden. Unser Zeitfenster ist schmal.« KR

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