weather-image

Nicht alles unter dem Gesichtspunkt des Nutzens sehen

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Auf der schön geschmückten Bühne im Waginger Kurhaus umrahmten Landfrauenchor und Lenzensberg-Saitnmusi den Gottesdienst, der von Pater Franz aus Maria Eck geleitet wurde. Foto: Eder

Waging am See – "Freuen wir uns, dass wir Zeit miteinander haben. Wir erleben, dass wir zusammengehören und gemeinsam auf dem Weg sind": Diese Feststellung – ein perfektes Motto für den alljährlichen Landfrauentag – stellte Pater Franz aus Maria Eck an den Beginn seiner Predigt vor hunderten von Landfrauen im Waginger Kurhaus.


Er appellierte an alle, das "Gespür für die Geheimnisse der Dinge" nicht zu verlieren, Mitmenschen, Tiere und die Natur insgesamt als Brüder und Schwestern anzunehmen und nicht alles nur noch unter den Gesichtspunkten Profit und Nutzen zu sehen.

Anzeige

Vor dem Gottesdienst stellten sich Kreisbäuerin Irina Esterbauer und ihre Stellvertreterin Christine Schuhegger, die heuer im Februar neu gewählt worden sind, den Landfrauen nochmals kurz vor.

Pater Franz witzelte bei seiner Begrüßung, er als "Wald-und-Wiesen-Wallfahrtspater" freue sich, aus Anlass des Landfrauentags mal die Möglichkeit gehabt zu haben, hinter den Klostermauern hervorzukommen. Wie man ja hören könne, sei er ein Franke, kein Bajuware, habe aber schon hiesiges Selbstbewusstsein gelernt – und gab dafür ein Beispiel: Genau wie einst der Missionar Korbinian komme er aus dem Frankenland und er sehe zu, ob er das vollenden könne, was Korbinian nicht ganz gelungen sei.

Wieder ganz im Ernst stellte Pater Franz dann fest, dass – auch wenn es uns sehr gut gehe – nicht alles Gold sei, was glänzt. Die Schere zwischen arm und reich klaffe weiter auseinander, das Gespür für das Geheimnis hinter den Dingen gehe verloren, vieles bleibe angesichts des technischen und wissenschaftlichen Fortschritts auf der Strecke. Gebot der Stunde sei es daher, mitzuhelfen, dass der Weg wieder mehr in die richtige Richtung gehe. Die Natur werde weitgehend von vielen nur noch als "Torte gesehen, aus der sich jeder einfach ein Stück herausschneidet". Tiere würden vielfach nur noch unter dem Aspekt des wirtschaftlichen Nutzens gesehen.

Dabei sei es aber Wesen der christlichen Botschaft, die Natur als Schöpfung zu sehen, in der sich Gott offenbaren wolle. Franziskus von Assisi habe dies einst schön zum Ausdruck gebracht, wenn er die Dinge der Natur als Brüder und Schwestern bezeichnet habe. Die Natur, die Tiere, die Menschen – "in jedem Geschöpf schaut uns Gott immer an", gab Pater Franz den Anwesenden als Mahnung mit auf den Weg.

Immer mehr zu produzieren und zu verbrauchen, das könne nicht der Weisheit letzter Schluss sein, so der Pater weiter. Und Sachzwänge seien nicht unverrückbar  und dürften auch nicht so hingenommen werden; vielmehr seien diese vielfach zitierten "Sachzwänge" oft nichts weiter als "von irgendwelchen Zielen geleiteter Wille"; da müsse man sehr vorsichtig sein. Zum Schluss rief er alle dazu auf, Ohren und Herz offen zu halten, jeder könne seinen Beitrag zu einer besseren, einer neuen Welt leisten. Und man dürfe nicht vergessen, dass "uns Gott immer auch im Mitmenschen begegnet: Jeder andere hat etwas, das uns weiterbringt".

In den Fürbitten, von Landfrauen gesprochen, wurde unter anderem um Sorgfalt gegenüber Pflanzen, Tieren und allen Lebewesen gebetet. Außerdem wurde darum gebeten, dass sich das Miteinander von Landwirtschaft und Verbrauchern verbessern möge – in Zeiten, da der Abstand immer größer zu werden scheine. Nach dem Gottesdienst lobt Kreisbäuerin Irina Esterbauer Pater Franz für "die tolle Kirch’", die er gehalten habe, auch wenn es ein bisserl länger gedauert habe als sonst. Und die stellvertretende Kreisbäuerin Christine Schuhegger überreichte ihm als Dank einen Geschenkkorb.  

Schon vor dem Gottesdienst nutzten die Landfrauen in großer Zahl das Angebot, sich bei dem vielfältigen Basar aus selbstgebastelter Weihnachtsdeko, selbstgebackenem Gebäck, Büchern, Stoffen und vielem mehr zu bedienen. Der Erlös aus dem Verkauf kommt wie immer sozialen Zwecken zugute. he

Bildtext einblenden
Als Dank für Gottesdienst und Predigt überreichte die stellvertretende Kreisbäuerin Christine Schuhegger Pater Franz als Dank einen Geschenkkorb. Foto: Eder
Bildtext einblenden
Italian Trulli